Frühjahrs-Marathons

Arne Gabius zuversichtlich in Richtung Olympia-Marathon 2020

Wir ziehen eine Zwischenbilanz nach den ersten spannenden Frühjahrs-Marathons und blicken auf die kommenden Rennen.

Marathon Hannover 2019 - Die Bilder
Arne Gabius ist weiterhin zuversichtlich bezüglich der Olympia-Norm, die er in Hannover deutlich verpasste.

Arne Gabius ist weiterhin zuversichtlich bezüglich der Olympia-Norm, die er in Hannover deutlich verpasste.

Bild: photorun.net

Vier deutsche Marathonläufer waren am vergangenen Sonntag bei hochklassigen internationalen Rennen über die 42,195 km im Einsatz: Arne Gabius, Philipp Baar, Anja Scherl und Laura Hottenrott. Obwohl keiner von ihnen die erhofften Zeitziele erreichte, gab es am Wochenende für den deutschen Marathonlauf neben einer Ernüchterung aber auch einige Zuversicht. Mit Blick Richtung Deutsche Meisterschaften in Düsseldorf am 28. April machten zudem die Halbmarathon-Leistungen von Tom Gröschel und Fabienne Amrhein Hoffnung. Und auch Anna Hahner meldete sich gesund und kommt langsam zurück.

Einen Tag nach dem HAJ Hannover-Marathon, wo Arne Gabius (Therapie Reha Bottwartal) als Siebenter mit 2:14:29 Stunden die avisierte Richtzeit für eine mögliche Olympia-Nominierung von 2:11:30 Stunden deutlich verpasste, stellte der 38-Jährige zwei positive Aspekte seines Rennens heraus: „Erstens: ich habe mich durchgebissen, zweitens: mir tut nichts weh.“ Wenn er sich ohne Verletzungsprobleme und Krankheiten auf einen Herbst-Marathon vorbereiten kann, ist sich Arne Gabius sehr sicher, dass er das Olympia-Limit unterbieten kann. „Für Hannover hat das Training einfach nicht gereicht - ich hatte krankheitsbedingt einen zu großen Ausfall und konnte daher auch nicht ins Trainingslager nach Kenia fahren“, erklärte Gabius, der schon am nächsten Sonntag wieder bei einem bedeutenden Marathon am Start stehen wird: Er fährt mit seiner Familie nach Paris und läuft nebenbei die 42,195 km. „Ich werde vielleicht drei Stunden laufen. Das ist für mich wie Sightseeing.“

Nach einer Erholungsphase will Arne Gabius dann im Frühsommer bei ein paar Straßenrennen starten und vielleicht auch auf der Bahn antreten. Das große Ziel bleibt natürlich die Olympia-Qualifikation - und das möglichst bei einem Herbst-Marathon. Berlin oder Frankfurt sind die naheliegenden Optionen, aber für genaue Planungen ist es noch zu früh. „Meine Planung wird voll auf die Spiele ausgerichtet sein. Ich bin mir sicher: Tokio wird toll, es werden sehr gut organisierte Olympische Spiele.“ Zudem wird das Rennen über die 42,195 km im Marathon-verrückten Japan sicherlich ein großer Höhepunkt.

Tom Gröschel auf gutem Weg in Richtung Düsseldorf

Ein längerer Trainingsausfall im Winter aufgrund eines Infektes hat sich auch bei Philipp Baar (SCC Berlin) negativ auf die Marathon-Leistung ausgewirkt. Bis Kilometer 25 lag er in Wien noch auf Kurs für eine Zeit von rund 2:14:00 Stunden. Doch dann ging so gut wie nichts mehr. Mit 2:18:45 und Rang 19 war Philipp Baar ins Ziel. „Der Januar hat ihm gefehlt, er war einfach noch nicht so weit“, sagte Trainer Dieter Hogen.

Auch Philipp Pflieger (LG Telis Finanz Regensburg) und Marcus Schöfisch (Leipzig/lauftraining.com) laborierten in den letzten Wochen an Infekten und konnten somit beim Generali Berliner Halbmarathon am vergangenen Sonntag nicht ihr gewohntes Leistungsvermögen abrufen. Pflieger wurde 15. in 64:22, Schöfisch musste sich sogar mit Rang 39 in 68:45 zufrieden geben. Philipp Pflieger wird in diesem Frühjahr keinen Marathon laufen. In der Herbst-Saison will er sich über die 42,195 km zurückzumelden. Die olympische Marathon-Norm von 2:11:30 Stunden ist allerdings noch ein Stück schneller als seine Bestzeit von 2:12:50. „Aber Olympia ist mein Ziel, daher werde ich mich an dieser Zeit orientieren. Eine persönliche Bestzeit ist lange überfällig“, sagte Philipp Pflieger, der 2015 seine schnellste Zeit von 2:12:50 Stunden beim Berlin-Marathon gelaufen war. Damit erreichte er die Olympia-Nominierung. Voraussichtlich wird der 31-Jährige im September nach Berlin zum Marathon zurückkehren.

