Leichtathletik-EM Berlin 2018

Weißrussin siegt in Berlin

Volha Mazuronak gewinnt bei der Leichtathletik-EM im Marathon der Frauen trotz zeitweilig heftigen Nasenblutens.

EM Marathon Frauen 2018 - Die Bilder
Weißrussin gewinnt im hitzigen Berlin.

Volha Mazuronak (vorne rechts) sichert sich den EM-Titel.

Bild: Norbert Wilhelmi

Der Europameisterschafts-Marathon der Frauen endete mit einem Triumph der Favoritin: Volha Mazuronak (Weißrussland) gewann in einem bis zum Schluss spannenden und knappen Rennen die Goldmedaille. Dabei musste die 29-Jährige nicht nur gegen die Hitze und die Konkurrenz kämpfen sondern auch gegen ein zeitweiliges Nasenbluten im ersten Teil des Marathons. Kurz vor dem Ziel lief sie dann in der letzten Kurve zudem noch einige Meter in die falsche Richtung und verlor kurzzeitig wieder die Führung. Doch am Ende setzte sich Volha Mazuronak in 2:26:22 Stunden durch - angesichts des Wetters mit Schattentemperaturen von über 20 Grad Celsius ist dies eine gute Zeit.

Für runnersworld.de waren die Fotografen Norbert Wilhemi und Thomas Sobczak bei der Leichtathletik-EM in Berlin 2018 vor Ort. Die schönsten Impressionen vom Marathon finden Sie in der Bildergalerie ober- und unterhalb dieses Artikels.

Zweite wurde sensationell die Französin Clémence Calvin, die am Sonntag ihr Marathondebüt rannte und nur sechs Sekunden hinter der Siegerin in 2:26:28 Stunden das Ziel an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche erreichte. Bronze sicherte sich unerwartet die Tschechin Eva Vrabcová-Nyvltová, die mit 2:26:31 sogar einen nationalen Rekord aufstellte. Mit Maryna Damantsevich und Nastassia Ivanova folgten zwei weitere weißrussische Läuferinnen auf den Plätzen vier und fünf in 2:27:44 beziehungsweise 2:27:49 Stunden. Die Italienerin Sara Dossena wurde Sechste mit 2:27:53.

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Fabienne Amrhein überraschend stark

Überraschend war Fabienne Amrhein (MTG Mannheim) mit einem starken elften Rang in 2:33:44 Stunden die schnellste deutsche Läuferin beim EM-Marathon. Katharina Heinig (LG Eintracht Frankfurt) zeigte ebenso ein gutes Rennen und belegte Rang 16 mit 2:35:00 - einmal mehr wurde aber offensichtlich, dass sie keine Hitzeläuferin ist. Die dritte deutsche Läuferin im Rennen, Laura Hottenrott (TV Wattenscheid), hatte das Rennen bereits nach der 10-km-Marke aufgegeben. Aufgrund weiterer Ausfälle im Vorfeld war damit keine Team-Platzierung mehr möglich. Hierfür werden die besten drei Läuferinnen gewertet. Ein deutsches Trio hätte angesichts der guten Leistungen von Fabienne Amrhein und Katharina Heinig sehr gute Platzierungschancen gehabt. In dieser Marathon-Europacup-Wertung gewann Weißrussland vor Italien und Spanien.

Nachdem eine neunköpfige Spitzengruppe die Halbmarathonmarke in 1:14:00 Stunden passiert hatte, formierte sich in der Folge eine dreiköpfige Spitzengruppe mit den späteren Medaillengewinnerinnen. Zeitweilig konnte Maryna Damantsevich in diese Gruppe aufschließen. Das Quartett passierte dann die 30-km-Marke in 1:44:35 Stunden. Als bald darauf Clémence Calvin das Tempo etwas forcierte, war Damantsevich geschlagen. Eva Vrabcová-Nyvltová hielt bis Kilometer 40 mit.

