Schmerzen nach dem Marathon

Woher kommt der Marathon-Muskelkater?

Die starken Muskelbeschwerden, die viele Läufer nach einem Marathonlauf plagen, könnten eine eigene Form des Muskelkaters sein.

Marathon Mainz 2018

Nach dem Rennen können ein kurzer Spaziergang oder eine Massage den Muskeln bei der Regeneration helfen.

Bild: Tomás Ortiz Fernandez

Früher galt Muskelkater als Indiz für wirkungsvolles Training. Wenn man zwei Tage nach der Trainingseinheit immer noch humpelnd die Treppe hinuntergehen musste, war man stolz und zufrieden. Mittlerweile hat sich das Weltbild vieler Sportler gewandelt, und das zu Recht. Muskelkater wurde durch modernste Untersuchungsverfahren als Zeichen einer Minimalverletzung der Muskulatur entlarvt. Also als Überlastungsschaden, der allerdings innerhalb von wenigen Tagen wieder abklingt.

Klassischer Muskelkater durch Verletzung der Muskelfasern

Die Ursache für den Muskelkater hat nicht – wie früher zumeist angenommen – mit einer übermäßigen Anhäufung von Milchsäure in der Muskulatur zu tun, sondern zuerst mit kleinsten Muskelverletzungen. Bei ungewohnten Belastungen (schneller Sprint oder Bergablaufen) kommt es zu mechanischen Überforderungen einzelner Muskelfasern, Einrissen an deren Verbindungsstellen, den so genannten „Z-Scheiben“, und zur Zerstörung weiterer Haltestrukturen der Muskeln: den Eiweißen Titin, Desmin und Nebulin.

Marathon-Muskelkater durch Energie-Not

Nach Prof. Georg Neumann vom Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig tritt nach langen und langsamen Läufen (z. B. einem Marathon!) eine eigene Form des Muskelkaters auf. Neumann meint, dass die Ursache dieser Muskelschmerzen auf eine Energienot einzelner Muskelfasern zurückzuführen sind, also einen starken Energiemangel.

Dieser Mangel wirkt sich laut Aussage des Trainingswissenschaftlers besonders auf die Mitochondrien (= Kraftwerke der Zellen, die für die Atmung und den Stoffwechsel verantwortlich sind) der Muskulatur aus: Deren Volumen und die Dichte in ihrem Innenraum verändern sich, im extremsten Fall kommt es zu einer Mitochondrienzerstörung. Und Neumann ist sich sicher, dass die Regenerationszeiten nach solchen muskulären Überlastungszuständen deutlich über jene hinausgehen, die zur Behebung eines "normalen" Muskelkaters nötig sind.