Spitzenläuferin im Porträt

Joyciline Jepkosgei: Kenias neuer Marathon-Star?

Halbmarathon-Weltrekordhalterin Joyciline Jepkosgei könnte schon bald auch im Marathon für Furore sorgen. Teil drei unserer Läuferinnen-Porträtreihe.

Joyciline Jepkosgei

Joyciline Jepkosgei hat das Potenzial für eine außerordentliche Marathon-Karriere.

Bild: photorun.net

Ist sie Kenias zukünftiger Marathon-Star? Joyciline Jepkosgei ist bisher noch keinen Marathon gelaufen. Doch die Kenianerin zeigte derart außergewöhnliche Leistungen auf den Distanzen zwischen 10 km bis zum Halbmarathon, dass man ihr zutrauen kann, zukünftig auch im Marathon für Furore zu sorgen. Bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 will Joyciline Jepkosgei über die 42,195 km starten. Insofern müsste sie wohl spätestens im nächsten Jahr ihr Marathon-Debüt laufen.

Nachdem die 24-Jährige 2016 erstmals in Europa an den Start gegangen war, sorgte sie im vergangenen Jahr für eine Kette von sensationellen Ergebnissen. Im April 2017 lief Joyciline Jepkosgei als erste Frau den Halbmarathon in unter 65 Minuten. In Prag stellte sie mit 64:52 Minuten nicht nur einen Weltrekord über diese Distanz auf sondern verbesserte dabei auch gleich die Bestzeiten über 10 km (30:04), 15 km (45:37) und 20 km (61:25). Mit Sicherheit ist sie bei diesem Rennen auch über 10 Meilen schneller gewesen als alle anderen zuvor - doch dieser Punkt wurde in Prag nicht markiert und gestoppt. Nach Schätzungen dürfte sie die 10 Meilen (gut 16 km) damals in knapp 49:05 Minuten gelaufen sein. Bisher ist keine Frau über die eher seltene Strecke schneller gerannt.

Jepkosgei verbesserte eigenen 10-km-Weltrekord auf 29:43 min

Im September 2017 kehrte Joyciline Jepkosgei nach Prag zurück und verbesserte in einem 10-km-Rennen ihren eigenen Weltrekord auf 29:43 Minuten – damit war sie die erste Läuferin, die in einem Straßenrennen über diese Distanz eine Zeit unter 30 Minuten erreichte. Ihre 5-km-Durchgangszeit von 14:33 war ebenso sensationell, denn keine Frau war über diese Strecke auf der Straße jemals schneller. Im November schaffte Joyciline Jepkosgei dann in Valencia das Kunststück, ihren Halbmarathon-Weltrekord um genau eine Sekunde zu unterbieten (64:51). Nach dem Durchbrechen diverser Zeitbarrieren im vergangenen Jahr, kam Joyciline Jepkosgei 2018 bisher noch nicht wieder an ihre besten Zeiten heran. Dies lag auch daran, dass sie nach einer Malaria-Erkrankung im Spätherbst 2017 noch nicht wieder topfit war.

Mit knapp 20 begann Jepkosgei mit dem Ausdauertraining

Im Gegensatz zu den meisten kenianischen Weltklasseathleten kam Joyciline Jepkosgei erst spät zum Laufsport. Mit knapp 20 Jahren, nach der Geburt ihres Sohnes Brendan, begann sie mit dem Ausdauertraining. Ihr Ehemann Nicholas Koech, der eine 800-m-Bestzeit von 1:46 Minuten hat (für kenianische Verhältnisse ist das keine Topzeit), war ihr Vorbild. „Er inspirierte mich. Ich hatte früher auf der Schule seine Rennen gesehen“, erzählte Joyciline Jepkosgei in einem Interview in Prag. Mit ausschlaggebend für ihren Lauf-Start war allerdings, wie die Weltrekordlerin bestätigte, auch eine Gewichtszunahme in der Schwangerschaft. Längst haben sich die Verhältnisse beziehungsweise Gewichte in der Familie verschoben. Heute kann ihr Mann nicht mehr Schritt halten mit Joyciline Jepkosgei. „Ich nehme jetzt das Auto, um sie beim Training begleiten zu können“, sagte Nicholas Koech.

Joyciline Jepkosgeis ungewöhnlicher Weg zu einem europäischen Rennen

Dass Joyciline Jepkosgei quasi als Nobody 2016 die Chance bekam, bei europäischen Rennen zu starten, verdankt sie ihrem Manager Davor Savija. „Auch für kenianische Verhältnisse ist es sehr ungewöhnlich, dass ein Athlet quasi aus dem Nichts auftaucht“, erzählte der Südafrikaner, der in Prag lebt. „Einer meiner Mitarbeiter sah Joyciline bei einem 10-km-Rennen in Nairobi, wo sie unter den ersten zehn Läuferinnen ins Ziel kam. Was ihm auffiel, war die Art und Weise wie sie lief und ihre Persönlichkeit. Joyciline hatte im Rennen keine Angst, lief aggressiv und war als Person demütig und alles andere als arrogant. Sie war eine Athletin, die uns interessierte.“ Nicht alle Athleten, die über die Halbmarathondistanz oder auf kürzeren Strecken hervorragende Leistungen zeigen, schaffen den Sprung zum Marathon. Ein gutes Beispiel dafür ist der Halbmarathon-Weltrekordler bei den Männern: Zersenay Tadese ist es nie gelungen, sein Potenzial auf die 42,195 km zu übertragen. In einem regelkonformen Rennen ist der Läufer aus Eritrea bisher noch nicht unter 2:10 Stunden gelaufen. Es bleibt abzuwarten, was Joyciline Jepkosgei erreichen kann. Die Voraussetzungen sind aber sehr vielversprechend.

Joyciline Jepkosgei: Bestzeiten und Erfolge

Alter: 24 Jahre
Land: Kenia

Bisherige Marathonläufe:
Keine

Halbmarathon-Leistungsentwicklung
2015 74:06 min
2016 69:07 min
2017 64:51 min (WR)
2018 66:46 min

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