Grossglockner Ultra-Trail 2018

Vorbei an 14 Gletschern und 300 Gipfeln

Beim Ultra-Trail in den österreicherischen Alpen liefen 1.500 Sportler aus 42 Nationen vorbei an 14 Gletschern und 300 Gipfeln.

Grossglockner Ultra-Trail 2018 - Die Bilder
Grossglockner Ultra-Trail

Vor einer herrlichen Alpenkulisse liefen die Aktiven beim Grossglockner Ultra-Trail.

Bild: Andi Frank

Bei der vierten Auflage des Grossglockner Ultra-Trails starteten 1.500 Läufer aus 42 Nationen. Die anspruchsvolle Strecke führte durch drei Bundesländer, sieben Täler, sechs Orte, vorbei an 14 Gletschern und 300 Gipfeln. Der Startschuss fiel am Freitag um 22 Uhr, sehr zum Pech der Läufer bei Gewitter. Am Samstag hingegen erwartete die Läufer eine Rekordhitze von plus 33 Grad Celsius. 344 Athleten gingen auf der 110-Kilometer langen Strecke (6.500 Höhenmeter) des Ultra-Trails an den Start. In der seit 2018 neu geschaffenen Distanz über 75 km (4.000 Höhenmeter) waren 159 Läufer vertreten, während die beiden Strecken der 50- und 30-Kilometer langen Distanzen das größte Starterfeld mit 770 Teilnehmern umfasste. Wer an den Start der 50 km langen Strecke ging, hatte mit 2.000 Höhenmeter zu rechnen, alle Starter der 30-Kilometer langen Strecke hatten 1.000 Höhenmeter zu absolvieren.

Die schönsten Impressionen des Grossglockner Ultra-Trails 2018 finden Sie in der Galerie ober- und unterhalb dieses Artikels.

Der Tiroler Thomas Farbmacher, der für das Team Salomon startete, sicherte sich mit einer sensationellen Zeit von 14:25:61 den ersten Platz auf der 110-Kilometer langen Strecke und verbesserte die Bestzeit der Strecke vom Vorjahr um 38 Minuten. Der zweite Platz ging an den deutschen Nachwuchsläufer und DYNAFIT Trailhero André Purschke. Den dritten Platz belegte der Österreicher Peter Gross.

Bei den Damen belegte die schwedische Salomon-Athletin Kristin Berglund mit einer starken Zeit von 17:03:15 den ersten Platz. Die französische Vorjahresiegerin Juliette Blanchet platzierte sich in diesem Jahr auf dem zweiten Platz.

Die Gewinner in der Staffelwertung über die 110-km-Strecke.

Bild: Mark Frühmann

Fünf neue Streckenrekorde trotz Rekordhitze

Auch auf den Strecken über 50- und 30 Kilometer gab es Streckenrekorde: der deutsche Athlet Florian Reichert verbesserte den Rekord auf dem Kalser Tauern Trail über 50 Km um knapp 10 Minuten auf 4:37:13 Stunden. Bei den Damen schraubte die aus Ungarn kommende Irén Tiricz den Rekord auf 5:35:59 Stunden. Der aus Deutschland stammende DYNAFIT-Athlet Hannes Namberger siegte auf der 75-Kilometer langen Strecke, bei den Damen siegte Meryl Cooper. Auf dem Gletscherwelt Trail über 30 Kilometer teilten sich Christian Greidel und DYNAFIT-Athlet Gerhard Schneider den ersten Platz gleichermaßen in einer Rekordzeit von 2:49:27. Der deutsche Vorjahressieger Matthias Baur folgte als Dritter ins Ziel.

Ebenso war es möglich in einer Zweierstaffel an den Start zu gehen. Das Staffelteam, in dem der Litauer Gediminas Grinius und der Spanier Pau Gil Capell starteten, gewannen die Staffelwertung in einer Zeit von 13:16:32. Auf Platz 2 folgte das Österreicher-Duo Markus Amon und Klaus Gösweiner (Team DYNAFIT).

Hier noch einen Tipp an alle, die nächstes Jahr dabei sein wollen. Am 26. bis 28. Juli 2019 wird der Grossglockner Ultra-Trail 2019 stattfinden.

Grossglockner Ultra-Trail 2018 - Die Bilder
Julia Englhart

Bild: Christian Penning

Julia Englhart auf einer Bergab-Passage.

Julia Englhart lief den Großglockner Ultra-Trail. Hier ist ihr Erlebnisbericht:

Samstagmorgen – ich stehe vor einem Meer aus Bergen. Ob sich das Aufstehen gelohnt hat, wird sich erst am Nachmittag herausstellen. Dazwischen liegen 31,3 Kilometer, 1.000 Höhenmeter und der anspruchsvollste Trailrunning-Wettkampf der Ostalpen – der Großglockner Ultra-Trail. Mit dabei: ich.

Status: Trailrunning-Einsteigerin. Es ist 7.45 Uhr, wir stehen an der Rudolfshütte im österreichischen Nationalpark Hohe Tauern auf 2.315 Metern Höhe. Blauer Himmel, Sonnenschein und die imposante Bergwelt machen die Stimmung perfekt. Eigentlich, denn für Stimmung habe ich keine Zeit, auch nicht zum Verweilen. Mein Blick hängt auf dem Zeiger am Handgelenk, die Gedanken kreisen um die Ausrüstung: Sitzt der Rucksack, ist die Trinkblase richtig angebracht, haben die Stöcke die passende Länge?

