Transvulcania La Palma 2019

Hitze, Sand und steile Rampen

Jedes Jahr im Mai ist La Palma Schauplatz eines besonderen Bergrennens. In einem Weltklassefeld erreichten vier Deutsche Top-Platzierungen auf der Ultradistanz.

Transvulcania La Palma 2019 - Die Bilder
Transvulcania La Palma 2019 Lukas Naegele

Gestartet wurde der Transvulcania 2019 in der Dunkelheit.

Bild: Alex Diaz

Als Florian Reichert nach 8:04:10 Stunden über den roten Teppich ins Ziel läuft, hat er nicht nur 74,33 Kilometer und mehr als 8.500 Höhenmeter in Auf- und Abstieg hinter sich. Der Göttinger hat auch brutaler Hitze getrotzt und so viel vom Staub des schwarzen Vulkansandes eingeatmet, dass jede Messstation in Deutschland umgehend Alarm geschlagen hätte. Er lässt sich fallen und liegt mit ausgebreiteten Armen auf dem Rücken. Was für eine Schlacht. Auf den letzten Kilometern, am finalen Anstieg durch die Bananenplantagen unterhalb des Zielorts Los Llanos hatte er sich noch einen packenden Kampf mit Hannes Namberger geliefert, der nun, als zweiter Deutscher, direkt hinter ihm auf Platz 10, in 8:06:48 einläuft.

Drei Tage vor dem Rennen musste Reichert noch in seinem Beruf als Lehrer hart ran. Zentralabitur Englisch. Tags drauf hatte sein geplanter Flug ab Frankfurt so viel Verspätung, dass nicht klar war, ob er es überhaupt rechtzeitig auf die Insel schafft. Und nun dieses starke Ergebnis. All dieser Druck fällt jetzt von ihm ab. Es dauert eine Weile bis er sich aufrappelt. Dann geht er hinüber zu Hannes und gratuliert. „Als Hannes im Rennen recht locker an mir vorbeizog, dachte ich, den sehe ich nicht wieder. Aber unten im Flussbett, vor dem letzten Anstieg, tauchte er plötzlich wieder vor mir auf“, berichtet Reichert, während der Zielsprecher den dritten Deutschen ankündigt, Lukas Naegele auf Platz 14 bei den Männern. Der Freiburger gewann 2017 noch den Straßenmarathon seiner Heimatstadt und ist erst seit Kurzem ambitioniert auf Trails unterwegs. Im Ziel hadert er ein wenig mit sich und den Umständen gegen Ende: „Ich war die meiste Zeit des Rennens in der Nähe von Florian und Hannes unterwegs, aber am Ende hab‘ ich mich verlaufen, weil Beschilderungen fehlten. Schade, da wäre mehr drin gewesen.“ Tatsächlich sind Markierungen im Schlussanstieg ein rares Gut, waren sie nie, und Lukas ist nicht der erste, der sich da verdaddelt. Den deutschen Gesamterfolg komplett macht Eva Sperger. Nach einer schwerwiegenden Sehnenverletzung und nur kurzer Vorbereitungszeit läuft sie auf einem starken 9. Platz im Frauenfeld ein. „Ich will erstmal nur finishen, mehr kann ich nicht erwarten nach der langen Verletzungspause“, hatte die Münchnerin ihre Ziele vor dem Lauf noch zurückhaltend formuliert. Keine Frage, mit dem Finish hat es richtig gut geklappt.

Thibault Garrivier und Ragna Debats gewinnen Transvulcania 2019

Den Gesamtsieg im Ultrarennen holte sich überraschend der Franzose Thibault Garrivier vor dem Russen Dmitry Mityaev und dem Schweden Petter Engdahl, der bis Kilometer 50 alleine in Führung gelegen hatte. Bei den Frauen siegte die Niederländerin Ragna Debats vor Anne-Lise Rousset Séguret (FRA) und Megan Kimmel (USA). Die beim Transvulcania üblicherweise hoch favorisierten spanischen Spitzenläufer mussten, mal wieder, auf kürzere Strecken ausweichen, weil der spanische Verband – aufgrund der nahen Ultratrail-Weltmeisterschaften in Portugal – keine Teilnahmen an längeren Rennen erlaubt. So kam es beim Media Maratón des Transvulcania zu einem einzigartigen Line Up von Ultratrail-Weltklasseläufern, die unter Beweis stellten, dass sie auch kurz und schnell können.

