Sportsfreund Marius im Interview

Auf dem Weg zu sich selbst

Sportsfreunde 2018: Laufen hat das Leben des 36-jährigen Arztes bereichert. Marius' Ziel: Immer mehr den Weg zu sich selbst zu finden und noch bis ins hohe Alter laufen zu können.


Schon relativ früh in seiner Kindheit kam Marius zum Laufen. Die ersten Straßen-Wettkämpfe ließen nicht lange auf sich warten. Das Aufstellen neuer Bestzeiten und Podiums-Platzierungen standen damals noch im Vordergrund. Dies rückte im Laufe seiner Sportlerkarriere immer und immer mehr in den Hintergrund. Zeiten sind ihm heute nicht mehr so wichtig. Es geht dem leidenschaftlichen Trailläufer viel mehr darum, dass man läuft – und nicht, wie man läuft. Marius hat immer mehr festgestellt, dass Zeit kein Maß ist, um das Laufen zu beurteilen. Viel mehr zählt die Art und Weise, wie sich der Lauf anfühlt.

Was ist deine Motivation beim Laufen?
Beim Laufen motiviert mich am ehesten einfach die Natur selber – draußen zu sein. Die Natur gibt das Tempo vor.

Wie hat das Laufen dein Leben bereichert?
Das Laufen hat mich in meinem Leben am meisten dadurch bereichert, dass ich viel Zeit für mich selber habe und dadurch einfach näher zu mir selbst komme.

Was unterscheidet dein Laufen heute von vor zehn Jahren?
Mein Laufen von vor zehn Jahren unterscheidet sich zum heutigen Laufen vor allem dadurch, dass ich heute viel weniger nach der Uhr laufe und einfach wirklich nach Gefühl laufe und einfach, weil es Spaß macht.

Was sind deine bisherigen Lauf-Highlights?
In meiner Laufkarriere gab es zahlreiche Wettkämpfe. Wenn es einen Wettkampf oder ein Ereignis gibt, was mir in Erinnerung geblieben ist und was sich eingeprägt hat, dann ist das der Marathon, den ich in der Staffel bei der Challenge Roth gelaufen bin. Weil ich einfach dort das ganze Mitfiebern, was zu so einem Wettkampf dazugehört, von dem Publikum einfach am intensivsten wahrgenommen habe und so etwas in meinem Läuferleben vorher eigentlich noch nicht erlebt hatte.

Was motiviert dich heute, wenn du zum Laufen rausgehst?
Was motiviert mich heute am Laufen? Es ist einfach die Bewegung selber. Ich möchte rausgehen. Ich möchte mich bewegen. Und ich möchte die Natur wahrnehmen. Das kann ich am intensivsten und am einfachsten mit Laufen.

Gab es schon mal ein richtiges Tief und wie bist du herausgekommen?
Ein richtiges Tief gab es auf jeden Fall. Es gab einfach eine Phase, in der die Uhrzeit und das Laufen nach Zeit eine sehr große Rolle gespielt haben. Das geht bis zu einem gewissen Punkt, aber das hat auch alles seine Grenzen und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich auf diesem Weg einfach nicht mehr weiterkomme und, dass das für mich auch nicht der eigentliche Sinn des Laufens ist. Rausgekommen bin ich aus der Situation eigentlich auch wieder durch das Laufen – aber durch das freie Laufen in der Natur. Ohne feste Regeln, ohne feste Zeitvorgaben.

Was ist denn dein Ziel fürs Leben?
Mein Ziel fürs Leben ist einfach immer, immer näher den Weg zu mir selbst zu finden. Das ist ein Weg, den ich im Laufen angefangen habe, den ich in meiner täglichen Yoga-Praxis weiterverfolge und den ich Schritt für Schritt einfach weitergehe.


Und dein Ziel beim Laufen?
Mein Ziel beim Laufen ist mittlerweile, lange gesund zu bleiben, um möglichst lange laufen zu können. Wenn möglich, bin ins hohe Alter.

