Berliner Mauerweglauf 2018

Ich glaub', ich bin ein Held

RUNNER'S-WORLD-Leser Günter Schmidt nahm am Berliner Mauerweglauf teil - 100 Meilen führte ihn der Lauf vom Start bis ins Ziel.

Berliner Mauerweglauf 2018 - Die Bilder
Leserreporter Berliner Mauerweglauf 2018 Günter Schmidt

Auf den ersten Kilometern rückte auch das Berliner Tor in den Blick der Läufer.

Bild: Günter Schmidt

Was den Mauerweglauf betrifft, da bin ich (fast) ein alter Hase. Das dritte Mal in Folge jage ich nun schon um das alte Westberlin. Weil mich dieser Lauf begeistert! Oder wie es meine Frau Anita ausdrückt: Weil ich nicht alle Latten am Zaun habe…

Jeder Lauf hat sich bisher auf besondere Art in mein Gedächtnis gebrannt. Der Erste, weil es der Erste war. Der Zweite, weil ich fast zwei Stunden schneller war als bei der Premiere und mich danach keinerlei Nachwehen plagten. Und dieses Jahr – weil ich so ein schönes Hotelzimmer habe…

RUNNER'S-WORLD-Leser Günter Schmidt ging beim Berliner Mauerweglauf 2018 an den Start. Seine besten Fotos finden Sie in einer Bildergalerie über und unter diesem Artikel.

Im zweitgrößten Hotel Deutschlands, im Park Inn habe ich ein Zimmer in der 35. Etage. Beim Blick aus dem Fenster unmittelbar vor mir der Fernsehturm, unter mir der Alexanderplatz. Und ab und zu springt jemand vom Dach des Hotels – direkt vor meinem Fenster vorbei. So etwas erlebt man nicht jeden Tag. Aber ich kann beruhigen, es sind keine Mauerwegläufer, die in diesem Sprung die letzte Chance sehen, morgen doch nicht die 100 Meilen laufen zu müssen – es sind Bungeespringer.

Gezwungenermaßen muss ich mein Zimmer dann doch verlassen, weil ich mit Lauffreunden vom LC Auensee Leipzig verabredet bin. Gemeinsam wollen wir die Startunterlagen im H2-Hotel holen. Noch sitzen sie aber im Biergarten – und sind schon ziemlich lustig…

Ein Stück Mauer für jeden bei der Ausgabe der Startunterlagen

Bei der Ausgabe der Startunterlagen wird ein Gesundheitszeugnis verlangt, dafür gibt es die Startnummer, einen Transponder und ein Stück Mauer. Nicht allzu groß, man bekommt es in den Koffer. Aber eine Frage wirft sich für mich doch auf: Es ist nun fast 30 Jahre her, dass die Mauer auf dem Schutthaufen der Geschichte gelandet ist, dafür ist die Farbe von den Graffitis noch sehr gut erhalten. Andererseits, das Besprühen der Mauer war ja nur im Westen üblich – da war wahrscheinlich die Farbe besser…

17 Uhr beginnt die Nudelparty, ebenfalls im H2-Hotel. Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und behaupte, es ist die beste Nudelparty auf deutschen Boden – einer Hauptstadt würdig.

Eine Stunde später folgt eine Pflichtveranstaltung, das Briefing im H4-Hotel, gleich neben dem H2. Anwesenheitskontrolle wird nicht durchgeführt, eine Teilnahme würde ich trotzdem empfehlen. Die Strecke ändert sich jedes Jahr. Nur geringfügig, aber man sollte es wissen. Auch Informationen, wie dass das Tragen von Kopfhörern nur zwischen den Verpflegungspunkten 7 und 21 erlaubt ist oder dass man Straßen nicht bei roter Ampel überquert, sind nur bedingt überlebenswichtig. Aber deshalb disqualifiziert zu werden ist nun auch nicht erstrebenswert.

Startschuss zum 100-Meilen-Rennen durch Berlin fällt um 6 Uhr

6 Uhr ist Start im Jahn-Sportpark. Den Wecker habe ich mir um 4 Uhr gestellt. Das hätte ich mir sparen können, ich habe kaum geschlafen. Am Zimmer hat es nicht gelegen, Aufregung vor Läufen ist mir fremd. Aber es gibt eben Sachen, die kann man nicht erklären.