Insgesamt 130 Läufer aus Deutschland waren nach La Palma gekommen. Keine andere Berglaufveranstaltung so fern der Heimat lockt regelmäßig so viele deutsche Teilnehmer an. Vier Rennen stehen ihnen zur Auswahl. Ein Vertikalkilometer mit +1.203 Höhenmeter über eine Strecke von 7,6 Kilometern. Dazu Media Maratón (24,28 km // + 2.098 und -689 HM), Maratón (45 km / + 1.884 HM und -3.329) sowie Ultramaratón (74,33 km // + 4.350 HM und -4.057 HM). Die Strecken führen über den kompletten Bergrücken, der die Vulkaninsel teilt. Es geht vom emotionsgeladenen Start im Schein tausender Stirnlampen am Leuchtturm von Fuencaliente auf Meereshöhe über das Dach der Insel auf 2.426 Metern bis zum Zielort Los Llanos im Nordwesten. Was neben der Hitze und den scheinbar endlosen Anstiegen und steilen Downhills besonders herausfordert, ist der Sand. Es ist, als hätte man einen Strand an die Wand genagelt. Auf Schritt und Tritt verliert man Zentimeter durchs Abrutschen. Gerade das saugt den Läufern unmerklich Energie aus den Beinen. In Tateinheit mit der Hitze ein Garant für Krämpfe.

Transvulcania als Teil der SkyRunner World Series

Der Transvulcania gehört zur SkyRunner World Series, eine Art Weltcup besonders anspruchsvoller Bergläufe, den es seit den 1990er Jahren gibt (mehr dazu, siehe Interview). Alle Rennen des Transvulcania sind in der Regel schnell ausgebucht. Jedes Jahr findet die Veranstaltung unter einem anderen Motto statt. Für 2019 hieß es: Pure Nature Runners. Und tatsächlich hinterließen die Läufer in diesem Jahr viel weniger Restmüll auf der Strecke als bei früheren Austragungen. Vor allem Verpackungen von Energieriegeln, die aus Unachtsamkeit oder Gedankenlosigkeit auf den Wegen landen, sah man kaum noch. Der Fokus auf den Umweltgedanken hat offensichtlich gewirkt.

Ergebnisse

Vertikalkilometer (7,6 km // +1.203 Hm)

Männer:
1. Daniel Osanz Laborda (ESP) 00:48:42 Stunden
2. Luis Alberto Hernando (ESP) 00:49:47 Stunden
3. Alexis Sévennec (FRA) 00:49:48 Stunden

Frauen:
1. Jessica Pardin (FRA) 00:58:38 Stunden
2. Gisela Carrión Bertron (ESP) 00:59:59 Stunden
3. Yngvild Kaspersen (NOR) 01:00:50 Stunden

Media Maratón (24,28 km // +2.097/-689 Hm)

Männer:
1. Aritz Egea Caceres (ESP) 2:16:46 Stunden
2. Daniel Osanz Laborda (ESP) 2:18:17 Stunden
3. Yoel De Paz Baeza (ESP) 2:19:02 Stunden

Frauen:
1. Yngvild Kaspersen (NOR) 2:39:33 Stunden
2. Gisela Carrion Bertran (ESP) 2:42:41 Stunden
3. Sheila Avilés Castano (ESP) 2:50:30 Stunden

Maratón (45 km // +1.884 /-3.329 Hm)

Männer:
1. Juan Estéban Las Peñas R. (ESP) 4:17:53 Stunden
2. Sergio Martin Hernandez (ESP) 4:28:30 Stunden
3. Alberto Gonzales Hernandez (ESP) 4:30:17 Stunden

