Baumanns Lauf der Woche

Gefängnis-Lauf statt Schwafeln über den Knast

Beim Lauftraining mit Jugendlichen im Gefängnis dachte Dieter Baumann über die Knast-Äußerungen von VW-Vorstandschef Matthias Müller nach.

Lauf im Gefängnis

Regelmäßig läuft Dieter Baumann mit Jugendlichen im Knast.

Bild: Privat

Lauf der Woche
Montag 26.03.2018
Wuppertal / Wolfsburg
60 Minuten Knast-Kreuzfahrt-Lauf


Ich melde mich vom Dauerlaufen heute aus dem Knast. Wie jedes Jahr wird in den deutschen Jugendstrafvollzugsanstalten gelaufen. Acht Wochen, jede Woche zweimal und am Ende gibt es einen Staffellauf über die Halbmarathondistanz. Am Montag war ich in Wuppertal. Auftakttraining. Und die Jungs waren richtig fit.

Im Knast ist es nicht wirklich spaßig. Das weiß auch VW-Vorstandschef Matthias Müller. Im Interview in dieser Woche rechtfertigte er sein Jahreseinkommen von 10 Millionen Euro mit der Behauptung, man stehe "immer mit einem Fuß im Gefängnis".

Mir drängt sich dabei die Frage auf: Warum?

Nur weil jemand 10 Millionen Euro verdient, kommt keiner ins Gefängnis. Herr Müller, zur Aufklärung, einfach so kommt in einem Rechtsstaat niemand in den Knast. Man muss etwas angestellt haben. Betrug zum Beispiel. Dann kommt ein Gerichtsverfahren. Es muss also nachgewiesen werden. Ein Vorteil dabei ist, wenn man sich gute Anwälte leisten kann. Mal unter uns, bei 10 Millionen Euro im Jahr haben Sie gute Voraussetzungen.

Lieber Herr Müller, als ich diesen Satz las, dachte ich an diesen italienischen Kapitän. Erinnern Sie sich noch? Sein Kreuzfahrtschiff drohte vor der Isola del Giglio zu sinken und schon verließ der Kapitän mit dem ersten Rettungsboot sein sinkendes Schiff. Aber das ist im Grunde ein falsches Bild. Sie verlassen gar nicht ihr Schiff, weil es auch nicht sinkt. Ja doch, es drohte zu sinken. Dieselskandal, Betrug am Kunden, viele Krankheitsfälle durch Feinstaub. Aber nix da. Das Gegenteil ist der Fall. Der VW-Dampfer fährt auf Hochtouren. Der Trick: Ihr Schiff musste leichter werden. Weniger Gewicht ist gleich mehr Auftrieb. Das ist Physik. Angst vor dem Knast. Mal im Ernst, Sie doch nicht, Herr Müller.

Vorher müssen andere in den Knast. Ballast musste abgeworfen werden. Der VW-Manager und Diesel-Spezialist James Robert Liang zum Beispiel. Drei Jahre und vier Monate Gefängnis. In den USA. Oder der VW-Manager Oliver S. Sieben Jahre Gefängnis. In den USA.

Herr Müller, nur mal eine Verständnisfrage: Verdienten diese zwei auch 10 Millionen Euro im Jahr? Wohl kaum. Das waren die Matrosen, die über Bord gehen mussten oder gegangen wurden, damit das Schiff nicht sinkt.

Ihnen noch viel Spaß bei der Kreuzfahrt. Ich gehe lieber laufen.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Im eiskalten Wind beim Citylauf i...