Melina Wolf

Tausche Laufschuhe gegen Abfahrtsski

5.500 Höhenmeter auf 22 Kilometer Abfahrtsstrecke müssen beim Rennen "Der Weiße Ring" in Lech am Arlberg gemeistert werden. Langstreckenläuferin Melina Wolf wagte das Experiment und startete.

 Das Weiße Ring Rennen in Lech am Arlberg

Melina Wolf vor dem Rennen "Der Weiße Ring" in Lech.

Bild: Stefan Wolf

Für viele ist Laufen der Inbegriff des Sporttreibens. Man kann es fast überall und jederzeit tun. Fit sein ist Trumpf. Doch wie viel zählt eigentlich eine gute Grundfitness, um sich auf Anhieb in einer ungewohnten Bewegungssportart mit anderen messen zu können? Die Langstreckenläuferin Melina Wolf wagte das Experiment und startete.

Das Rennen "Der Weiße Ring" in Lech am Arlberg besitzt Kultstatus. 2019 wurde es bereits zum 14. Mal ausgetragen. Die Teilnehmer dieses Volksskirennens müssen 5.500 Höhenmeter auf 22 Kilometer Abfahrtsstrecke meistern. Das Ganze wird von fünf Liftfahrten unterbrochen, wobei die Zeit jedoch nicht angehalten wird, sondern weiterläuft. Den Streckenrekord hält von Beginn an der ehemalige Olympiasieger und Weltmeister Patrick Ortlieb aus Lech mit einer Zeit von 44 Minuten und 45 Sekunden.

Unter den 1.000 Teilnehmern befinden sich hauptsächlich Freizeitsportler, aber auch einige pensionierte Skirennläufer lassen sich die Gaudi nicht nehmen, dieses Jahr in Gestalt von Josef „Pepi“ Strobl, Marc Girardelli, Marcel Mathis und Patrick Ortlieb. Dem gemeinen Hobbysportler bietet das Rennen zwei große Herausforderungen: Erstens die Ausdauerbelastung: 22 Kilometer Abfahrtshocke sowie mehrere Anstiege die im Schlittschuhschritt gemeistert werden wollen, gehen an die Substanz. Und dann wäre da zweitens noch das „Madloch“. Dieser Streckenabschnitt hat, was die Schwierigkeit betrifft, eher Weltcupniveau als Volksklasse. Die Steilhänge und unübersichtlichen Geländekanten verlangen den Skiläufern alles ab. Wer mutig ist und seinen Schwung beherrscht, kann hier viel Zeit rausholen.

Start beim Rennen "Der Weiße Ring".

Bild: Stefan Wolf

Melina Wolf ist gut zu Fuß, das ist nichts Neues. Sie hat in ihrem Sport als Späteinsteigerin tolle Erfolge gefeiert: 2012 mit dem Laufen begonnen, 2013 Teilnahme an der Cross-EM in Belgrad, 2015 Deutsche Vizemeisterin bei den 10.000 Metern der Frauen und 2016 die Teilnahme an der Halbmarathon-EM in Amsterdam. Doch Melina macht auch eine gute Figur auf Skiern, mit denen sie schon in Kindertagen umzugehen lernte.

 Das Weiße Ring Rennen in Lech am Arlberg

Bild: Stefan Wolf

Mehrere Anstiege müssen im Schlittschuhschritt gemeistert werden.

Das Rennen "Der Weiße Ring" kam der wettkampfaffinen Läuferin in ihrer Trainingspause gerade recht. Konditionell fit, jedoch ohne spezifisches Skitraining, wurde die Challenge angenommen. Vom Start weg lief es hervorragend, die ersten Zwischenzeiten waren vielversprechend. Doch im besagten Streckenabschnitt Madloch passierte es dann: Bei hohem Tempo eine Bodenwelle im Schatten übersehen und schon ging’s dahin, Überschlag, Ski weg, das volle Programm. Die eine oder andere Teilnehmerin hätte zu diesem Zeitpunkt vermutlich aufgegeben, nicht aber Melina. Kurz sortieren, Ski holen, weiter ging die Zeitenjagd. Und so konnte sich das Ergebnis trotz des Sturzes sehen lassen: Von 149 gewerteten Frauen, reihte sich Melina mit einer Zeit von 55 Minuten und 15 Sekunden auf dem 62. Platz ein. Nächstes Jahr will sie wieder kommen und es besser machen. So ticken Sportler eben.