Ausprobiert

Wie fühlt es sich an, beim Laufen Müll zu sammeln?

Beim "Plogging" wird die Laufrunde zum Müllsammeln genutzt. Unsere Autorin hat den Lauftrend aus Schweden ausprobiert.

Ausprobiert Plogging

Die ständigen Kniebeugen sind ein Trainingsimpuls, den die Autorin als unerwartet anstrengend empfand.

Bild: Privat

Die Bedingungen:

1. Zum Laufen wird eine Mülltüte mitgenommen, in der herumliegender Müll gesammelt wird.

2. Bei jedem Fund wird eine Kniebeuge zum Aufsammeln absolviert.

3. Gelaufen wird vor allem in der Stadt.


Beim Laufen auch noch etwas für die Umwelt tun: Plogging heißt der Lauftrend aus der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Das Wort selbst verrät bereits, worum es geht: Auf Schwedisch ist das nämlich eine Mischung aus Laufen und Pflücken – und „gepflückt“ wird hier eben herumliegender Abfall.

Laufen mit Mülltüte

Normalerweise weigere ich mich, beim Laufen irgendetwas in der Hand zu halten. Fürs Plogging schnappe ich mir aber eine schicke Mülltüte – und los geht’s. Schon auf den ersten Metern sammle ich einige Stücke auf. Speziell Einweg-Kaffeebecher scheint man gern einfach so auf der Straße oder dem Gehweg zu entsorgen. Bedenklich finde ich, dass oft sogar ein Mülleimer in Sichtweite ist.

Empfehlenswert sind fürs Ploggen übrigens Handschuhe. Weil es draußen kalt ist und Schnee liegt, trage ich die sowieso, und der Ekelfaktor hält sich in Grenzen. Die Mülltüte jedenfalls füllt sich und wird dadurch auch schwerer. Damit macht sie sich beim Laufen stärker bemerkbar und ich habe zunächst den Eindruck unrund zu laufen. Das ständige kurze Stehenbleiben und Bücken sorgt außerdem dafür, dass ich nicht in den gewohnten Laufrhythmus komme. Und das Bücken ist auf Dauer anstrengend. Das sollte ich wohl öfter üben.

Die Zeit fliegt spielend

Mit der Zeit gewöhne ich mich mehr und mehr an die Tüte und bin motiviert, sie möglichst voll zu bekommen. Jeder Fund ist tatsächlich mit einem gewissen Glücksgefühl verbunden und schnell empfinde ich das Rascheln der Tüte und ihr Gewicht nicht mehr als unangenehm. Hier und da registriere ich verwunderte Blicke der Menschen, die mir begegnen. Aber das leicht seltsame Gefühl werfe ich schnell über Bord und gebe mich ganz dem Sammelrausch hin. Das macht Spaß! Die Zeit fliegt nur so und irgendwie fühlt es sich an wie ein Spiel. Das hätte ich nicht erwartet.

Fazit: Gutes Gewissen und Abwechslung beim Training

Für schnelle Tempoläufe ist Plogging sicher nicht geeignet, aber durchaus eine nette Abwechslung für entspannte Läufe. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass es gemeinsam mit einer Laufgruppe noch mehr Spaß macht. Und dann sind da noch das gute Gewissen und der Umweltaspekt. Es stimmt mich nämlich sehr zufrieden, die gefüllte Tüte nach der Laufrunde in die Mülltonne zu werfen. Auch wenn sich natürlich die Frage stellt, ob das Aufsammeln von anderer Leute Müll wirklich die Lösung sein soll.

Ich für meinen Teil werde in Zukunft noch mehr darauf achten, meinen Müll draußen wirklich nur in Mülleimer zu werfen oder mitzunehmen und ordentlich zu entsorgen. Und für spontane Plogging-Einheiten beim Laufen wird sich in Zukunft bestimmt öfter eine Mülltüte in meiner Jackentasche befinden.

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