Interview mit Sabrina Mockenhaupt

"Mein Training hat sich stark verändert"

Sabrina Mockenhaupt verriet in einem ausführlichen Interview Details zu ihrem Training, ihrer Ernährung und ihren Planungen für das kommende Jahr 2019.

Interview mit Sabrina Mockenhaupt vom 12.11.2018

Sabrina Mockenhaupt, die 45-fache deutsche Meisterin, mit Carla Jankowiak von RUNNER'S WORLD (links).

Bild: Privat

Welche sportlichen Ziele haben Sie sich für 2019 gesetzt?

Sabrina Mockenhaupt: Keine, weil ich das Jahr 2019 als Übergangsjahr nutzen möchte. In den letzten Monaten habe ich vieles hinterfragt und mir vorgenommen, einfach zu schauen, wo die Reise hin geht. Fest steht, dass ich am 28. April in Hamburg beim Halbmarathon an den Start gehen werde. Von Karriereende möchte ich allerdings nicht sprechen, weil ich nicht so viel davon halte, die Karriere von einem auf den anderen Tag zu beenden. Das ist für mich eher ein fortlaufender Prozess, der sich entwickelt. Was ich mir als sportliches Ziel noch vorstellen könnte, ist der Halbmarathon mit der Mannschaft bei der EM 2020 in Paris.

Haben Sie noch einen Lauftraum?

Sabrina Mockenhaupt: Nein, ich bin wunschlos glücklich. In meiner Karriere habe ich so viele tolle Sachen erlebt. Alles was jetzt noch kommt ist Zugabe.

Welches Ereignis ist Ihnen in besonderer Erinnerung?

Sabrina Mockenhaupt: Es gibt viele schöne Erlebnisse, aber was mir immer im Kopf bleiben wird, sind die olympischen Sommerspiele in Peking 2008, als ich meine Bestzeit gelaufen bin, und der New York Marathon 2013. Der Marathon diente zur EM-Qualifikation. Die erste Hälfte lief ich mit 1:16:02 Stunden und die zweite Hälfte galt als die Schwierigere. Ich habe mich dann dazu entscheiden, mein Herz und die Beine nochmal in die Hand zu nehmen und habe dann nach 2:29:10 Stunden gefinisht. Da weiß ich aber auch schon gar nicht mehr, dass ich gelaufen bin oder dass es anstrengend war. Ich bin einfach nur gelaufen.

Wie ist ihr Training heute im Gegensatz zu vor etwa drei Jahren?

Sabrina Mockenhaupt: Mein Training hat sich stark verändert. Momentan trainiere ich gegenüber früheren Jahren genau die Hälfte an Laufpensum. Dazu mache ich vielmehr Alternativtraining wie Aquajogging oder Radfahren. In letzter Zeit mache ich auch viel Krafttraining, da ich am 15.12.2018 beim Hyrox-Event in der Pro-Class in Stuttgart teilnehmen werde. Für mich ist das auch nur interessant, weil dort die 8 x 1.000 Meter Laufen zwischen den insgesamt acht Übungen zu absolvieren sind. Das Training dazu ist gar nicht so einfach, da ich ja relativ leicht bin und mir die Griffkraft für die schweren Gewichte fehlt.

Wie oft trainieren Sie pro Woche?

Sabrina Mockenhaupt: Zusammengezählt trainiere ich fast jeden Tag. Ich versuche drei bis vier lockere Laufeinheiten pro Woche zu machen. Zweimal trainiere ich mit meinem Personalcoach die Griffkraft und zweimal trainiere ich für mich alleine. Da mache ich dann Laufen und Krafttraining im Wechsel. Ich kombiniere dann das schnelle Laufen, etwa in einer 3:45 min/km Pace, mit den Kraftübungen.

Wie sieht es bei Ihnen mit der Ernährung und dem Ausgleichstraining aus?

Sabrina Mockenhaupt: Das Thema Ernährung interessiert mich mittlerweile deutlich mehr als früher. Angefangen hat das Ganze mit schlechten Leberwerten, woraufhin ich mich entscheiden habe, meinen Körper zu entgiften. Dazu habe ich mich mit dem Laufkoch Detlef Rahrt ausgetauscht und unter anderem mein Stresslevel gesenkt. Abends gehe ich auch immer noch mit einem Trunk aus Heilerde und Flohsamen ins Bett. Morgens trinke ich lauwarmes Wasser mit Zitronensaft und natürlich habe ich auch noch das ein oder andere Nahrungsergänzungsmittel, das ich zusätzlich nehme. Ansonsten versuche ich auf die schlechten Kohlenhydrate zu verzichten und mehr von den guten zu essen. Heute würde ich zum Beispiel keinem Marathon-Läufer mehr empfehlen am Abend vor dem Lauf auf eine Nudelparty zu gehen. Lieber würde ich einen Fisch mit Kartoffeln und Gemüse wählen.

Haben Sie für unsere Leser drei Tipps bezüglich des Wintertrainings?

Sabrina Mockenhaupt: Also grade in der dunklen Jahreszeit würde ich mich mit jemandem zum Laufen verabreden. Ich selber mache das auch und merke, dass es motiviert. Als zweites würde ich empfehlen, egal ob im Winter oder Sommer, mindestens einmal pro Woche ein Krafttraining einzubauen. Zu guter Letzt finde ich Ausgleichstraining wichtig. Also nicht immer strikt Laufen gehen, sondern auch mal was anderes machen. Das ist sowohl für den Kopf als auch für die Muskeln gut.

Haben die vielen Verletzungen der letzten Jahre Ihre Sichtweise verändert?

Sabrina Mockenhaupt: Ja auf jeden Fall! Ich habe mir nach meiner letzten Verletzung gesagt, dass ich nicht mehr krank beziehungsweise verletzt sein möchte. Dazu gehört, dass ich mehr auf meinen Körper höre und ihm eventuell auch mal Pausen gebe. Wenn es dann keine 1:10 Stunden mehr werden, ist das auch nicht schlimm, denn an die Bestzeiten komme ich eh nicht mehr ran.