Noch 15 Minuten, dann starte ich auf der 30-Kilometer-Distanz des Wettkampfs, dem Weissee Gletscherwelt Trail. Vor mir liegen eine schwierige Strecke, 1.000 Höhenmeter rauf und fast doppelt so viele bergab. Ein kleines Abenteuer, vermutlich ein paar Schmerzen und ganz sicher Situationen, in denen ich wieder und wieder meinen inneren Schweinehund überwältigen muss.

Das Wetter: perfekt zum Baden, eigentlich mit 33 Grad zu heiß zum Laufen. Aber das alles gehört dazu, das macht es aus. Es ist 7.55 Uhr, ich stehe am Start und denke noch mal kurz über die Beschreibung des Laufs nach und über die genannten Voraussetzungen. Mir fallen Beschreibungen ein wie „sehr gute Trittsicherheit“ und „körperliche Fitness“.

Ich habe keine Zeit zum Nachdenken, der Countdown läuft und ich zähle enthusiastisch mit, dankbar für die Ablenkung. 3,2,1 und dann laufe ich los mit weiteren 322 verrückten Aspiranten, die den technisch anspruchsvollen Lauf durch das Gebirge wagen. Die wirklich verrückten Trail-Läufer sind bereits unterwegs, sie starteten am Vorabend um 22 Uhr auf der 110 Kilometer langen Königsdisziplin, dem GROSSGLOCKNER ULTRA-TRAIL mit 6.500 positiven Höhenmetern.

Wir sind unterwegs. Es geht zunächst relativ steil zurück zur Rudolfshütte, wir werden beklatscht, das motiviert. Dann geht es auf schönen Trails teils technisch mit ein paar Felsen und Platten weiter gemäßigt bergauf und bergab. Immer dabei ist eine sensationelle Landschaft, die ich trotz Wettkampf genießen kann. Dann die Schlüsselstelle, der Aufstieg zum Kapruner Törl, das 2.639 Meter hoch thront. Ich bleibe kurz stehen und schaue in das Kapruner- und Stubachtal und zu hinüber zu den vergletscherten Gipfeln der Hohen Riffl und der Bärenköpfe. Ein Traum!

Weiter geht es im anspruchsvollen Abstieg, ich muss mich konzentrieren, bin aber gut unterwegs, schnell gehend, zum Laufen ist es hier zu steil, die Stöcke nehme ich in eine Hand. Ich komme am Schneefeld an, das ich zunächst relativ schnell laufend auf den Fersen mit Stockeinsatz überquere. Erster Sturz, nichts passiert, ich renne weiter. Zweiter Sturz, dann der dritte und die Einsicht, dass ich gehen muss. Halb so wild, bald ist das Schneefeld geschafft, mein Schuh ist nass, die Hose auch, bei den Temperaturen eine Wohltat.

Jetzt geht es weiter rund um die Stauseen und die erste Verpflegungsstation bei Kilometer 15 ist in Sichtweite, das motiviert, ich laufe und finde einen guten Rhythmus, den ich bis zur Verpflegungsstation halten kann. Kurz vorher überholen mich bereits die ersten aus der Staffel, ich erkenne Vorjahressieger der 110-Kilometer Distanz Klaus Gösweiner und feuere ihn an. Er feuert zurück, das beschleunigt meinen Schritt und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.

An der Labestation angekommen, merke ich, dass ich keinen Hunger habe, ich esse trotzdem und tauche die Tomaten tief ins Salz. Meine Trinkblase ist fast leer, das ist gut, es ist so heiß, dass ich ständig trinke um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Fünf Minuten später bin ich wieder unterwegs, die Pause tat gut. Jetzt geht es bergab, meist auf Trails, mal steil, mal flach. Die Landschaft wird zahmer und ich treffe auf Wanderer, die uns anfeuern oder entgeistert nachblicken.

Mit der fallenden Höhe steigt die Temperatur, der Kopf brummt, ich trinke und bin um jeden Schatten froh, der auf dem Weg daherkommt. Ich passiere das Kesselfallhaus und weiß, dass ich etwa drei Viertel der Strecke und sämtliche schwierigen Passagen hinter mir habe. Falsch gedacht – der für mich schwierigste Streckabschnitt sind die letzten 5 Kilometer. In brütender Hitze geht es auf einem Forstweg und später durch Kaprun geradeaus in Richtung Ziel und zum ersten Mal beim Lauf muss ich kämpfen. Keine Ablenkung, kein atemberaubender Ausblick, keine technische Passage die mir keine Zeit zum Nachdenken gibt. Nur geradeaus, zum Glück stehen Wanderer und Zuschauer am Wegesrand, die mich anfeuern.

Dann endlich das Schild „Noch 1 km“! Ich spüre pure Freude und gebe noch einmal Gas, obwohl ich fast nichts mehr in den Beinen habe. Ein Tunnel, dann sehe ich den Zieleinlauf und bin einfach nur glücklich! In Trance wird mir die Medaille umgehängt, dann trinke ich erst einmal einen Liter und lasse das Rennen Revue passieren. Im nächsten Moment frage ich mich, ob ich im kommenden Jahr die 50-Kilometer Strecke versuchen sollte, aber beschließe schnell, dass die Distanz nun erst einmal reicht. Ich belege den 39. Platz bei den Damen, da ist Luft nach oben. Sobald der Muskelkater nachlässt, werde ich wieder laufen, der Termin für nächstes Jahr ist schon notiert – Großglockner, ich komme wieder!