New-York-Marathon 2017

Shalane Flanagan triumphiert überraschend

In 2:26:53 gewann die US-Amerikanerin Flanagan den New-York-Marathon 2017 und verwies Mary Keitany auf Rang zwei. Schnellster Mann war Geoffrey Kamworor in 2:10:53.

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New-York-Marathon 2017

Über 50.000 Läufer nahmen 2017 am New-York-Marathon teil, dem bekanntesten Marathonrennen weltweit.

Bild: Norbert Wilhelmi

Eine US-Amerikanerin hat überraschend den New-York-City-Marathon gewonnen: Shalane Flanagan stoppte am 5. November 2017 die Siegesserie von Mary Keitany und gewann in 2:26:53 Stunden klar vor der Kenianerin. Mary Keitany war gut eine Minute später nach 2:27:54 im Ziel. Es ist der erste Sieg einer Amerikanerin beim New-York-Marathon seit 1977. Damals gewann Miki Gorman in 2:43:10, allerdings hatte der internationale Frauen-Langstreckenlauf in den 70er Jahren längst nicht das heutige Niveau. Für die 36-jährige Shalane Flanagan, die beim olympischen Marathon 2016 Platz sechs belegt hatte und bereits 2004 Olympia-Silber über 10.000 m gewonnen hatte, war es der größte Sieg ihrer Karriere. Keitany, die im Frühjahr den London-Marathon in der Afrika-Rekordzeit von 2:17:01 gewonnen hatte und in New York zum vierten Mal in Serie gewinnen wollte, war am Sonntag offensichtlich nicht in Topform. Die große Favoritin rettete aber noch Platz zwei ins Ziel vor Mamitu Daska (Äthiopien/2:28:08).

Erster Marathon-Sieg für Geoffrey Kamworor beim New York-Marathon 2017

Es war nicht der Tag der Titelverteidiger beim 47. New-York-Marathon: Vorjahressieger Ghirmay Ghebreslassie (Eritrea) lief lange in der Spitzengruppe, gab dann jedoch knapp fünf Kilometer vor dem Ziel auf. Bei guten Wetterbedingungen feierte der 24-jährige Geoffrey Kamworor nach mehreren Anläufen seinen ersten Marathonsieg. Der amtierende Halbmarathon- und Crosslauf-Weltmeister aus Kenia gewann das Rennen in 2:10:53 knapp vor seinem Landsmann Wilson Kipsang. Der frühere Weltrekordler hatte auf dem letzten Kilometer noch einige Sekunden gut gemacht, konnte Kamworor aber nicht mehr ganz erreichen und wurde schließlich in 2:10:56 mit nur drei Sekunden Rückstand Zweiter. Platz drei belegte Lelisa Desisa (Äthiopien) in 2:11:32.

Über 50.000 Läufer beteiligten sich an dem Marathon-Spektakel mit Start auf der Verrazano Narrows Bridge und Ziel im Central Park. Deutsche Topläufer waren in New York nicht am Start.

US-Athletin Shalane Flanagan lief beim New-York-Marathon 2017 zum größten Triumph ihrer Karriere. Seit 1977 hatte beim New-York-City-Marathon keine Amerikanerin mehr gewonnen.

Bild: photorun.net

Amerikanerin Shalane Flanagan gewinnt New-York-Marathon 2017

Beim New-York-Marathon finden die Eliterennen traditionell ohne Tempomacher statt. Dadurch entwickeln sich dort meistens Rennen mit einem lange Zeit verhaltenen Tempo und wenig Bewegung in der Spitzengruppe. Am Sonntag war das Tempo noch langsamer als üblich. Zwischenzeiten von 19:09 bei 5 beziehungsweise 36:52 Minuten bei 10 Kilometern deuteten auf Endzeiten von zunächst über 2:40 und dann immer noch über 2:35 Stunden hin. Nach 1:16:18 Stunden erreichte die 18-köpfige Spitzengruppe die Halbmarathonmarke.