Zwischen 4:50 Uhr und 5:20 Uhr fahren Busse ab dem H2-Hotel direkt zum Start. Da ich aber den U-Bahnhof Alexanderplatz vor der Tür habe, nutze ich die U-Bahnlinie 2 bis Eberswalder Straße, die fährt alle 15 Minuten. Man muss dann zwar noch 500 Meter bis zum Start laufen, aber im Vergleich zu der Strecke, die wir heute vor uns haben, fällt das wohl eher nicht ins Gewicht…

Frühstücken kann man im Jahnsportpark. Ich habe das schon im Hotel getan, ein Würstchen gab es und ein verdammt trockenes Brötchen. Bevor mich jemand falsch versteht, das Frühstück im Park Inn ist gewiss etwas umfangreicher, wird aber erst ab 6 Uhr serviert. So hatte ich mich am Vorabend bei „Netto“ eingedeckt. Wen es interessiert, der Laden befindet sich in der Parallelstraße hinter dem H2.

Erste große Herausforderung bereits vor dem ersten Kilometer

Ach so, ich habe ja vergessen die drei Beutel zu erwähnen, die es bei der Startnummernausgabe gibt. Sie sind nummeriert und für die drei Wechselpunkte bestimmt, werden hier im Jahn-Sportpark abgegeben. Zu entscheiden, was man darin verstaut, ist meiner Meinung nach schwerer als die Entscheidung über die Teilnahme am Mauerweglauf. Bei der Teilnahme bleibt nur ja oder nein. Aber welche Schuhe packe ich in welchen Beutel? Muss ich überhaupt die Schuhe wechseln? Die Socken? Oder das Shirt? Vielleicht auch die Laufhose? Wie viele Eiweißriegel packe ich in welchen Sack? Wo deponiere ich die Stirnlampe und Warnweste für die Nacht? Ich habe in jedem Beutel ein Paar Schuhe, Socken, Hosen und ein Shirt gepackt, einige Riegel und in Beutel 1 die Lampe und Warnweste. Und greifen wir mal vor – ich habe damit nichts falsch gemacht. Aber auch nichts richtig. Denn außer Lampe und Weste habe ich nichts gebraucht.

Dann geht es los unter dem Beifall der Zuschauer, deren Anzahl sich um diese Zeit logischerweise etwas in Grenzen hält. Aber die Klänge von „The Wall“ von Pink Floyd machen das wieder gut und begleiten uns auf der Stadionrunde.

Heute laufen wir im Uhrzeigersinn, womit wir gleich am Anfang an all den großen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt vorbeilaufen. Reichstag, Brandenburger Tor, Check Point Charlie, East Side Gallery. Durch eine laufen wir sogar, durch das Asisi-Panorama.

Für den Laufbericht muss ich immer wieder fotografieren. Begeistert bin ich davon nicht, es kostet Zeit. Und die habe ich nicht, will ich doch schneller sein als vor zwei Jahren. Damals lief ich in 27:30 Stunden über den Zielstrich. Vor einem Jahr habe ich nur 25:40 Stunden gebraucht. Die Zeit ist aber weniger aussagefähig, da wir da die Mauer in der Gegenrichtung belaufen haben.

Jedes Jahr wird beim Berliner Mauerweglauf einem Opfer der Mauer gedacht.

Bild: Günter Schmidt

Meist gut belaufbare Wege auf den 160 Kilometern

Auf eine genaue Beschreibung der Strecke verzichte ich. Muss ich verzichten, bei 100 Meilen macht das keinen Sinn. Nur so viel: Der überwiegende Teil der Strecke führt durch Wald und Flur, ebenfalls auf den überwiegenden Teil trifft zu, dass er sich von der Wegbeschaffenheit her gut laufen lässt. Es gab aber auch Abschnitte, da habe ich mir die Mauer zurückgewünscht. Man kann ja der DDR nachsagen was man will, aber den Postenweg, den haben sie damals in Ordnung gehalten. Und die Beleuchtung entlang der Grenze war auch besser als heute…

So etwa die ersten 20 Kilometer ist der Mauerweglauf ein richtiger Stadtlauf. Unglaublich, wie viele Ampeln es in einer Stadt gibt – ich bin vom Dorf…

