LA-EM in Berlin

Wie stark ist Richard Ringer?

Wir blicken voraus auf die Bahn-Langstrecken der Männer bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin. Gleich am ersten Finaltag gibt es mit Richard Ringer einen deutschen Läufer, der vorne mitmischen kann.

Richard Ringer

Richard Ringer ist zurzeit der schnellste europäische 10.000-m-Läufer in diesem Jahr.

Bild: photorun.net

Gleich am ersten Finaltag der Leichtathletik-Europameisterschaften steht am Dienstag der nächsten Woche im Berliner Olympiastadion der Endlauf der Männer über 10.000 m auf dem Programm. Mit Richard Ringer gibt es dabei einen deutschen Läufer, der, sofern er wieder fit ist, ganz vorne mitmischen kann. Zu den großen Favoriten zählen über beide Bahn-Langstrecken die türkischen Athleten, die aus Kenia stammen.


10.000 m
Finale: Dienstag (7.8.), 20.20 Uhr
Europameister 2016: Polat Kemboi Arikan (TUR)
Olympiasieger 2016: Mo Farah (GBR)
Weltmeister 2017: Mo Farah (GBR)
Europäische Jahresbestzeit: 27:36,52 Richard Ringer (GER)
Deutsche Starter: Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen), Amanal Petros (SV Brackwede), Sebastian Hendel (LG Vogtland). Ersatz: Timo Göhler (LAV Stadtwerke Tübingen).


Ein deutscher Läufer führt zurzeit im Langstreckenbereich die europäische Jahresbestenliste an. In den letzten Jahren kam dafür eigentlich nur die Hindernisläuferin Gesa Krause in Betracht, doch aktuell ist es Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen), der über 10.000 m Europas Nummer eins ist. Bei seinem überraschenden Sieg beim Europacup in London lief Ringer 27:36,52 Minuten. Ihn deswegen aber gleich als EM-Favoriten zu bezeichnen, wäre wohl etwas zu optimistisch. Dies liegt zum einen an der einmal mehr sehr starken Konkurrenz aus der Türkei, zum anderen auch an seiner aktuellen Situation. Denn krankheitsbedingt musste Richard Ringer vor kurzem auf seinen Start bei den Deutschen Meisterschaften verzichten. Es bleibt abzuwarten, ob und in welcher Verfassung er in Berlin an den Start gehen wird.

Während der Brite Mo Farah sich inzwischen auf den Marathon konzentriert und nicht mehr über die Bahn-Langstrecken läuft, werden einmal mehr die aus Kenia stammenden Türken zu beachten sein. Sie schicken mit Polat Kemboi Arikan auch den Titelverteidiger ins Rennen. Zudem gehören Aras Kaya, der Cross-Europameister von 2016, und Kaan Kigen Özbilen, der Cross-EM-Sieger von 2017, zum türkischen Team. Stark einzuschätzen ist auch der Franzose Morad Amdouni, der beim Europacup knapp hinter Richard Ringer Zweiter war.


5.000 m
Finale: Sonnabend (11.8.), 21 Uhr
Europameister 2016: Ilias Fifa (ESP)
Olympiasieger 2016: Mo Farah (GBR)
Weltmeister 2017: Muktar Edris (ETH)
Europäische Jahresbestzeit: 13:16,97 Henrik Ingebrigtsen (NOR)
Deutsche Starter: Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen), Marcel Fehr (SG Schorndorf), Florian Orth (LG Telis Finanz Regensburg). Ersatz: Amanal Petros (SV Brackwede).


Vor zwei Jahren gab es im 5.000-m-Finale der Männer bei den Europameisterschaften in Amsterdam ein einmaliges Finish: Die ersten fünf Läufer trennten dabei nur neun Hundertstelsekunden und die drei Medaillengewinner waren mit 13:40,85 Minuten zeitgleich. Dabei gewann Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen) haarscharf hinter den Spaniern Ilias Fifa und Adel Mechaal die Bronzemedaille.

Auch in Berlin könnte es ein knappes Rennen geben. Während der Titelverteidiger Ilias Fifa fehlt und der Brite Mo Farah nicht mehr über diese Distanz startet, bewegen sich in der bisherigen Saison rund zehn europäische Athleten im Zeitbereich von etwa 13:20 Minuten. Der schnellste Europäer in diesem Jahr über 5.000 m ist der Norweger Henrik Ingebrigtsen, der seine Bestzeit auf 13:16,97 steigerte. Auch seine beiden Brüder Filip und Jakob könnten für Norwegen über diese Distanz starten und eine Rolle spielen. Das Ingebrigtsen-Trio ist allerdings auch über 1.500 m gemeldet. Wie über 10.000 m stehen über die 5.000-m-Distanz auch die Türken Polat Kemboi Arikan und Kaan Kigen Özbilen auf der Startliste. Es bleibt abzuwarten, wer letztlich wirklich einen Doppelstart versucht. Das gilt auch für Richard Ringer, der gegebenenfalls erst nach dem 10.000-m-Rennen entscheiden wird, ob er zusätzlich über 5.000 m läuft.

Die Leichtathletik-EM Berlin 2018: