Wien statt London

Kipchoges Jagd auf die Zwei-Stunden-Barriere

Im Wiener Prater und nicht im Londoner Battersea Park wird der Kenianer Eliud Kipchoge am 12. Oktober versuchen, die 42,195 km unter 2:00:00 Stunden zu laufen.

Eliud Kipchoge lief in Berlin im vergangenen Jahr mit 2:01:39 Stunden den offiziellen Weltrekord.

Eliud Kipchoge lief in Berlin im vergangenen Jahr mit 2:01:39 Stunden den offiziellen Weltrekord.

Bild: photorun.net

Wien statt London: Bei der Jagd von Eliud Kipchoge auf die Zwei-Stunden-Traumbarriere im Marathon gab es einen sensationellen Ortswechsel. Im Wiener Prater und nicht im Londoner Battersea Park wird der Kenianer am 12. Oktober versuchen, die derzeit größte Barriere in der Leichtathletik zu durchbrechen. Gelingt es dem 34-Jährigen, die 42,195 km unter 2:00:00 Stunden zu laufen, wäre dies eine absolut spektakuläre Leistung, allerdings trotzdem kein Weltrekord. Denn das Rennen wird, wie schon der erste Versuch von Eliud Kipchoge, unter Bedingungen stattfinden, die keine offizielle Anerkennung als Weltrekord erlauben. Als Veranstalter in Wien fungiert das erfahrene Team des Vienna City-Marathons.

„Vor uns steht das faszinierendste Sportprojekt unserer Zeit. Es ist ein ,Once in a lifetime’-Ereignis. Ein Marathon unter zwei Stunden elektrisiert die Sportinteressierten weltweit. Mit der Prater Hauptallee als einzigartiger Strecke, mit der Organisationskraft unseres Teams und der Stadt Wien als hervorragendem Gastgeber werden wir die idealen Rahmenbedingungen dafür schaffen. Wir sind stolz darauf, als lokaler Veranstalter dieses Vorhaben nach Wien geholt zu haben und hier umsetzen zu können“, sagte Wolfgang Konrad, der Race-Direktor des Vienna City-Marathons und fügte hinzu: „Ich bin überzeugt, dass Österreich dem größten Marathonläufer aller Zeiten einen fantastischen Empfang bereiten wird. Die ,Ineos 1:59 Challenge’ ist eine riesige Chance für den Vienna City-Marathon und ein Antrieb für den Laufsport. Das Rennen wird Jung und Alt begeistern.“

Zweite Chance

„Eine zweite Chance zu bekommen, die Zwei-Stunden-Barriere zu durchbrechen, ist außergewöhnlich aufregend. Ich sage immer, dass es kein Limit gibt und ich weiß, dass es für mich möglich ist, diese Barriere zu durchbrechen“, hatte Eliud Kipchoge erklärt, als vor knapp zwei Monaten bekannt wurde, dass er einen zweiten Anlauf auf die Zwei-Stunden-Barriere starten würde. Im Frühjahr 2017 war der kenianische Ausnahmeläufer auf dem Formel-1-Kurs im italienischen Monza 2:00:25 Stunden gelaufen. Dies war deutlich schneller als fast alle erwartet hatten. Kipchoge profitierte dabei von ständig wechselnden Tempomachern, die bei einem regulären Rennen nicht erlaubt sind. Ein derartiger Einsatz von „Hasen“ ist auch in Wien geplant.

Im vergangenen September hatte Eliud Kipchoge in Berlin unter regulären Bedingungen den Weltrekord auf 2:01:39 Stunden verbessert. Damit kam er bis auf 100 Sekunden an eine erste Zeit von unter zwei Stunden heran. Und es gibt einige, die ihm zutrauen, die Traum-Marke auch in einem regulären Rennen zu erreichen. In Wien setzt der Marathon-Olympiasieger nun aber zunächst noch einmal auf die Unterstützung von wechselnden Tempomachern, die sicherstellen, dass er vom Start bis ins Ziel geführt wird. „Ich habe bei meinem ersten Versuch viel gelernt und glaube wirklich, dass ich 26 Sekunden schneller laufen kann als vor zwei Jahren in Monza. Ich will der Welt zeigen, dass alles möglich ist, wenn du dich auf ein Ziel konzentrierst, hart arbeitest und an dich glaubst“, erklärte Eliud Kipchoge.

Die Strecke führt mit zwei großen Wendebereichen mitten durch den Prater.