Was macht am meisten Spaß beim Laufen?
Am meisten Spaß beim Laufen und vor allem beim Traillaufen macht einfach das Laufen frei nach Gefühl, was man zum Beispiel hat, wenn man einen Berg hinabläuft – eine Downhill-Passage im Trail -, wo man einfach frei ist und zugleich aber trotzdem hochkonzentriert, um nicht hinzufallen und jeden Schritt auszugleichen.

Hattest du schon Mal einen Runner’s-High-Moment?
Ja, klar. Wobei es immer die Frage ist, wie man diesen Punkt definiert. Im Straßenlauf hat man ihn, wenn man relativ lange ein Tempo läuft. Dann kommt er ja, ganz klar. Im Trailrunning hat man ihn meistens, wenn sich eine Situation von einem auf den anderen Moment ändert. Und dann ist es meist dieser kurze Moment. Der ist dann für mich das Runner’s High oder nennen wir es Flow.

Wieso kann das Laufen das Leben von Menschen bereichern, die noch nicht laufen?
Ich denke, dass Laufen das Leben vieler Menschen bereichern kann, weil Menschen vielleicht vergessen haben, dass Laufen die natürlichste Art der Fortbewegung ist, die einfach zu ihnen gehört. Und über das Laufen können sie die eigene Bewegung und den eigenen Körper sehr gut wiederentdecken. Und das macht enorm Freude.

Wie reagiert deine Familie auf deine Leidenschaft?
Meine Frau habe ich mit dem Laufvirus einfach angesteckt. Sie läuft auch und sieht, dass es mir guttut und dass es mich bereichert. Und es bereichert auch unsere persönliche Beziehung. Meine Eltern sahen den Laufsport vielleicht anfangs eher skeptisch, aber sie haben dennoch immer das Lächeln in meinen Augen gesehen, wenn ich vom Laufen berichtet habe. Mittlerweile sind sie, glaube ich, auch recht überzeugt davon, dass Laufen auf jeden Fall mein Leben bereichert hat.



Was ist am Trailrunning für dich besonders?
Was Trailrunning für mich so besonders macht, ist auch die Wettkampf-Atmosphäre. Beim Trailrunning hat man immer das Gefühl, irgendwie in einer großen Familie zu sein. Man nimmt aufeinander Rücksicht. Man weicht einander aus. Wenn einer im Wettkampf schneller läuft, dann geht er dem anderen zur Seite. Man ist ein Team.

Welche Rolle spielt Yoga in deinem Leben
Yoga begleitet mich seit längerer Zeit jeden Morgen. Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, ist es das Erste, was ich tue. Das, was danach kommt, ist meistens das Laufen. Das haut unter Woche nicht immer hin, am Wochenende ist es aber so. Ich habe gelernt, dass ich viele Elemente aus dem Yoga ins Laufen übertragen kann. Im Yoga lernt man, dass gut Ding Weile haben will und alles von selbst kommt, wenn man den Weg Schritt für Schritt geht. Im Laufen ist das genauso. Je länger man läuft, je öfter man läuft, je weiter man läuft, desto besser wird das Laufen.

Welche Verbindung besteht zwischen deinem Beruf als Arzt und deiner Lauf-Leidenschaft?
In meinem Beruf als Arzt in der Inneren Medizin und Allgemeinmedizin betreue ich Menschen vom kleinen Kind bis hin zum hohen Greis. Ich habe aber immer wieder festgestellt, dass die Bewegung ein zentrales Element ist. Und so versuche ich auch immer, Menschen, wenn sie offen dafür sind, zum Laufen zu motivieren, um so einfach den Weg zu ihrer Gesundheit zu finden.
Durch meine Spezialisierung in der Sportmedizin habe ich mittlerweile sogar die Möglichkeit, Läufer und Trailrunner sportmedizinisch zu betreuen und bei ihrem Training zu begleiten.

Auch unsere Partnerseiten Men’s Health und Women’s Health stellen im Rahmen unserer Aktion "Sportsfreunde 2018" Menschen und ihre bewegenden Geschichten vor. Lass dich auch von ihnen motivieren und inspirieren!

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