Lena Gercke im Interview

„Beim Laufen kann ich am besten abschalten!“

Model, Moderatorin und Läuferin: Lena Gercke erzählt, warum sie meist alleine läuft, was ihr beim Outfit wichtig ist und wo sie ihren ersten Halbmarathon laufen würde.

Lena Gercke

Bekommt beim Laufen den Kopf frei: Lena Gercke.

Bild: Jörg Klaus

RUNNER’S WORLD: Wir treffen uns hier in Berlin als Zuschauer beim „Run for the Oceans“, einer läuferischen Demonstration für die Umwelt, speziell für das Sauberhalten der Weltmeere. Wo begegnet dir in deinem beruflichen Umfeld der Nachhaltigkeits-Aspekt? Wo achtest du selbst auf Nachhaltigkeit?

Lena Gercke: Ganz ehrlich: Als ich jünger war, habe ich mir da nicht wirklich viele Gedanken drüber gemacht und ich glaube, dass es da vielen ähnlich geht. Wenn man jung ist, denkt man einfach nicht so darüber nach, überlegt sich nicht die Konsequenzen des eigenen Handelns. Aber je älter man wird, desto stärker werden einem die Auswirkungen auf die Umwelt bewusst – und was es für uns persönlich bedeutet. Denn Umweltverschmutzung schadet ja nicht nur den Tieren, der Umwelt oder dem Wasser, sondern letztendlich fällt es ja auch auf uns Menschen zurück, etwa auf das, was wir mit der Nahrung zu uns nehmen, wie etwa die Mikropartikel, die über den Fisch in die Nahrungskette gelangen. Letztendlich ist es blind und ignorant, sich da keine Gedanken darüber zu machen. Mittlerweile ist das Thema Nachhaltigkeit ja gravierend – aber vielleicht immer noch nicht so gravierend, dass wir konkrete Unterschiede bemerken, noch nicht. Aber die Warnsignale sind da. Ich glaube die meisten Menschen reagieren erst, wenn es schon zu spät ist. Erst dann wird es den meisten Menschen bewusst.

RUNNER’S WORLD: Inwieweit ist der Nachhaltigkeitsgedanke in der Modebranche angekommen?

Lena Gercke: Es gibt natürlich schon Blogs darüber und auch Brands, denen das wichtig ist – wie jetzt Adidas. Oder Stella McCartney, die sagt, sie verwende kein echtes Leder mehr. Oder Gucci, die keine echten Pelze mehr verarbeiten. Und das sind schon wichtige Anzeichen, wenn so große Marken wie Adidas oder Gucci sich für Nachhaltigkeit und Umweltschutz einsetzen, weil die anderen dann einfach mitziehen müssen. Da haben die großen Marken schon eine Vorbildfunktion. Ich war selber total erstaunt zu sehen, was man aus recyceltem Plastik alles machen kann! Wie unglaublich! Das wusste ich bis dahin gar nicht! Es macht es ja so viel einfacher. Natürlich hat die technologische Entwicklung auch Jahre gedauert, um aus Plastikmüll ein Garn zu produzieren. Eigentlich unglaublich und eigentlich eine totale Wunderwaffe für die Industrie!

RUNNER’S WORLD: Beim „Run for the Oceans“ sind sehr viele Mädels am Start, fast mehr als Jungs, sind die Mädels da weiter?

Lena Gercke: Ich glaube ja, gerade bei Themen wie Nachhaltigkeit, bewusstes Leben – oder auch bei Yoga, was schon noch sehr ein Mädchen-Thema ist.

RUNNER’S WORLD: Du sprichst aus Erfahrung – weil du auch selbst Yoga praktizierst?

Lena Gercke: Ja, genau. Da treffe ich halt viele Mädels. Bei meiner ersten Yoga-Stunde waren nur Frauen, dann mal ein Mann, und jetzt sind es zwei oder drei. Ich praktiziere Yoga aber nicht als Sport, sondern als Stretching, Dehnung und auch als Meditation. Weil ich dadurch einfach supergut abschalten und runterkommen kann. Ich finde, Yoga ist wie eine Massage für den Körper. Durch die Positionen kannst du dir selber so guttun. Ich habe oft Probleme mit dem Rücken, weil ich viel sitze und auf hohen Schuhen unterwegs bin, deshalb tut mir Yoga immer besonders gut! Obwohl ja auch immer mehr Spitzensportler Yoga machen, weil – wie ja mittlerweile auch jeder Mediziner empfiehlt – das ein super Ausgleich zum Muskeltraining ist, damit die Muskeln nicht verkürzen. Ich glaube, das kommt immer mehr.

RUNNER’S WORLD: Wenn man deinen Namen und den Suchbegriff „laufen“ googelt, erhält man gefühlt hunderttausende Einträge, auf welchen Laufstegen dieser Welt du schon gelaufen bist. Wie wichtig ist denn das „richtige“ Laufen für dich im Alltag?

