Erste Vermutungen bestätigt

Abu Dhabis zu kurze Marathonstrecke

Die schon kurz nach dem Rennen geäußerte Vermutung wurde bestätigt: Die Wendemarke zwischen Kilometer 33 und 34 war falsch positioniert. Knapp 200 Meter fehlten zur Marathon-Distanz.

Der obere rote Kegel - auf dem Luftbild mit dem betreffenden Streckenabschnitt - markiert die vermessene und korrekte Wendemarke. Links daneben beginnt die Ausfahrt zum Fischmarkt. Der untere rote Kegel zeigt den Punkt, auf dem tatsächlich die Wende gelau

Der obere rote Kegel - auf dem Luftbild mit dem betreffenden Streckenabschnitt - markiert die vermessene und korrekte Wendemarke. Links daneben beginnt die Ausfahrt zum Fischmarkt. Der untere rote Kegel zeigt den Punkt, auf dem tatsächlich die Wende gelaufen wurde.

Bild: Helmut Winter / Sean Hartnett

Mit Weltklasse-Siegzeiten hatte die Premiere des Abu Dhabi-Marathons im vergangenen Dezember für Aufsehen im internationalen Straßenlauf gesorgt. Doch schon bald nachdem der kenianische Sieger Marius Kipserem und die Äthiopierin Ababel Yeshaneh mit Zeiten von 2:04:04 beziehungsweise 2:20:16 gewonnen hatten, wurden Zweifel bezüglich der korrekten Streckenlänge laut. Der pensionierte Berliner Physik-Professor Helmut Winter schätzte nach Recherchen mit Hilfe von Video-Material und „Google Earth“ zunächst, dass die Strecke um 120 bis 130 Meter zu kurz gewesen sei. Knackpunkt sei eine falsch positionierte Wendemarke gewesen.

In der Zwischenzeit hatte Helmut Winter gemeinsam mit seinem US-amerikanischen Kollegen Sean Hartnett, einem Geographie-Professor aus Wisconsin, die Gelegenheit, den betreffenden Streckenabschnitt vor Ort nachzumessen. Die beiden Spezialisten weilten im Februar beim Ras Al Khaimah-Halbmarathon, einem anderen hochkarätigen Straßenlauf in den Vereinigten Arabischen Emiraten, und machten einen Abstecher nach Abu Dhabi. Ausgerüstet mit einem offiziellen Messrad kontrollierten sie den entsprechenden Streckenabschnitt zwischen den Kilometern 30 und 35. Während die Kilometerabschnitte demnach ursprünglich korrekt vermessen wurden, bestätigte sich die schon kurz nach dem Rennen geäußerte Vermutung: Die Wendemarke zwischen Kilometer 33 und 34 war falsch positioniert. Knapp 200 Meter, so ergaben die Messungen, fehlten zur Marathon-Distanz von 42,195 km.

Nach ihrem Besuch vor Ort konnten Winter und Hartnett auch eine nachvollziehbare Vermutung äußern, warum die Wendemarke offenbar verschoben wurde. Wäre die Strecke über den ursprünglich vermessenen Wendepunkt verlaufen, wäre die Zufahrt zum Fischmarkt des Hafens versperrt gewesen. Durch die Verschiebung der Wendemarke um knapp 100 Meter konnte der Autoverkehr den betriebsamen Markt ungehindert erreichen.

Die Art und Weise wie die Wendemarke aufgestellt wurde - wesentlich enger als bei einem anderen Wendepunkt auf der Strecke -, lässt vermuten, dass jemand kurzfristig die Kegel versetzt hat. Möglicherweise passierte dies ohne Wissen der Veranstalter. Wie die Organisatoren jedoch auf den nun nachgewiesenen Fauxpas reagieren, gleicht einem PR-Desaster. Es gibt nach wie vor keine Erklärung der Veranstalter, Nachfragen bleiben unbeantwortet und auf der Webseite des Rennens findet sich kein Hinweis darauf, dass alle Ergebnisse irregulär sind.