Früh am Morgen sind kaum Autos unterwegs, da kommt man schon mal in Versuchung bei Rot den Fußgängerübergang zu überqueren. Vor zwei Jahren hatte ich damit auch kein Problem. Aber ich bin lernfähig. Nachdem im Vorjahr ein Rotsünder disqualifiziert wurde, habe ich in diesem Jahr die Straßenverkehrsordnung eingehalten - und habe auch keinen anderen Läufer gesehen, der bei Rot die Straße gequert hat. Was doch so eine Disqualifikation ausmacht…

Mauerweglauf gedenkt Jahr für Jahr einem Opfer der Mauer

Der Mauerweglauf erinnert in jedem Jahr an ein Opfer der Mauer. In diesem Jahr ist es Jörg Hartmann. Er war gerade mal 10 Jahre, als er zu seinem Vater nach Westberlin wollte und hier in Treptow erschossen wurde. An seinem Gedenkstein sind viele Spielsachen abgelegt, mitgebracht von den Läufern. Sie werden später den Johannitern übergeben.

Ich habe mir die Zwischenzeiten meiner Durchläufe an den Verpflegungspunkten von vor zwei Jahren herausgeschrieben. Weil ich schlau bin. Ich muss also nur schneller laufen als damals, da bin ich auch früher am Ziel. So einfach ist das – eben nicht. Als ich am Verpflegungspunkt 4 erstmals meine Zeiten vergleiche, trifft mich fast der Schlag. Ich bin zeitgleich, kann mich nur damit trösten, dass ich diesmal viel fotografiert habe.

Ich hasse beim Laufen endlos lange Geraden. Aber der Mensch ist manchmal komisch. Den am Kilometer 21 beginnenden sieben Kilometer langen schnurgeraden Radweg am Teltowkanal, den mag ich. Da kommt mir auch überraschend Jana Bieler mit dem Fahrrad entgegen, gemeinsam mit ihrem Mann Micha drehen sie ein kleines Filmchen über den Lauf (Youtube, Jana Bieler, 100 Meilen Berlin 2018) Micha hat dann noch etwas anderes vor - er ist Schlussläufer einer 4er-Staffel…

Nach 46 Kilometer wird ein Hügelchen schnell zum Berg

In diesem Jahr haben es die Veranstalter mit uns sehr gut gemeint. Die Strecke führt über den Dörferblick. Ein Hügelchen – hätte ich bei Kilometer 5 gesagt, jetzt, etwa bei Kilometer 46, ist es ein gewaltiger Berg, von dem aus man aber einen wirklich beeindruckenden Blick über Berlin hat.

Bei der Siegerehrung wurden wir Läufer gefragt, ob wir den Dörferblick in zwei Jahren wieder im Programm haben möchten. Wohl 99 Prozent der Läufer waren dafür. Bei so einem eindeutigen Ergebnis habe ich mir dann gar nicht getraut, dagegen zu sein. Ich könnte darauf verzichten…

Dann endlich ist der erste Wechselpunkt erreicht, Sportplatz Teltow bei Kilometer 60. Ich schnappe mir eine Suppe, stelle sie in die Ecke, damit sie etwas abkühlt, nehme Lampe und Warnweste aus dem Beutel. Kehre zurück zu meiner Suppe und verlasse mit ihr die Turnhalle. Wenn man keine Zeit hat, muss man halt auch mal seine Süppchen im Gehen auslöffeln.

Der Zeitvergleich fällt ernüchternd aus. Ich habe 10 Minuten herausgelaufen. Das ist aber falsch ausgedrückt, herausgelaufen habe ich nichts, die zehn Minuten habe ich damit gewonnen, dass ich die Suppe nicht wie vor zwei Jahren entspannt in der Turnhalle gegessen habe.

Verpflegungspunkte alle gut sechs Kilometer

Einige Worte zur Verpflegung. Es gibt 26 Verpflegungspunkte, das ist ausreichend. Und über die Qualität des Angebotes kann man nicht meckern. Ich habe bescheiden gelebt, nur Nüsse, Trockenfrüchte und Melone gegessen, Wasser, Cola und Malzbier getrunken. Und habe damit die 160 Kilometer magentechnisch problemlos überstanden. Eins sollte man aber immer im Hinterkopf behalten: wenn man sich an jedem der 26 Verpflegungspunkte nur zwei Minuten aufhält, ist fast eine Stunde weg.