Lena Gercke: (lacht) Für mich ist Laufen ein Ausgleich, nicht ein Sport, bei dem ich mich herausfordern möchte. Ich bin nicht der Läufer, der 10 Kilometer in einer bestimmten Zeit laufen möchte, sondern ich sehe Joggen als Ausgleich und um den Kopf frei zu kriegen. Für mich ist das der beste Sport dafür. Weil du einfach läufst – und dir die Sachen von der Seele läufst. Und danach fühlst du dich wie ein neuer Mensch. Und du bist an der frischen Luft. Ich würde nie in einem Gym laufen, ich finde das furchtbar auf diesem Laufgerät. Ich mag es, wenn man draußen sein kann, wenn man in der Natur ist, wenn man andere Leute währenddessen trifft, das kann einen ja auch motivieren, weiter oder schneller zu laufen. Das ist ein schöner Ausgleich. Und es tut immer gut.

RUNNER’S WORLD: Suchst du dir auch Laufpartner?

Lena Gercke: Dadurch, dass ich immer sehr durchgetaktet bin, ist es für mich am einfachsten, alleine zu laufen.

RUNNER’S WORLD: Hast du Laufschuhe im Gepäck, wenn du verreist?

Lena Gercke: Ich habe immer, wirklich immer Sportsachen und Laufschuhe dabei! Auch wenn ich sie nicht immer benutze, aber wenn ich es irgendwie einschieben kann, dann werde ich aktiv.

RUNNER’S WORLD: Was sind deine Lieblings-Laufstrecken?

Lena Gercke:: Ich wohne nicht weit von einem Park und von den Isar-Auen, deshalb gehe ich in München viel an der Isar laufen.

RUNNER’S WORLD: Was ist dir lieber: morgens oder abends laufen?

Lena Gercke: Ich gehe eigentlich nur morgens laufen. Ich bin jemand, der nicht gerne abends Sport macht. Für mich ist es der beste Start in den Tag, wenn man am Morgen schon was gemacht hat. Und dann wird man auch wach und fühlt sich gut – und dann kann es losgehen.

RUNNER’S WORLD: Wie ist dann deine Trainingsroutine: Hast du einen Trainingsplan? Oder läufst du ohne Plan?

Lena Gercke: Ja, möglichst frei, ich laufe immer sehr entspannt, meist so Minimum fünf Kilometer, wenn Zeit ist gerne auch mal mehr.

RUNNER’S WORLD: Auch mal mit Tempowechseln oder lieber in einem Tempo?

Lena Gercke: Ab und zu mache ich schon spezielle Einheiten, um mehr Kondition zu bekommen. Da mach ich mal Tempoläufe. Aber meistens laufe ich einfach sehr entspannt, denke dabei viel nach. Und ich habe beim Laufen tatsächlich auch viele Ideen.

RUNNER’S WORLD: Läufst du mit Musik?

Lena Gercke: Ich bin früher immer mit Musik gelaufen, aber jetzt gar nicht mehr, weil ich bewusst meine Umgebung wahrnehmen möchte. Wir werden eh den ganzen Tag beschallt, von tausend Ecken. Morgens ist es erst der Wecker, dann ist es ein Radio, dann ein Auto, dann sind es Kinder. Es sind tausend Sachen, die unser Gehirn und unser Körper irgendwie verarbeiten müssen, aushalten müssen. Deshalb ist es ja das Schöne beim Laufen, dass man in der Natur ist und abschalten kann. Ansonsten könnte ich mich auch aufs Laufband stellen, Musik in die Ohren, dann ist es egal, wo ich laufe. Aber in der Natur zu laufen, etwas wahrzunehmen, was um mich herum passiert, das finde ich viel schöner.

RUNNER’S WORLD: Du hast jobbedingt viel mit Mode zu tun. Wie wichtig ist das beim Laufen? Ist es dir wichtig, was du beim Laufen trägst?

Lena Gercke: Oh ja, das ist mir schon wichtig! Ich fühle mich echt motivierter, wenn ich zum Sport auch coole Sportsachen anhabe. Es motiviert mich einfach, wenn es cool aussieht und mich nicht einengt und eine gute Shape macht!

RUNNER’S WORLD: Steht dabei Fashion über Funktion?

Lena Gercke: Nein, das muss schon beides auf einer Ebene stattfinden. Ich meine, da darf man keine Abstriche machen.

RUNNER’S WORLD: Du warst ja jetzt erst beim Golfspielen, dann warst du beim 24-h-Autorennen. Was gehört noch alles zu deinem sportlichen Alltag?

Lena Gercke: Ja, für mich ist das ja das Schöne: Ich werde in meinem Job oft mit anderen Sportarten konfrontiert und kann immer verschiedene Dinge ausprobieren. Ich bin zum Beispiel jemand, der im Urlaub immer Tennis spielt, das ist für mich fast gleichbedeutend, Urlaub und Tennis. Zu Hause gehe ich zum Pilates, neben dem Laufen. Und, ja, vor Kurzem war ich mit BMW beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Und ich war beim Golfen. Allein durch Adidas komme ich ja mit so vielen unterschiedlichen Sportarten in Berührung. Ich war ja auch bei den Olympischen Spielen in Südkorea und in Brasilien; das fand ich total cool, denn ich bin sehr sportbegeistert und kann auch gut mit anderen mitfiebern. Mit der Organisation von „Parley for the Oceans“ war ich übrigens in Marseille, da habe ich viel über Freediving gelernt. Und da habe ich auch die ganze Hintergrundgeschichte von Parley gehört, sehr spannend.