Mary Keitany fast elf Minuten langsamer als in London

Der 25-km-Punkt wurde nach 1:30:07, 30 Kilometer nach 1:47:05 Stunden erreicht. Erst in dieser Phase des Rennens wurde es an der Spitze merklich schneller. Knapp zehn Kilometer vor dem Ziel lösten sich Titelverteidigerin Mary Keitany, Mamitu Daska und Shalane Flanagan. Rund vier Kilometer blieb das Trio zusammen, dann konnte sich Shalane Flanagan etwas absetzen. In der Folge vergrößerte die Amerikanerin ihren Vorsprung. An der 40-km-Marke lag sie bereits 24 Sekunden vor der großen Favoritin Mary Keitany, die weiter an Boden verlor und schließlich fast elf Minuten langsamer lief als noch in London im April. „Ich hatte gestern Nachmittag ein Problem“, erklärte Mary Keitany, ohne weitere Details zu nennen. „So ist das Leben. Dadurch konnte ich heute nicht meine Leistung bringen.“

Auch Platz 5 geht an eine Amerikanerin

Eine Überraschung gelang in New York nicht nur der Siegerin. Die fünftplatzierte US-Amerikanerin Alliee Kieffer war mit einer persönlichen Bestzeit von 2:44:44 Stunden ins Rennen gegangen. Sie war diese Zeit 2016 bei einem Hallenrennen in New York auf einer 200-m-Rundbahn gelaufen. Am Sonntag wurde sie Fünfte und verbesserte sich um gut eine Viertelstunde auf 2:29:39. Hinter ihr lief die italienische Debütantin Sara Dossena auf Rang sechs zeitgleich ins Ziel.

„Ich habe von einem Moment wie heute geträumt seit ich ein kleines Mädchen war“

Für Shalane Flanagan könnte der New-York-Sieg der krönende Abschluss ihrer Karriere sein. Auf die Frage, ob dies ihr letzter Marathon war, antwortete sie ausweichend: „Wir müssen in nächster Zeit einige Entscheidungen treffen.“ Doch zunächst wollte sie ihren Sieg genießen, nachdem sie im Frühjahr verletzungsbedingt auf den Start beim Boston-Marathon verzichten musste. „Ich war damals am Boden zerstört, aber ich habe mir gesagt: Es gibt irgendwann eine ausgleichende Gerechtigkeit“, sagte Flanagan. „Ich habe von einem Moment wie heute geträumt seit ich ein kleines Mädchen war. Das bedeutet mir unheimlich viel. Sieben Jahre Arbeit stecken in diesem Moment.“

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Geoffrey Kamworor siegte beim New-York-City-Marathon 2017

Bild: photorun.net

Geoffrey Kamworor rettete beim New-York-City-Marathon 2017 einen Vorsprung von drei Sekunden vor Wilson Kipsang ins Ziel.

Das Rennen der Männer

Auch bei den Männern lief die Spitzengruppe lange Zeit ein Tempo, das sich für diese Athleten fast wie schnelleres Jogging angefühlt haben muss. Die ersten Zwischenzeiten deuteten auf eine Zielzeit von über 2:15 Stunden hin. Bis zur Halbmarathonmarke, die nach 66:09 Minuten erreicht war, wurde das Rennen nicht wesentlich schneller. Zwar verkleinerte sich die Spitzengruppe zunächst auf sieben Läufer – darunter waren neben den drei am Ende Erstplatzierten auch Titelverteidiger Ghebreslassie und der Schweizer Tadesse Abraham –, doch in der Folge fanden andere wieder den Anschluss.

Nach 35 Kilometern (1:49:36 Stunden) liefen immer noch neun Athleten in der ersten Gruppe. Zwei Kilometer später hatte sich ein Quartett abgesetzt: Kamworor und Kipsang bildeten nun gemeinsam mit den Äthiopierin Desisa und Lemi Berhanu die Spitzengruppe. Kurz vor Kilometer 40 verschärfte dann Geoffrey Kamworor das Tempo und konnte schnell einen Vorsprung von sieben Sekunden herauslaufen.