Ein weiterer Marathon in diesem Frühjahr rückt aus deutscher Sicht nun in den Fokus: In Düsseldorf finden am 28. April die Deutschen Meisterschaften statt. Auf einem guten Weg in Richtung Titelverteidigung ist Tom Gröschel (TC Fiko Rostock). Er gewann den Halbmarathon, der am vergangenen Sonntag im Rahmen des HAJ Hannover-Marathon stattfand, in 65:25 Minuten. Im Marathon zeigte er im vergangenen Jahr zwei überzeugende Leistungen: In Düsseldorf lief er bei seinem Debüt auf Anhieb 2:15:20, dann war er bei der EM als Elfter bester deutscher Läufer. Dem 27-Jährigen ist eine weitere, vielleicht sogar deutliche Steigerung zuzutrauen.

Fabienne Amrhein könnte in Düsseldorf die internationale Olympia-Richtzeit unterbieten.

Bild: photorun.net

Knackt Fabienne Amrhein als erste die Olympia-Richtzeit?

Bis zur Halbmarathon-Marke war Anja Scherl beim HAJ Hannover-Marathon gut in der Zeit bezüglich eines Resultates von unter 2:30 Stunden. Doch nach der 1:13:54-Stunden-Zwischenzeit konnte sie das Tempo nicht mehr halten. Immerhin kam sie noch in 2:32:31 ins Ziel. Nach dem langen verletzungsbedingten Ausfall im vergangenen Jahr sollte sie in der Lage sein, im Herbst wieder unter 2:30 Stunden zu laufen. Pech hatte dagegen Laura Hottenrott (TV Wattenscheid). Kurzfristig war sie aufgrund einer Pollenallergie vom geplanten Düsseldorf-Marathon auf das frühere Rennen in Hannover gewechselt. Doch am Sonntag musste sie das Rennen frühzeitig verletzungsbedingt beenden.

Die besten Chancen, schon in diesem Frühjahr die Olympia-Norm von 2:29:30 Stunden des internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF zu erreichen, hat Fabienne Amrhein (MTG Mannheim). Sie verbesserte sich in Berlin am Sonntag über die Halbmarathondistanz als Sechste auf 71:39 Minuten. Damit setzte sie ihren Aufwärtstrend aus dem letzten Jahr beim ersten wichtigen Wettkampf 2019 fort und sollte in der Lage sein, erstmals unter 2:30 Stunden zu laufen. In Düsseldorf geht sie als Titelverteidigerin an den Start. „Ich habe so gut trainiert wie nie zuvor und will nun in Düsseldorf die Olympianorm unterbieten“, sagte die 26-Jährige.

Auf dem Weg zurück ist Anna Hahner (SCC Berlin). Locker und endlich wieder ohne Verletzungsprobleme wurde sie in Berlin Elfte in 75:42. „Um Zeiten geht es für mich erst wieder im Herbst“, sagte die 29-Jährige, die aber in diesem Frühjahr noch einen Marathon laufen wird.

Im Herbst werden sicherlich noch zwei weitere deutsche Läuferinnen in den Kampf um die Olympia-Qualifikation eingreifen: Lisa Hahner (SCC Berlin) konnte aufgrund einer Kieferoperation in Hannover am Sonntag nicht starten, für Katharina Heinig (Eintracht Frankfurt) kam ein Marathon in diesem Frühjahr nach ihrer Fersenoperation noch zu früh. Zudem könnte sich Fate Tola (Hannover Athletics) zurückmelden und, sollte sie sich zu einem Marathon-Debüt entschließen, kann auch Melat Kejeta (PSV Grün-Weiß Kassel) eine Rolle spielten. Die aus Äthiopien stammende Läuferin hat inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft und weist im Halbmarathon eine Bestzeit von 68:41 Minuten auf.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass mehr als drei Läuferinnen die IAAF-Marathon-Olympia-Norm unterbieten werden. Damit wird das Rennen um die maximal drei Olympia-Tickets sicher spannend und wird erst in gut einem Jahr entschieden sein.