Sprichwörtlich suchen wir doch alle nach dem Königsweg. Beim Mauerweglauf kann man sich gar nicht so dumm anstellen, dass man ihn nicht findet. Er liegt vor Potsdam und führt etwa 7 Kilometer schnurstracks durch den Wald. Er heißt so, weil ihn Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. nicht nur bauen ließ, sondern den Bau auch bezahlte. Ganz uneigennützig war er dabei aber nicht, der Königsweg war als Schnellweg zwischen Berlin und der Garnisonsstadt Potsdam gedacht. Schnellweg? Für den König in seiner Kutsche mag das zugetroffen haben, für mich auch, zumindest wenn es an den vielen Hügeln bergab ging. Bergauf war es schon eher ein Schleichweg…

Vom Königsweg ist es nicht mehr weit bis zur Glienicker Brücke. Von ihr aus hat man einen wunderbaren Ausblick über die Havel auf Villen und Schlösser.

Halbzeit beim Brauhaus Meierei

Ein sehr beliebter Verpflegungspunkt ist das Brauhaus Meierei, wo es frisch gezapftes Bier gibt. Manche Läufer fiebern diesem Punkt regelrecht entgegen. Ich kann das nicht nachvollziehen. Bier beim Marathon ist mir nichts, entweder laufen oder saufen… Mit dem Brauhaus Meierei haben wir in etwa die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Darüber freue ich mich schon, weniger über die Zeit. Ich bin immer noch 10 Minuten schneller als vor zwei Jahren. Man kann es auch anders sehen, ich laufe gleichmäßig wie ein Uhrwerk.

Irgendwann wird es Nacht. Günter allein im Wald. Mal ist weit vor mir der Lichtschein einer Stirnlampe zu sehen, mal weit hinter mir. Aber ich überhole öfter, als ich selbst Opfer eines Überholvorgangs werde.

Leserreporter Berliner Mauerweglauf 2018 Günter Schmidt

Bild: Günter Schmidt

Zahlreiche fleißige Helfer an den 26 Verpflegungsstellen machten den Mauerweglauf erst möglich.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es nur noch bergauf geht. Ich nutze Bäume oder Masten, um mir die Laufstrecke in Geh- und Laufabschnitte einzuteilen. Dadurch fühle ich mich noch einigermaßen frisch. Wie gesagt, einigermaßen…

Und dann passiert es. Es sind keine Markierungspfeile zu sehen und der Weg zweigt in zwei Richtungen. Was macht man da? Man geht zurück, bis man wieder einen Pfeil findet. Was mache ich? Ich frage, ich bin mit einer Läuferin und ihrer Fahrradbegleitung unterwegs und die haben GPS. Aber Frauen und Technik…

Spuren lesen in der Nacht

Nein, ich bin nicht frauenfeindlich. Ich selbst habe ja nicht mal GPS. Ich kann aber Spuren lesen und so stelle ich nach 10 Minuten fest, dass auf dem Weg nur noch Traktorspuren zu sehen sind. Und da sollen hunderte von Läufern gelaufen sein? Aber nach dem GPS sind wir immer noch richtig, laufen aber trotzdem zurück. Kurz nach der Stelle, an der wir uns verlaufen haben, zeigen Pfeile nach links. Mein Gott, und was für große Pfeile...!

Es gibt einen Waldabschnitt, von dem man nie glauben würde, dass man in der Nähe der Großstadt ist. Ein richtiger Märchenwald. Die Stirnlampe sorgt für eigenartige Schattenbildungen zwischen den Bäumen. Hier gibt es Hexen, Wölfe und sogar Füchse. Na gut, jetzt übertreibe ich, aber einen Fuchs habe ich wirklich gesehen. Das war aber dann später im Wohngebiet…

Mein Lieblings-Verpflegungspunkt ist Nummer 19, Grenzturm Nieder Neuendorf. Die anderen Helfer an den Verpflegungspunkten mögen mir das Verzeihen, aber der wird nun mal von meinen Freunden Evelyn und Uli Etzrodt betrieben. Die müsste eigentlich jeder kennen, denn es sind die Hauptorganisatoren des Berliner Vollmondmarathons. Das ist der schönste Marathon in Berlin! Was, das glaubt ihr nicht? Dann überzeugt euch einfach davon, er findet am 25. August statt. In 14 Tagen sollte man sich ja wohl vom Mauerweglauf erholt haben!

