Baumanns Lauf der Woche

Kein Kratzen, Beißen oder Gras fressen!

Dieter Baumann muss sich entscheiden: Kratzen, Beißen, Gras fressen? - Dann doch lieber laufen und genussvoll essen!

Genussvoll essen

Dann doch lieber laufen und genussvoll essen!

Bild: Dieter Baumann

Lauf der Woche
Donnerstag 05.04.2018
Cervia/Sevilla
60 Minuten Kratz-beiß-bürstiger-Genusslauf


Ich melde mich vom Dauerlaufen heute mit „Kratzen, Beißen, Gras fressen!“ Eine Woche Trainingslager, da braucht es Parolen. Doch ganz ehrlich liebe Freunde der Laufkunst, „Kratzen, Beißen, Gras fressen“ ist nichts für uns Läufer. Fußballer, ja gut, Fußballer brauchen das. Beim Spiel der Bayern am Dienstag gegen Sevilla zum Beispiel vermissten die Fußballexperten in der ersten Halbzeit das „aggressive Auftreten“ der Bayern. Vor allem im Zweikampfverhalten.

Aber bitte nicht falsch verstehen. Gemeint ist nicht diese dumpfe, gemeingefährliche Aggressivität. Gemeint ist die „gesunde Aggressivität“. Zum Beispiel die von Franck Ribéry. Der Franzose sprang einem unbeteiligten Gegenspieler nach bereits unterbrochenem Spiel an die Gurgel. „Keinesfalls rot-würdig“, wie die Experten meinten – weil? Ach ja, weil es als „Signalfoul“ gedacht war. Damit meint man im Fußball nicht, ich haue jemand in die Fresse und hoffe, dass es meine Kollegen mir nach tun – Mitnichten! Ein Signalfoul ist wie ein Neustart des Computers. Reset. Ribery wollte sagen: Achtung, aufwachen, aufpassen, nachmachen. Das letzte Wort natürlich nur in übertragenem Sinne. Wenn sie wissen, was ich meine.

Doch keiner hörte auf Ribéry. Hummels musste deshalb oftmals ein „taktisches Foul“ spielen. Ja doch, ein „taktisches Foul“ spielt man, man begeht es nicht. Und man spielt es nicht einfach so, sondern spielt es „clever“. Hummels grätscht keinen um, hält niemand fest, weder am Trikot, Arm oder Hals. Er macht das „clever“, er „spielt“ ein taktisches Foul. Verstehen sie? Ein „taktisches Foul“ ist in einer Art philosophischer Betrachtung zwar immer noch ein Foul, aber moralisch fair, so ungefähr.

Die zweite Halbzeit: die Bayernspieler wie ausgewechselt. Aggressives Auftreten. Drauf, dran, weiter. Frühes „Pressing“, unter „Druck setzen“. Schneller zum Ball, zum Tor, zum Mann. Dem Gegner „keinen Raum geben“, „auf den Zehen stehen“. Kompromissloses Zweikampfverhalten. Hau drauf und Schluss.

Damit komme ich zum Trainingslager. Keine Expertenfrager, nur Laufen, Lesen, genussvoll essen. Kein Kratzen, Beißen oder Gras fressen.

Da fehlt ja nur noch Spucken! Von hinten ins Genick oder ins Gesicht. Wer macht denn so was? Igitt! Nur Lamas, Fußballer oder Idioten, Läufer aber nicht.