Knastmarathon Darmstadt 2018

Marathon hinter Gittern

RUNNER'S-WORLD-Leser Frank Dieter lief beim Marathon in der JVA Darmstadt. Hier berichtet er über diesen Marathon der etwas anderen Art.

Frank Dieter beim Knastmarathon Darmstadt 2018

RUNNER'S-WORLD-Leser Frank Dieter vor der hohen Gefängnismauer der JVA Darmstadt nach dem Marathon in der JVA.

Bild: privat

Um in die Anstalt zu gelangen, wurde jeder Teilnehmer, ähnlich wie man es vom Flughafen kennt, akribisch "durchleuchtet". Auch ein Drogenspürhund lief an allen im Kreis sitzenden Akteuren vorbei um Dinge aufzuspüren, die in der JVA nichts zu suchen haben. Nach dem aufwendigen Procedere fiel dann pünktlich um 10 Uhr der Startschuss über 24 Runden (1,758 km/Runde) innerhalb der Gefängnismauer. Wobei das nicht ganz richtig ist, denn ein Schuss ist in der JVA verboten, statt dessen musste ein Fähnchen diese Aufgabe übernehmen.

Am Start waren insgesamt 227 Marathonis, unter ihnen acht Strafgefangene. Sie alle hatten sich natürlich vorgenommen, trotz der Temperaturen um die 30°C das Ziel zu erreichen. Über 100 Läufer schieden allerdings aufgrund der großen Hitze vorzeitig aus, so dass letztendlich 98 Läufer und 19 Läuferinnen nach 42,195 Kilometer über die Ziellinie liefen.

Der Marathon in der JVA war keinesfalls langweilig, was man aufgrund der vielen Runden hätte annehmen können, denn durch die ständige Begegnung der Läufer des Teilnehmerfeldes war man natürlich bestrebt, sich von anderen nicht umrunden zu lassen, was mit steigenden Temperaturen immer schwieriger wurde. Der spätere Sieger Felix Mayerhöfer, ist allerdings mehrfach an mir vorbeigelaufen, bevor er nach 2:54 Stunden den Marathon erfolgreich beenden konnte. Auch die Zwischen- und Anfeuerungsrufe einiger Häftlinge, die man aus verschiedenen Gebäudetrakten hören konnte, waren teils sehr motivierend und sorgten für gute Stimmung.

Der Knastmarathon, ausgetragen durch den SV Kiefer Darmsradt e.V., ist nach der nunmehr 12. Auflage, mittlerweile zum Geheimtipp in der Laufszene geworden. Läuferinnen und Läufer aus ganz Europa sind extra angereist, um hier die 42195 Meter unter die Füße zu nehmen.

Da ich als "Wiederholungstäter" mitgelaufen bin, wusste ich, wie anstrengend es werden sollte, Runde um Runde unter der großen Hitze zu überstehen. Dank der guten Versorgung, dreier aufgestellter Duschen zum Abkühlen und das Anfeuern durch die Inhaftierten, die teils hinter Gittern, aber auch an der Strecke standen, habe ich nach 4 Stunden und 23 Minuten das Ziel erreicht. Mit Platz 47 in der Gesamtwertung und Platz 13 in der AK50 wurde ich wieder aus der Haft entlassen.

Es bleibt zu hoffen, dass es auch im nächsten Jahr wieder zu einer Neuauflage des Knastmarathons kommen wird, denn es ist letztendlich davon abhängig, ob das Marathonprojekt für Inhaftierte auch zukünftig aufrecht erhalten wird.

Auch dieses Mal spende ich wieder einen Euro pro Kilometer an das Kinderhospiz Bärenherz in Wiesbaden. Der Knastmarathon war mein 35. Marathon zugunsten der Bärenherz Stiftung (www.baerenherz.de).

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