Ausprobiert

Wie fühlt es sich an, mit Heuschnupfen zu laufen?

Unser Textchef leidet seit vielen Jahren an Heuschnupfen. Hat er bisher versucht, den Pollen auszuweichen, läuft er jetzt trotz Allergie. Wie es ihm damit geht, lesen Sie hier.

Ausprobiert Heuschnupfen

Heuschnupfengeplagter Läufer in Feindesland: Auch die Atemschutzmaske schützt die Schleimhäute nicht.

Bild: Hübsch Anders

Die Bedingungen:

1. Zum Start der Pollenflugsaison werden einmal mehr die frei erhältlichen Arzneien durchprobiert.

2. Da die Nebenwirkungen schlimmer sind als die Symptome, wird alles wieder abgesetzt. Es heißt also: Augen zu und durch.

3. Falls es doch mal zu arg wird, wartet ein Kortisonspray im Schrank.


Es läuft. Der Gaumen juckt, die Nase kribbelt, die Augen tränen. Vor allem aber rinnt ein Sturzbach aus Rotz mir den Rachen runter, der einfach nicht versiegen will. Woher kommt bloß die ganze Flüssigkeit? Es ist 5:30 Uhr morgens. Eine heftige Heuschnupfenattacke hat mich aus dem Schlaf gerissen – wie zurzeit jede Nacht. Ich sage nur: Birkenblüte! An Weiterschlafen ist nicht zu denken. Erst nach einer Dreiviertelstunde beruhigen sich die Schleimhäute wieder, aber da bin ich längst hellwach. Also stehe ich auf und nutzte die geschenkte Zeit, um vor dem Frühstück eine Runde zu laufen.

Soll ich den ganzen Sommer nicht aus dem Haus gehen?

Genau das sollte ich eigentlich nicht tun. Der erste Grundsatz für Allergiker lautet: Pollen meiden! „Halten Sie sich möglichst wenig im Freien auf und vermeiden Sie dort vor allem anstrengende Betätigungen (Sport)“, mahnt ein Allergie-Ratgeber. Aber wie soll das gehen? Soll ich den ganzen Sommer nicht aus dem Haus gehen? Ich bin gegen frühblühende Bäume, Gräser und Roggen allergisch, deren Pollen fliegen fast das ganze Jahr. Soll ich also für immer aufs Laufen verzichten?

Von der Vermeidungsstrategie halte ich wenig. Das Pollengitter vor dem Schlafzimmerfenster lässt mich auch nicht besser schlafen. Die Pollen sind einfach überall. Also stelle ich mich dem Feind. Ich fahre auch mit dem Rad zur Arbeit und lasse der Umwelt zuliebe das (pollenfiltergerüstete) Auto stehen. Das geht auch ganz gut, ähnlich wie das Laufen, denn zumindest bei mir treten die schweren Symptome (siehe oben) erst mit vielen Stunden Verzögerung auf. Beim Radeln wie beim Laufen läuft es zwar ständig in Nase und Rachen, aber das behindert mich kaum. Ich fühle mich jedenfalls viel besser, als wenn ich Medikamente genommen habe.

Antihistaminika? Bekämpfen Pest mit Cholera

Die gängigen Mittel habe ich natürlich alle durchprobiert – ohne Erfolg. Antihistaminika? Bekämpfen Pest mit Cholera. Angeblich machen sie ja nicht mehr so müde wie früher, aber bei mir führen sie zu Kopfschmerzen und einer unglaublichen Mattigkeit. Mir läuft zwar nicht mehr die Nase, aber dafür kriege ich vor allem nachts keine Luft und fühle mich tagsüber wie erschlagen, unfähig zu konzentrierter Arbeit oder zum Laufen. Hyposensibilisierung? Ein aberwitzig teurer, aufwändiger Unsinn. Seit ich das gemacht habe (drei Jahre Spritzen!), reagiert meine Haut überempfindlich auf alles Mögliche. Uns sonst ist alles beim Alten. Das einzige, was mir tatsächlich hilft, ist Kortisonspray. Aber das mag ich nicht dauerhaft nehmen. Also bleibt nur eins: Ich laufe weiter – und lasse es laufen.

Ausprobiert - Wie fühlt es sich a:

Wie fühlt es sich an, beim Laufen...