Icebug Frozen Lake Marathon

Marathon on ice

Ein Marathon auf purem Eis - das ist der Icebug Frozen Lake Marathon in Norwegen. 160 Teilnehmer ließen sich bei der ersten Ausgabe in Winterwunderland-Atmosphäre verzaubern.

Frozen Lake Marathon 2019
Frozen Lake Marathon

Beim Frozen Lake Marathon führte die 21,1 Kilometer lange Runde komplett über den zugefrorenen Tisleifjord in Norwegen.

Bild: Veranstalter

Still und starr ruht er vor uns, der Tisleifjord in Norwegen. Der rund 11 Kilometer lange Stausee liegt etwa 100 Kilometer westlich von Lillehammer auf 819 Metern Höhe. Der See und die sanft geformte Berglandschaft an seinen Ufern sind mit einer dicken Watteschicht aus frischem Schnee zugedeckt, die Tannen tragen weiße Kissen auf ihren Ästen. Eine Stimmung wie in einem Kinderweihnachtsbuch, mitten im März. Vor meinem inneren Auge sehe ich einen Rentierschlitten durch den Schnee fegen.

In der Realität brausen stattliche Trecker mit Schneeketten über den See und räumen noch letzte Schneereste von dem 21,1 Kilometer langen Kurs. In einigen Schleifen windet der sich in beständigem, sanftem Slalom über das Eis. Die Sonne knallt vom Himmel, die minus 10 Grad vom frühen Morgen sind knappen Minustemperaturen gewichen, es weht kaum ein Lüftchen. Perfekte Bedingungen für die 160 Marathon- und Halbmarathonläufer. Und so strahlen ausnahmslos alle mit der Sonne um die Wette. Die meisten kommen aus Norwegen oder Schweden, doch auch vereinzelte Läufer aus Dänemark, Deutschland, Österreich, Polen, England oder Frankreich sind dabei.

Zuerst dürfen die 120 Halbmarathonläufer auf die Strecke, fast exakt gleich viele Läuferinnen wie Läufer. Das Feld zieht sich zügig auseinander, jeder findet auf dem eisigen Untergrund seinen Rhythmus. Die verpflichtend zu tragenden Spikes sorgen für ein Laufgefühl wie auf der Straße. Das Eis ist allerdings auch genauso hart wie Asphalt – das Klackern der Metallstifte ist ein ständiger Begleiter, wenn man nicht den leicht schneebedeckten Rand der Strecke wählt. Bunte Jacken oder Mützen der weiter vorn Laufenden stechen aus dem Weiß heraus und geben Orientierung. Auch die Topografie der Berglandschaft ist nach einigen Schleifen und Richtungswechseln bestens bekannt. Und doch kann ich mich gar nicht sattsehen an diesem Winterwunderland.

Spikes sind Pflicht beim Frozen Lake Marathon.

Bild: Veranstalter

Zwischendurch geht mein Blick aber auch immer auf die Strecke. Das Eis ist laut Angaben der Veranstalter zwar 80 Zentimeter dick, aber immer wieder durchziehen Rissspuren (die natürlich wieder zugefroren sind) das Eis. Auch wenn ich weiß, dass die Eisdecke 30 Tonnen trägt und hier normalerweise Autos und Traktoren über das Eis fahren, bleibt ein ganz kleines bisschen Skepsis. Über die Risse laufe ich also lieber hinweg ohne genau draufzutreten.

Nach einigen Schleifen über den See liegen zwei Drittel der Strecke hinter mir, es wird langsam anstrengend. In den Gesichtern der Mitläufer sehe ich, dass es nicht nur mir so geht. Trotz exakt 0 Höhenmetern und keinem spürbaren Rutschen scheint sich die Belastung doch ein wenig vom Laufen auf gewohnten Terrain zu unterscheiden. Auf den letzten zwei Kilometern haben die Streckendesigner dazu noch auf die sanften Riesenslaloms verzichtet, die Zielgerade zieht sich. Alle Halbmarathonläufer, die ich im Ziel getroffen habe, waren sich jedenfalls einig: Eine Runde reicht. Thomas Rottenberg, einziger österreichischer Starter beim ersten Frozen Lake Marathon, schätzte nach dem Halbmarathon die Zeitdifferenz zu einem Lauf auf der Straße auf um die zehn Minuten.

Britta beim Frozen Lake Marathon

Bild: Thomas Rottenberg

Unsere Redakteurin Britta Ost lief beim ersten Frozen Lake Marathon in Norwegen mit.

Die 12 Marathonläuferinnen und 28 Marathonläufer der Premiere durften sich die Strecke allerdings zweimal geben. Zu Beginn ihres Rennens – sie starteten 15 Minuten nach den Halbmarathonläufern – hatten sie noch reichlich Mitläufer auf dem Eis, in der zweiten Runde war es dagegen für viele von ihnen ein einsames Rennen, allerdings in der besagten, traumhaften Winterlandschaft. Fürs nächste Jahr will der Veranstalter hier allerdings ansetzen und die Marathonläufer zuerst aufs Eis lassen.

Bemerkenswert am Frozen Lake Marathon waren die vielen Läufer, die bei diesen Bedingungen ihren ersten Marathon, ihren ersten Halbmarathon oder auch ihr allererstes Rennen liefen. Eine Schwedin zum Beispiel erzählte, sie habe noch nie bei einer Laufveranstaltung mitgemacht. Auf Instagram habe sie vom Frozen Lake Marathon erfahren und war so begeistert, dass sie sich gleich angemeldet hatte. Einen ganzen Tag Zug- und Busanreise nahm sie dafür auf sich, bei den winterlichen Bedingungen geht es auf den kleinen kurvigen Straßen nicht sehr schnell voran. Ebenfalls sein erstes Rennen, dabei gleich den Marathon, lief der Brite Ed Gamester – er kämpfte sich durch und kam nach 5:41 Stunden unter Begleitung eines Wikingers mit nacktem Oberkörper und Beil als Letzter, aber stolz und glücklich ins Ziel. Trotz der etwas mühseligen Anreise lautet auch mein Fazit: Der Frozen Lake Marathon ist eine einmalige Erfahrung – und ein Bucketlist-Tipp für Läufer.

Die Sieger beim Icebug Frozen Lake Marathon

Marathon, Frauen
1. Jackie Stretton, 3:20:44
2. Ulrika Sjöwall, 3:39:07
3. Helen Eriksson, 3:55:46

Marathon, Männer
1. Adam Stenman, 2:59:29
2. Nikolai Tefre Lunder, 3:08:16
3. Andreas Martinussen, 3:10:37

Halbmarathon, Frauen
1. Sara Holmgren, 1:27:10
2. Elvira Vegas, 1:34:19
3. Sofie Kildahl, 1:42:07

Halbmarathon, Männer
1. Morten Grønneberg, 1:25:39
2. Tor Andreas Andersen, 1:27:32
3. Sindre Viberg, 1:28:28

Der Termin 2020 steht leider noch nicht fest, der Marathon kann erst nach der Trainingssaison der norwegischen Polizei auf dem See stattfinden. Startgebühr: 42 km Ice Marathon: 1.500 SEK (ca. 140 Euro), 21 km Half Ice Marathon: 1.200 SEK (ca. 115 Euro).