Kurz nach Nieder Neuendorf überhole ich einen Läufer, der mit einem nicht gesund aussehenden Laufstil dahinschleicht. Ich frage ihn, ob er Probleme hat. Was für eine dämliche Frage, hätte er keine, würde er sicher anders laufen. Er sagt mir, er habe sich wundgelaufen. Man kann auch sagen, er hat sich einen Wolf gelaufen. Kann hier in Brandenburg schon mal passieren...

Für den Scherz wäre er sicher nicht dankbar gewesen, den habe ich mir lieber verkniffen. Er sagt mir, er habe am nächsten Wechselpunkt neue Unterwäsche. Ich hoffe sehr, dass er das Ziel noch erreicht hat. Kann mir aber nicht vorstellen, dass man mit einem Wolf von Brandenburg bis ins Berliner Stadtzentrum läuft…

Stirnlampe gibt in der Nacht ihren Geist auf

Gegen sein Elend ist das meinige ja schon fast ein kleines Randereignis. Meine Stirnlampe gibt den Geist auf. Und wo? Unter einer Straßenlampe? Ne, auf einem stockdunklen Weg. So schleiche ich bis zum nächsten Ort – und dort funktioniert die Lampe wieder. Logisch, dass ich die Batterien nicht wechsle. Kostet ja Zeit. Aber glaubt mir, es kostet noch viel mehr Zeit, wenn man kurz darauf wieder im Dunkeln steht.

Am Wechselpunkt 3, Ruderclub Oberhavel mache ich ein kleines Fehlerchen. Ich hätte ja wenigstens einmal auf dieser Mammutstrecke meine zarten Füßchen mit Hirschtalg nachsalben können. Meine Zehen hätten mir es nach dem Lauf bestimmt gedankt…

Nach dem Ruderclub Oberspree geht es wieder in die Wildnis. Über den Zustand der Wege muss man nicht klagen, aber warum geht es gefühlt nur noch bergauf? Andererseits, was jammere ich hier? Ich will nicht sagen, ich fühle mich noch frisch, aber so richtige Verschleißerscheinungen stelle ich an mir auch noch nicht fest. Mich ergreift nicht einmal die so gefürchtete Müdigkeit. Vor einem Jahr war ich am Teltowkanal beim Laufen eingeschlafen und auf dem besten Weg zu einer Schlagzeile der Bildzeitung zu werden: Mauerwegläufer im Teltowkanal ertrunken!

Vorsprung auf das Vorjahr wächst gegen Ende an

Ich muss nochmal zum Ruderclub Oberhavel zurück. Nur gedanklich. Da habe ich nämlich auf die Uhr geschaut und das hat sich gelohnt: Eine knappe Stunde liege ich besser als vor zwei Jahren und das trotz Verlaufen und Lampenchaos – da geht noch mehr!

Wenn ich manchmal so in den Spiegel schaue, denke ich mir, Schmidt, du wirst auch immer älter. Aber heute merke ich, Schmidt, du wirst auch immer besser. Vor zwei Jahren war ich auf den letzten Kilometern mit einem Schnitt von 13 bis 14 Minuten unterwegs – heute sind es Zeiten zwischen 8 und 11 Minuten. Vor zwei Jahren hat mich am Stadioneingang vor dem Ziel Joey Kelly überholt, da konnte ich nur noch eins machen – dumm gucken (Youtube, Joey Kelly, Mauerweglauf 2016)
Heute drehe ich stolz meine Stadionrunde, als ich über den Zielstrich laufe zeigt die Uhr 25:14 Stunden. Ich glaub', ich bin ein Held…!

Der Lohn für 25:14 Stunden Laufen

Ein letzter Höhepunkt ist die Siegerehrung um 14 Uhr im H2 Hotel. Ich werde mit einer Finisher- und einer Back-to-Back-Medaille behangen, mein Freund Andreas Gäbler hat sich zusätzlich noch einen Buckle erlaufen und mit einer Zeit von 20:58 Stunden mehr als verdient. Und einen letzten Höhepunkt gab es dann auch noch – ein Bild mit dem Sieger des Laufes und Weltmeister im 24-Stunden-Lauf Yoshihiko Ishikawa.

Bleibt mir am Ende nur noch ein Dank. An die Organisatoren, an die Helfer an der Strecke, an die Berliner für ihre aufmunternden Worte. Und an Jana und Micha Bieler und Andreas Gäbler. Viele der zum Laufbericht gehörenden Bilder sind von ihnen.

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