Wilson Kipsang mit starkem Schlussspurt, doch Geoffrey Kamworor rettet Vorsprung ins Ziel

Doch es blieb im Rennen um den prestigeträchtigen New-York-Sieg spannend. Denn Wilson Kipsang, der Ende September beim Berlin-Marathon das Rennen nach 30 Kilometern aufgegeben hatte und nun einen neuen Anlauf nahm, blieb seinem Landsmann auf den Fersen. Auf den letzten paar hundert Metern lief Kipsang sogar schneller als Geoffrey Kamworor und holte Sekunde um Sekunde auf. Doch für Kipsang, der in New York vor drei Jahren gewonnen hatte, kam die Ziellinie rund 150 Meter zu früh. Er kam nicht mehr an seinem Konkurrenten vorbei. „Ich habe meinen Schlussspurt etwas zu spät angesetzt, ansonsten hätte ich ihn eingeholt. Aber ich gratuliere Geoffrey zum Sieg und zu einem starken Rennen“, sagte Wilson Kipsang, der im vergangenen Februar den Tokio-Marathon gewonnen hatte.

„Es ist fantastisch für mich, im sechsten Marathon erstmals zu siegen.“

„Ich habe Wilson kommen gesehen und habe mich nur darauf konzentriert so schnell wie möglich zu laufen. Ich weiß, dass ich als Bahn-Langstreckler eine sehr gute Grundschnelligkeit habe und dachte mir, dass das reichen könnte, um zu gewinnen“, sagte Geoffrey Kamworor. „Es ist fantastisch für mich, im sechsten Marathon erstmals zu siegen.“

Drei Europäer unter den Top Ten

Auch in New York konnten sich, wie schon vor einer Woche in Frankfurt, drei europäische Läufer unter den Top Ten platzieren: Der aus Eritrea stammende Schweizer Tadesse Abraham wurde Fünfter in 2:12:01 vor dem Holländer Michel Butter (2:12:39). Als Achter folgte Koen Naert (Belgien) mit 2:13:21.

Seinen letzten Marathon als Profi lief der US-Amerikaner Meb Keflezighi. Der 42-Jährige hatte bei Olympia 2004 in Athen überraschend die Silbermedaille gewonnen und triumphierte dann sowohl in New York (2009) als auch Boston (2014). Er wurde am Sonntag Elfter in 2:15:29.

Nicht ans Aufhören denkt hingegen Kathrine Switzer. Die 70-jährige Frauenlaufpionierin lief nach 4:48 Stunden ins Ziel im Central Park, begleitet von 13 Charityläuferinnen. Zusammen sammelten sie 55.000$ für die Förderung des Frauenlaufsports. „Es ist 43 Jahre her, seit ich meinen ersten New-York-City-Marathon bestritten habe“, sagte Switzer. „Es war mir eine Ehre, mit 13 Frauen aus sechs Ländern, die 261 Fearless vertreten, durch die fünf Bezirke zu laufen.“ Switzer läuft inzwischen seit 50 Jahren Marathon, seit sie beim Boston-Marathon 1967 mitgelaufen war. Frauen war die Teilnahme damals verboten, aber ihre Freunde hinderten den Renndirektor damals, Switzer ihre Startnummer abzureißen. 1974 konnte Kathrine Switzer den New-York-Marathon gewinnen, nachdem sie ein Jahr zuvor Zweite geworden war.

Ergebnisse New-York-City-Marathon 2017, Männer

1. Geoffrey Kamworor,KEN, 2:10:53
2. Wilson Kipsang, KEN, 2:10:56
3. Lelisa Desisa, ETH, 2:11:32
4. Lemi Berhanu, ETH, 2:11:52
5. Tadesse Abraham, SUI, 2:12:01
6. Michel Butter, NED, 2:12:39
7. Abdi Abdirahman, USA, 2:12:48
8. Koen Naert, BEL, 2:13:21
9. Fikadu Girma Teferi, ETH, 2:13:58
10. Shadrack Biwott, USA, 2:14:57

Ergebnisse New-York-City-Marathon 2017, Frauen

1. Shalane Flanagan, USA, 2:26:53
2. Mary Keitany, KEN, 2:27:54
3. Mamitu Daska, ETH, 2:28:08
4. Edna Kiplagat, KEN, 2:29:36
5. Allie Kieffer, USA, 2:29:39
6. Sara Dossena, ITA, 2:29:39
7. Eva Vrabcova, CZE, 2:29:41
8. Kellyn Taylor, USA, 2:29:56
9. Diane Nukuri, BDI, 2:31:21
10. Stephanie Bruce, USA, 2:31:44

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