Spannende letzte Meter in Berlin

In der Schlussphase war es immer wieder Volha Mazuronak, die beim Olympia-Marathon in Rio 2016 als beste Europäerin auf Platz fünf überrascht hatte und in diesem Frühjahr den Düsseldorf-Marathon gewonnen hatte, die das Tempo bestimmte. Die Weißrussin, die seit Ende 2017 vom deutschen Coach Wolfgang Heinig betreut wird, konnte jedoch Clémence Calvin nicht abschütteln. Erst auf den letzten paar hundert Metern öffnete sich eine Lücke von wenigen Metern. Dann jedoch folgte Volha Mazuronak irrtümlich einem der Führungsfahrräder, das in der letzten Kurve von der Strecke fuhr. Gerade noch rechtzeitig bekam sie die Kurve in Richtung Ziel, jedoch war nun plötzlich Clémence Calvin knapp vor ihr. Gegen den Schlussspurt der Weißrussin hatte die Französin aber keine Chance. Mit Volha Mazuronak, die eine Bestzeit von 2:23:54 Stunden aufweist, hat in Berlin die zurzeit sicherlich beste europäische Marathonläuferin den EM-Titel gewonnen.

Ein mutiges Rennen lief Fabienne Amrhein, die erst vor knapp einem Jahr in Berlin ihr Marathondebüt gelaufen war und dabei eine Zeit von 2:34:14 Stunden erreicht hatte. Die Deutsche Meisterin, die in Düsseldorf im April diesen Titel mit einer Steigerung auf 2:32:35 gewonnen hatte, lief am Sonntag lange Zeit in der Gruppe der Verfolgerinnen. Nach einer Halbmarathon-Durchgangszeit von 1:15:35 Stunden konnte sie das Tempo in der deutlich wärmeren zweiten Hälfte zwar nicht mehr ganz halten, doch ihr elfter Platz im dritten Marathonrennen war beeindruckend und macht Hoffnung für die Zukunft.

„Der Plan ist aufgegangen, schnell anzulaufen. Ich hatte gehofft, eine gute Gruppe zu finden, weil es doch windig war. Das hat prima geklappt“, sagte die erst 25-jährige Fabienne Amrhein. „Der elfte Platz ist einfach super. Es hat Spaß gemacht, und die Stimmung war klasse. Bei 20 km habe ich mich gut gefühlt. Ich konnte noch rollen und Kräfte sparen. Zum Schluss habe ich alles gegeben. Mein Ziel vor dem Rennen war eine Top-20-Platzierung - wenn alles perfekt läuft, dann vielleicht ein zehnter Platz. Es ist bitter, dass Laura Hottenrott aufgeben musste. Wenn man nur zu dritt startet, ist das gefährlich für das Team.“

Ein solides Rennen lief auch Katharina Heinig. Die Tochter der früheren Weltklasseläuferin Katrin Dörre-Heinig und des Trainers Wolfgang Heinig musste allerdings relativ frühzeitig alleine laufen. Sie lag zeitweise nur rund eine halbe Minute hinter der Gruppe der Verfolgerinnen mit Fabienne Amrhein, erreichte diese jedoch nicht. „Ich bin schon happy, aber hätte gerne Fabienne noch erreicht. Es wurde total hart hinten raus. Die Stimmung war genial - im Ziel, an den Versorgungsständen, an vielen Stellen in der Stadt“, sagte Katharina Heinig. „Es war mein bestes Ergebnis bei einem Meisterschaftsrennen, aber ich bin einfach keine Hitzeläuferin.“

Ergebnisse:

1. Volha Mazuronak BLR 2:26:22
2. Clémence Calvin FRA 2:26:28
3. Eva Vrabcová-Nyvltová CZE 2:26:31
4. Maryna Damantsevich BLR 2:27:44
5. Nastassia Ivanova BLR 2:27:49
6. Sara Dossena ITA 2:27:53
7. Martina Strähl SUI 2:28:07
8. Catherine Bertone ITA 2:30:06
9. Trihas Gebre ESP 2:32:13
10. Izabela Trzaskalska POL 2:33:43
11. Fabienne Amrhein GER 2:33:44
16. Katharina Heinig GER 2:35:00

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