Ehepaar Guttenberger

Geteiltes Glück gleich doppeltes Glück

Wahre Laufliebe – gibt es das? Josepha und Johann Guttenberger sind das beste Beispiel: Sie trainieren seit fast 40 Jahren zusammen und liefen gemeinsam schon 111 Marathons.

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Josepha und ­Johann teilen das ­Hobby Marathonlauf miteinander. Beim Dreiburger-Marathon am 13. April wird erstmals auch Hündin Timba dabei sein.

Bild: Heiko Herrmann

1997 liefen Josepha und Johann ihren ersten gemeinsamen Marathon. Das war der Startschuss zu einer außergewöhnlichen Serie, die mittlerweile 111 Rennen umfasst. „Im Ziel dachten wir, das machen wir nie wieder, so einen starken Muskelkater hatten wir“, lacht Johann

Doch die Guttenbergers blieben dran: Seit 22 Jahren laufen sie zwischen drei und zehn Marathons pro Jahr. Zuletzt finishten sie den Mallorca-Marathon im Herbst vergangenen Jahres – Hand in Hand. Nie haben sie einen abgebrochen.

Das Laufen hilft auch, um für die Enkel fit zu bleiben

„In den 90er-Jahren lebten wir in Köln. Meine Frau arbeitete damals als Trainerin im Fitnesscenter und betreute eine Laufgruppe“, berichtet Johann von den Anfängen. Er war bei seinem Marathondebüt Ende 30, Josepha Mitte 30. Ihre Tochter Tanja war damals bereits aus dem Gröbsten raus. Als Jugendliche fuhr sie mit dem Rad neben ihren Eltern her, während diese für Marathons trainierten. Und das war häufig der Fall.

Heute sind Johann und Josepha vermutlich das fitteste Großelternpaar Bayerns. Die beiden sind in Bayern geboren und wohnen mittlerweile wieder dort. Seit ihre beiden Enkelsöhne auf der Welt sind, spielt Johann Fußball. Sein achtjähriger Enkel kickt fleißig und dessen einjähriger Bruder will auch schon mitspielen. „Wir möchten uns für unsere Enkel fit halten, dabei hilft auch das Laufen. Noch rennen sie uns nicht weg. Da wir immer einen Marathon in Planung haben, steht täglich Training im Kalender. Der innere Schweinehund, den ich zugegebenermaßen auch habe, kann so nicht siegen. Unsere Strategie: Wir setzen uns ein Ziel, dann gehen wir automatisch raus“, sagt Johann, der beruflich stark eingebunden ist und sich daher manchmal zum Training motivieren muss.

Die bisherige Marathon-Bilanz: 111 Rennen in 20 Ländern auf vier Kontinenten

Die besonderen Tage im Familienkalender, wie zum Beispiel Geburtstage oder Hochzeitstage, nimmt das Paar zum Anlass, ins Ausland zu reisen, um dort, na klar, Marathon zu laufen. „Im Jahr 2000 bin ich 40 geworden, da liefen wir zusammen den New-York-Marathon. Das war ein tolles Erlebnis. 2020 werden wir unseren 120. gemeinsamen Marathon wieder in New York laufen“, erzählt Johann. Seit 1992 führt er Buch über das Familien-Hobby. Darin findet man die Kilometer­bilanz zum Stichtag 31.12.2018: Josepha ist in all den Jahren genau 81 150 und Johann 63 115 Kilometer gelaufen. Die meisten davon gemeinsam!

Nicht nur jeden Trainingskilometer, auch alle Marathons dokumentiert Johann: 111 Rennen in 20 Ländern, auf vier Kontinenten. Ihren 25. Hochzeitstag feierten sie beim Two Oceans Marathon in Südafrika, ihren 35. Hochzeitstag beim Nordkap-Marathon in Tromsø (Norwegen). Den hundertsten liefen sie in Athen. Helsinki steht ebenfalls auf der Liste.

Einmal kam es zum Duell – das Josepha gewann

Bei der Auswahl der Reiseziele folgen die beiden keiner besonderen Himmelsrichtung: Sie lieben das Laufabenteuer, ob Stadt oder Natur. Doppelungen auf der Liste möchten sie jedoch vermeiden, um Neues zu entdecken. Dennoch sind die beiden über zehnmal Köln gelaufen, „weil die Strecke damals eben vor der Haustür lag“. Einmal kam es hier sogar zum Duell auf der Zielgeraden: Guttenberger gegen Guttenberger. Josepha gewann – aber eigentlich nur, weil Johann es so wollte. „,Komm, lauf zu‘, habe ich zu ihr gesagt, denn sie ist auf Platzierung gelaufen. Ich bin hinterhergetippelt. Als Mann konnte ich in meiner Altersklasse sowieso nichts erreichen“, sagt er. Er lief in 3:12:56, sie in 3:12:26 ins Ziel; er auf Platz 189 seiner Altersklasse, sie auf Platz sieben.

Das war 2002: Beide liefen damals ihre Bestzeit. „Da waren wir ja noch so jung, heute laufen wir viel langsamer“, schmunzelt Josepha. „Wir können all unsere Laufmomente teilen, da wir sie gemeinsam erleben. Uns geht der Redestoff nie aus, über tolle Erinnerungen, aber auch über neue Pläne für die nächsten Marathons.“

Johann sammelt alle Medaillen in CD-Hüllen, fein säuberlich geordnet. Sie haben ihren festen Platz im Schrank, wo exakt 240 Stück reinpassen. 2020 wird der Schrank voll sein. „Dann kaufen wir uns einen neuen“, sagen die zwei. Geteiltes Glück gleich doppeltes Glück? Ja, so läuft das bei den Guttenbergers! Den Dreiburgenland-Marathon am 13. April, die Nummer 112 auf ihrer Liste, nehmen sie erstmals zu dritt in Angriff – mit Hündin Timba. Noch mehr Glück zum Teilen!

Ich bin ein Läufer:

Höchstleistung mit Diabetes