Leserreporterin Tina Riedel

Zwei Läufe in Asien

Tina Riedel berichtet von ihren Erlebnissen beim Laufen in Asien. Sie startete bei Rennen im thailändischen Chiang Mai und auch in Ankor Wat in Kambodscha lief sie mit.

Laufen in Asien

Die Läuferinnen-Gruppe vor dem Halbmarathon in Ankor Wat.

Bild: Privat

Nach nur vier Stunden Schlaf, Jetlag und 20 Flug in den Kochen, ist unsere Freude noch recht gedämpft: Es ist dunkel, die Straßen sind leer und wir können kein Wort lesen von dem, was überall geschrieben steht.

Einem Tuk-Tuk-Fahrer erklären wir mühsam, wo wir hin wollen: zum Chiang Mai Convention and Exhibition Center. Glücklicherweise zeigt meine App die Adresse in Thai an. Also auf geht’s. Vor Ort fällt die Orientierung schwer, da auch hier, die wenigen Beschriftungen alle in Thai sind. Doch Barbara und ich gehen den Massen nach und werden einer kleinen Gruppe Thailänder in Laufsachen verfolgt, also müssen wir richtig sein. Wie sich kurz danach raustellte, folgen die Thailänder uns, da sie der Meinung waren, wir wüssten wo es lag geht.

Nach einigen kurzen Abstechern finden wir die Start/Ziel Linie. Hier erkennen wir recht schnell ein System, wann wer startet. So geht es dann wirklich pünktlich um 6:45 Uhr los. Sehr wenige Nichtasiaten und viele, viele motivierte Sportler. Die ersten Meter erst einmal laufen und den eigenen Rhythmus finden, einen Läufer finden, dem man folgen kann, so der Plan.

Leserreporterin Tina Riedel.

Bild: Privat

Dann kamen die thailändischen Tatsachen. Nach dem Startschuss liefen alle mit einem Wahnsinnstempo los. Ich dachte schon: "Oh Shit, ich bin hier falsch! Ich blamiere mich bis auf die Knochen!" Zu meiner Überraschung blieb der überwiegende Teil nach einigen 100 Metern abrupt stehen, um dann gemütlich weiter zu gehen und sich zu unterhalten.

Nachdem ich fast aufgelaufen bin, da ich mit dem plötzlichen Stopp gerechnet habe, überholte ich. Zu meiner großen Überraschung werde ich nach kurzer Zeit, von den Fußgängern wieder in einem recht zügigen Lauftempo überholt. Super, da kann ich mich jetzt ein wenig ran hängen und ziehen lassen. Doch plötzlich bleiben sie wieder stehen und gehen und reden. So geht das den ganzen Lauf über.

Ich schaue mich um, sehe dass fast alle diesen Stil haben, individuell unterschiedlich nach Länge der Lauf- und Gehphasen, aber nirgendwo ein kontinuierlicher Läufer. Von daher wird es ein sehr hindernisreiches, schlängelndes Rennen. Kurz bevor ich zurück zum Ziel komme, sehe ich, dass immer noch Läufer starten. Also war die Startzeit mit 6:45 Uhr wohl eher eine Richtzeit.

Endlich im Ziel, die Sonne ist bereits aufgegangen und es ist warm geworden, werden wir mit Wasser und Kokosnuss versorgt. Es wird kein Müll umher geworfen. Alles wird zurück zu den Tonnen gebracht. Der Platz und die Strecke sind extrem sauber. Wir haben unsere erste Teilnehmermedaille für einen asiatischen Lauf.

Laufend unterwegs in Ankor Wat.

Bild: Privat

Laufend unterwegs in Ankor Wat.

Jetzt freuen wir uns auf den Lauf in Kambodscha /Ankor Wat. Bis dahin sind es noch 2 Wochen Zeit: Diese verbringen wir auf einer kleinen kambodschanischen Insel und nutzen sie zum Trainieren und Entspannen.

Um 5.00 Uhr morgens geht es mit dem Tuk-Tuk nach Ankor Wat. Diesmal wurde die übliche Strecke kurzfristig geändert, da ein festliches Ereignis ansteht. Hier ist es schon wesentlich internationaler und trotzdem wieder alles sehr unübersichtlich. Auch hier suchen wir, das sind Tanja, Barbara, Gabriela, Tine und ich, wie und wo es los geht. 6:20 Uhr offizieller Start und pünktlich um 6:40 Uhr laufen wir dann auch los in die Sonne mit 25 C.

Es ist mehr ein familiäres Ereignis, als ein sportliches Event. Unterwegs treffen wir Großmütter mit ihren Enkelkinder, ganze Familien, Männergruppen, die posen, und Frauengruppen, die quatschen. Ach ja, und Menschen, die laufen. Wir laufen am Bayon-Tempel los, vorbei am Elefanten-Tempel, durchs Nordtor. Nach 5 km drehen wir um und laufen zurück.

Zum Glück ist bis auf den ersten und letzten Kilometer alles bewaldet. Das Blätterdach bietet einen unbezahlbaren Schatten. Nach 10 km sind wir alle verschwitzt, aber glücklich wieder zurück. Sehr skurril, aber auch spannend.

Würden wir es wieder tun? Klar, sofort. Also wer verrückte Midd-old Chicks sponsern möchte, wir sind nicht schnell, doch laufen gerne und sind dadurch länger auf Strecke zu sehen.