Interview mit Konstanze Klosterhalfen

"Ich mag keine taktischen Spielchen"

Konstanze Klosterhalfen gilt als Medaillen-Hoffnung für die Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin. Dabei startet die 1.500-Meter-Läuferin am Sonntag über die ungewohnten 5.000 Meter. Wieso, verrät sie im Interview.

Konstanze Klosterhalfen

Bei der Leichtathletik-EM in Berlin läuft Mittelstrecklerin Konstanze Klosterhalfen die ungewohnte 5.000-Meter-Langstrecke.

Bild: Nike

Konstanze Klosterhalfen ist 21 Jahre alt und gilt als großes Talent der deutschen Leichtathletik. Oft liest man sogar etwas von Jahrhunderttalent. Doch Talent impliziert, dass große Taten und Leistungen noch ausstehen. Dabei hat sie bereits Großes erreicht: Sie ist unter anderem mehrfache deutsche Meisterin über die 1.500 Meter – ihrer Paradedisziplin – und hält auch den deutschen Rekord über 3.000 Meter. Am kommenden Sonntag (12. August, 20:15 Uhr) startet sie bei den Leichtathletik-Europameisterschaften über die 5.000 Meter. Aus welchem Grund sie in Berlin die Langstrecke der Mittelstrecke vorzieht, erklärte sie uns im Kurz-Interview.

RUNNER'S WORLD: Sie werden bei den Leichtathletik-Europameisterschaften nicht über die 1.500 Meter starten. Wieso?
Klosterhalfen: Die Entscheidung gegen die 1.500 und für die 5.000 Meter resultiert aus einer Verletzung heraus. Es war ein klassisches Läuferknie, das ich mir früh im Jahr im Trainingslager wohl dank einer Mischung von falschen Übungen und fehlender Regeneration geholt habe. Jetzt ist aber alles gut, die Schmerzen sind weg und ich vertraue meinem Körper wieder. Doch der Trainingsrückstand war für die 1.500 Meter nicht mehr aufzuholen. Mein Trainer sieht daher größere Chancen über die 5.000 Meter. Meine Ausdauer war eigentlich immer recht gut und gepaart mit meiner Schnelligkeit denken wir, dass ich auch auf der Lanmgstrecke konkurrenzfähig bin.

Gibt es großere Unterschiede beim Training für die beiden Laufdisziplinen?
Nein, eigentlich haben wir im Training nicht viel verändert. Wie gesagt, setzen wir vor allem auf meine Schnelligkeit von den 1.500 Metern. Die Trainingsläufe in den vergangenen Wochen waren tendenziell etwas länger und die Tempoläufe waren auch länger als für die 1.500. Oft standen 1.000er Intervalle an oder auch 3.000-, 2.000- und 1.000-Meter-Belastungen.

Welche Distanz laufen Sie lieber?
Ich sehe mich immer noch als 1.500-Meter-Läuferin, aber von den 800 bis zu den 5.000 Metern laufe ich alle Strecken gerne. Ich bin gespannt, wie es bei einer Meisterschaft über die lange Distanz ist, da die 5.000 da schon irgendwie eine Art Überdistanz für mich sind.

Sie sind bekannt dafür, Rennen selbst zu gestalten und vorne wegzurennen. Bei der WM in London hat Sie das im vergangenen Jahr den Finaleinzug gekostet. Wie sieht Ihre Taktik für Sonntag aus?
Eine finale Taktik haben wir uns noch nicht überlegt. Es ist schon eher mein Ding, eine gewisse Zeit zu laufen und alles in das Rennen reinzulegen, anstatt rumzubummeln. Ich mag keine taktischen Spielchen. Ob das dann allerdings so clever ist für ein Meisterschafts-Rennen, müssen wir uns noch überlegen.

Welche Bedeutung hat der Faktor Heim-EM für Sie?
Ich versuche es zu sehen, als wäre es ein Wettkampf wie jeder andere auch. Aber klar, ich freue mich sehr darauf, dass viele Bekannte und Freunde im Publikum sind. Die Stimmung wird sicherlich gut.

Welche Chancen rechnen Sie sich selbst zu?
Ich möchte einfach so schnell wie möglich laufen. Daher blende ich den Druck von außen aus, konzentriere mich auf mich und setze mir auch für die EM jetzt keine Ziele. Ich kann auch gerade noch nicht einschätzen, wo ich stehe, weil ich nur wenige Rennen hatte und die Saison eigentlich jetzt erst losgeht. Aber es ist auch cool, dass ich einfach entspannt in das Rennen gehen kann.

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