Bild: INEOS 1:59 Challenge

Finanziert wird das Projekt von dem britischen Chemie-Unternehmen „Ineos“, das im Radsport auch das erfolgreiche britische Team Sky übernommen hat. Insofern hatten sich die britischen Organisatoren zunächst auf London als Austragungsort festgelegt. Doch es gab in der Metropole Schwierigkeiten, eine geeignete, flache Rundstrecke zu finden, die zudem über ein längeres Zeitfenster zur Verfügung stehen musste, um bestmögliche Wetterbedingungen zu nutzen. Nachdem klar war, dass dies in London nicht gewährleistet ist und zudem auch das Wetterrisiko im Oktober dort nicht zu unterschätzen ist, kamen andere Städte ins Gespräch. Darunter war auch Berlin. Doch nun fiel die Entscheidung zugunsten der österreichischen Hauptstadt, die Eliud Kipchoge ein neuntägiges Zeitfenster für das Rennen bereit hält. Sollten die Wetterbedingungen am 12. Oktober ungünstig sein, könnte der Kenianer noch bis zum 20. Oktober in Wien laufen.

Bestmögliche Strecke in Europa

„Wir haben lange nach der bestmöglichen Strecke in Europa gesucht und am Ende war klar, dass wir nach Wien in den Prater gehen müssen. Wichtig war auch, dass das Team des Vienna City Marathons und der Bürgermeister der Stadt sofort bereit waren, bestmögliche Voraussetzungen zu schaffen“, erklärte Tom Crotty, der Pressesprecher von Ineos.

„Gemeinsam mit den Teams der ,Ineos 1:59 Challenge’, des London-Marathons und von Global Sports Communication als Agentur von Eliud Kipchoge bereiten der Vienna City-Marathon und die Stadt Wien die Bühne für dieses bahnbrechende Ereignis vor. Das klare Bekenntnis von Bürgermeister Ludwig zu der Veranstaltung war mit ausschlaggebend dafür, dass Wien gegenüber London und Berlin mit der 4,3 Kilometer langen, völlig geraden und flachen Prater Hauptallee den Vorzug erhalten hat“, heißt es in einer Pressemitteilung des Vienna City-Marathons.

Die Stadt Wien unterstützt das Projekt mit viel Engagement.

Bild: VCM / Michael Gruber

Die Stadt Wien unterstützt das Projekt mit viel Engagement.

„Wien ist mit seiner einzigartigen Laufkultur und seinen aktuellen Events eine Laufstadt ersten Ranges. Jetzt nehmen wir die hervorragende Chance an, gemeinsam mit renommierten internationalen Partnern und dem Vienna City Marathon ein einzigartiges Laufsport-Ereignis von weltweiter Bedeutung zu inszenieren. Es ist ein Projekt, das inspiriert und Mut macht, das scheinbar Unmögliche wahr zu machen. Die Stadt Wien freut sich, Austragungsort für dieses Vorhaben zu sein. Wien bietet die besten Voraussetzungen dafür. Wien heißt Eliud Kipchoge und sein Team willkommen. Ich bin mir sicher, dass ihn viele Wienerinnen und Wiener bei seinem Lauf in eine neue Dimension unterstützen werden“, erklärte der Bürgermeister der Stadt, Michael Ludwig.

„Eliud Kipchoge ist der größte Marathonläufer aller Zeiten und der einzige Athlet der Welt, der eine Chance hat, die Zwei-Stunden-Marke zu durchbrechen. Bisher war niemand dazu in der Lage. Es ist ein bisschen wie die Landung auf dem Mond. Wenn Eliud 1:59 läuft wird es das erste Mal sein, dass ein Mensch diese Barriere durchbrochen hat“, sagte Ineos-Chef Jim Ratcliffe und fügte hinzu: „Wir haben die Verantwortung dafür, sicherzustellen, dass Eliud die beste Chance erhält. Nach einer ausgiebigen Suche einen Austragungsort zu finden, der Eliuds Kriterien entspricht, freuen wir uns sehr mit Wien zusammenzuarbeiten und hoffen, dass wir im Oktober erleben können, wie Geschichte gemacht wird.”

Eliud Kipchoge, der sich derzeit in seinem Trainingscamp in Kaptagat, Kenia, auf das Rennen vorbereitet, erklärte: „Ich habe erfahren, dass Wien einen schnellen und flachen Kurs hat, der durch Bäume sehr gut geschützt ist. Die Strecke liegt im Herzen der Stadt, sodass viele Zuschauer Teil dieses historischen Ereignisses sein können.“