Frankfurt-Marathon 2010

Kipsang und Kilel mit Kursrekorden

Kipsang katapultiert Frankfurt mit 2:04:57 in die Weltelite der City-Marathons. Caroline Kilel macht in 2:23:25 kenianischen Doppelsieg perfekt.

Wilson Kipsang und Caroline Kilel gewinnen Frankfurt-Marathon 2010

Wilson Kipsang und Caroline Kilel gewinnen Frankfurt-Marathon 2010 mit Streckenrekorden.

Bild: photorun.net

Wilson Kipsang hat mit einer sensationellen Leistung den Commerzbank Frankfurt-Marathon mitten hinein katapultiert in die absolute Weltelite der City-Marathonrennen. Der Kenianer gewann das Rennen mit einem fantastischen neuen Kursrekord von 2:04:57 Stunden – der zehntschnellsten je gelaufenen Marathonzeit. Nur vier Rennen können weltweit Streckenbestzeiten von unter 2:05 Stunden aufweisen: Neben Berlin, Rotterdam und Dubai ist nun auch der Frankfurt-Marathon in diesen elitären Kreis aufgestiegen. Perfekte Wetterbedingungen sorgten dafür, dass auch der Streckenrekord der Frauen deutlich unterboten wurde. Caroline Kilel setzte sich in 2:23:25 Stunden durch und machte den kenianischen Doppelsieg perfekt. 12.475 Läufer aus 76 Nationen hatten für den Marathon gemeldet.

„Das war ein perfekter Tag für uns und mehr als wir erwartet hatten“, kommentierte Race-Direktor Jo Schindler die Ergebnisse. Zum ersten Mal in der Geschichte des Rennens hat der älteste deutsche Stadtmarathon zudem den Sprung in die Top-10-Liste der schnellsten City-Marathons der Welt geschafft. Hier wird die Durchschnittszeit der besten zehn je beim jeweiligen Rennen gelaufenen Männer-Zeiten zugrunde gelegt. Mit einer Durchschnittszeit von 2:06:53,5 (vorher: 2:07:39,6) hat sich Frankfurt gleich auf Platz sieben geschoben.

Und noch mehr bemerkenswerte Resultate produzierte das Ausnahmerennen am Main: Gemessen an den kombinierten Siegzeiten (Männer und Frauen) war Frankfurt heute der bisher zweitbeste Marathon des Jahres. Nur der London-Marathon war im April noch etwas hochklassiger. 4:27:19 Stunden liefen die Sieger in London zusammengerechnet, 4:28:22 ist die Frankfurter Zeit. An dritter Stelle steht Paris mit 4:28:45. Zum ersten Mal seit über 20 Jahren ist Frankfurt der schnellste deutsche Marathon des Jahres. In Berlin betrug die Siegzeit – allerdings bei sehr schlechten Wetterbedingungen – 2:05:08 Stunden.

Eine Gruppe mit über 20 Läufern erreichte am Sonntag die Halbmarathonmarke nach 62:38 Minuten. Das war etwas schneller als geplant. Und das Tempo wurde nicht langsamer. 1:29:12 Stunden zeigten die Uhren bei Kilometer 30. Es war dann Tadese Tola, der nach dem Ausstieg des letzten Tempomachers nach 33 km zunächst die Führung übernahm und das Tempo forcierte. Doch einen wurde der Äthiopier nicht los: Wilson Kipsang. Der Kenianer startete seinerseits fünf Kilometer vor dem Ziel einen Antritt und sorgte damit für die Entscheidung. Sehr schnell erlief Kipsang einen deutlichen Vorsprung. Mit seiner Siegzeit von 2:04:57 Stunden ist er nun der achtschnellste Läufer aller Zeiten. Den alten Kursrekord von Gilbert Kirwa (Kenia), der 2009 in 2:06:14 gewonnen hatte, verbesserte er deutlich. „Bei Kilometer 35 wusste ich, dass ich gewinnen kann und habe das Tempo entsprechend verschärft. Dann wusste ich auch, dass es unter 2:05 Stunden gehen kann, wenn ich das Tempo hoch halte“, erklärte Wilson Kipsang.

Hinter dem 28-jährigen Sieger, der sich insgesamt eine Prämie von 95.000 Euro verdiente, wurde Tadese Tola am Tag seines 23. Geburtstages mit 2:06:31 Stunden Zweiter. Auch die nächsten beiden Läufer erzielten noch Weltklassezeiten: Elias Chelimo lief 2:07:04, Philip Sanga (beide Kenia) erreichte 2:07:11. Als bester Deutscher lief Falk Cierpinski (SG Spergau) in 2:20:43 Stunden auf Rang 31. Er litt einmal mehr unter starkem Seitenstechen. „Ich bin enttäuscht. Ich hatte ab Kilometer 12 wieder Probleme und Schmerzen auf der rechten Seite vom Nacken abwärts. Dadurch hatte ich am Ende auch Seitenstechen, denn das Zwerchfell wird blockiert. Wir denken, es kommt von den Weisheitszähnen, die werden nun in den nächsten Wochen herausgenommen. Ich bin vor drei Wochen in Berlin die zehn Kilometer unter 30 Minuten gelaufen und hatte keine Probleme. Ich will endlich mal wieder schnell laufen. Es nervt, wenn man nicht zeigen kann, was man drauf hat“, sagte Falk Cierpinski.

Auch bei den Frauen erreichte der Frankfurt-Marathon eine neue Qualitätsstufe. Caroline Kilel lief mit 2:23:25 die zehntschnellste Zeit des Jahres weltweit. Etwas überraschend war die Kenianerin dem hohen Anfangstempo der Äthiopierinnen Dire Tune und Mare Dibaba gefolgt. Diese Dreiergruppe erreichte nach 70:59 Minuten die Halbmarathonmarke. Etwas langsamer wurde das Tempo in der zweiten Hälfte. Kurz nach 35 km verlor dann zunächst Mare Dibaba den Kontakt. Den Zweikampf mit Tune entschied Kilel dann bei Kilometer 40 für sich. Sie verdiente sich eine Prämie von insgesamt 40.000 Euro. Mit der Siegzeit von 2:23:25 Stunden ist Frankfurt auch bei den Frauen der schnellste deutsche Marathon in diesem Jahr.

„Ich bin sehr glücklich, denn ich habe auch meine persönliche Bestzeit um zwei Minuten verbessern können. Das hatte ich nicht erwartet. Nach meiner Attacke bei Kilometer 40 war ich sicher, dass ich gewinne“, erklärte Caroline Kilel.

Hinter der Kenianerin blieben auch Dire Tune (Äthiopien/2:23:44), Titelverteidigerin Agnes Kiprop (Kenia/2:24:07) und Isabellah Andersson (Schweden/2:25:10) noch unter dem alten Kursrekord von 2:25:12. Als beste deutsche Läuferin erreichte Silke Optekamp (PSV Grün-Weiß Kassel) Rang zwölf in persönlicher Bestzeit von 2:39:56.