Frauen:
1. Yuri Yoshizumi (JPN) 4:43:56 Stunden
2. Virginia Perez Mesonero (ESP) 4:52:12 Stunden
3. Aroa Sio Seijo (ESP) 5:02:16 Stunden

Ultramaratón (74,33 // +4.350 / -4.057 Hm)

Männer:
1. Thibaut Garrivier (FRA) 7:11:04 Stunden
2. Dmitry Mityaev (RUS) 7:14:23 Stunden
3. Petter Engdahl (SWE) 7:21:28 Stunden

Frauen:
1. Ragna Debats (NED) 8:09:25 Stunden
2. Anne-Lise Rousset Séguret (FRA) 8:25:11 Stunden
3. Megan Kimmel (USA) 8:35:03 Stunden

Bis über die Wolken liefen die Teilnehmer beim Transvulcania 2019.

Bild: VAN MARTY

SKYRUNNING
Seana Forbes von der Migu Run Skyrunner Series erklärt, was es mit Skyrunning auf sich hat.

Was ist Skyrunning?
Viele Läufer denken, es ist Trailrunning, aber da gibt es schon große Unterschiede. Im Trailrunning werden hohe Berge meistens umrundet, wie zum Beispiel beim Zugspitze Ultra-Trail oder UTMB. Bei Skyrunning geht es in der Regel immer einen Berg hinauf und wieder hinunter und der Untergrund ist technisch besonders anspruchsvoll. Manchmal werden die Hände zum Klettern gebraucht, und man muss sich auch mal an einem Seil einen Fels hinunter hangeln. Die Läufe sind zwischen 22 und 74 Kilometer lang. Außerdem müssen, kumuliert, mindestens 2.000 Höhenmeter überwunden werden.

Wie lange gibt es Skyrunning in dieser Form schon?
Angefangen hat es 1992 und die Migu Run Skyrunner World Series seit 2004. Die Idee dazu hatte Marino Giacometti, ein Bergläufer, der heute Präsident der Internationalen Skyrunning Federation ist. Sein Motto: „Weniger Wolken, mehr Himmel.“

Wie läuft der Wettbewerb ab?
Es gibt Rennen auf allen Kontinenten mit einer Saisonwertung. Wir finden jedes Jahr heraus, wer der beste Läufer, die beste Läuferin, auf unterschiedlich langen Strecken ist. Früher war die Skyrunners Series in mehrere Kategorien aufgeteilt, von Bergsprint bis Ultra. Heute gewinnt am Ende nur, wer alles gut kann. Gewertet werden die vier besten Ergebnisse eines Teilnehmers über alle Rennen eines Jahres.

Sind jedes Jahr die gleichen Rennen in der Serie vertreten?
Wir versuchen Abwechslung reinzubringen. In diesem Jahr ist erstmals Japan dabei. Viele Teilnehmer unserer Rennen interessieren sich nicht nur für anspruchsvolle Laufstrecken, sie wollen auch andere Kulturen kennenlernen. Der 66 Kilometer lange Pirin Ultra in Bulgarien zum Beispiel ist ziemlich neu und kam bei den Läufern sehr gut an. Wir wollen nicht nur große Events wie den Transvulcania in der Serie haben, sondern auch kleine Läufe mit familiärer Atmosphäre. Über das Jahr gesehen soll das Angebot möglichst vielfältig und spannend sein.

Das heißt, ihr organisiert die Rennen nicht selbst.
Nein, wir wählen aus bereits bestehenden Rennen aus, welche davon Teil der Serie werden können. Mal sprechen wir die Veranstalter an, ob sie dabei sein wollen, mal werden wir kontaktiert und gefragt. Natürlich erhöht es die internationale Aufmerksamkeit, wenn eine Veranstaltung Teil der Serie ist.

Gibt es in Deutschland derzeit ein Migu Skyrunner Race?
Leider noch nicht. Aber wir hätten gerne eines dabei und arbeiten daran.

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