RUNNER’S WORLD: Kannst du denn eine Sport-Routine aufrechthalten? Kommst du zum Beispiel zweimal pro Woche zum Laufen?

Lena Gercke: Leider kann ich das nicht wirklich sagen, regelmäßige Routine habe ich nicht. Ich versuche aber, mindestens zwei Mal in der Woche zu laufen und nebenbei noch was anderes zu machen.

RUNNER’S WORLD: Hast du eine Sportart, die dir in die Wiege gelegt wurde?

Lena Gercke: Ich habe früher eigentlich alles mal ausprobiert. Unter anderem Tennis. Und ich habe sehr viel getanzt als Kind und als Jugendliche, das war immer meine Leidenschaft! Weil ich auch aus einer musikalischen Familie komme und immer eine sportliche Verbindung zur Musik hatte. Deswegen hat sich das Tanzen schon ergeben. Das hilft tatsächlich bei ganz vielen Sachen! Wenn du von klein auf tanzt, bekommst du ein ganz anderes Körperbewusstsein. Und das bleibt in dir dein Leben lang! Viele Tänzer erkennen auch, ob jemand früher mal getanzt hat, die Menschen können sich dann ganz anders bewegen, als wenn das jemand nie gemacht hat. Und es macht halt total viel Spaß. Deshalb habe ich auch Sport nie als Arbeit angesehen, sondern als Spaß. Ich habe das als Kind schon alles freiwillig gemacht. Den einen Tag war ich im Tanzstudio und den anderen Tag war ich beim Tennis. Und dann war ich noch beim Volleyball. Also ich habe jeden Tag etwas anderes gemacht. Ich wollte auch noch unbedingt reiten – durfte ich aber leider nicht, weil meine Mutter irgendwann gesagt hat: So, jetzt reicht’s!

RUNNER’S WORLD: Willst du mal einen Laufwettkampf machen – Halbmarathon, Marathon oder eine andere Strecke?

Lena Gercke: Ich wollte mal in Berlin den Halbmarathon mitlaufen, habe angefangen zu trainieren, und dann ist ausgerechnet an dem Tag ein Job dazwischengekommen. Und dann habe ich das nicht weiterverfolgt. Denn ich habe schon relativ viel Druck in meinem Leben. Und ich möchte mir selber nicht noch mehr Druck auferlegen, indem ich mir bestimmte Sachen beweisen muss. Für mich muss Sport ein Ausgleich sein, und etwas, was Spaß macht. Ich habe genug Herausforderungen in meinem Leben. Ich brauche dazu keine sportliche Herausforderung mehr. Andererseits: Wahrscheinlich werde ich es irgendwann tatsächlich mal machen, weil ich schon mal Bock darauf habe. Ich habe schon ein bisschen Blut geleckt, als ich damals angefangen habe zu trainieren. Aber ich glaube, ich würde das dann auch für mich alleine irgendwo machen. Und wahrscheinlich würde ich dann irgendwie nach Mallorca fliegen oder New York – ich würde mir auf jeden Fall eine coole Umgebung suchen. Ich kann das nämlich schon verstehen: Viele brauchen ein Wettkampfziel ja als Herausforderung und sind dann ehrgeizig; das ist bei mir nicht mehr so. Ich war früher sportlich sehr ehrgeizig. Aber dadurch, dass ich das jetzt in vielen anderen Situationen sein muss – und auch bin –, möchte ich Sport einfach als einen Ausgleich haben. Und nicht als einen weiteren Faktor, der Druck ausübt. Ich will nicht trainieren müssen, wenn ich zum Beispiel mal total müde bin und von einem Job zum nächsten unterwegs bin. Wenn ich dann noch 15 Kilometer dazwischen laufen müsste, würde mein Kopf irgendwann nicht mehr mitmachen.

RUNNER’S WORLD: Es kommt dir ja auch sehr entgegen, dass sich das Schönheitsideal so gewandelt hat: Es ist nicht mehr das Skinny Model, sondern ein trainierter Körper angesagt!

Lena Gercke: Ja, absolut. Ich war ja nie so mega-skinny wie andere Models. Ich hatte immer Muskeln, weil ich von klein auf immer viel Sport gemacht habe. Und ich glaube auch, dass die Muskeln und Zellen sich das alles merken. Deshalb habe ich auch die Muskeln nie verloren. Ich muss jetzt auch nicht lange trainieren, um wieder fit zu werden. Auch wenn ich jetzt gerade erkältungsbedingt eine Pause mache und Antibiotika schlucken muss, weiß ich, bei mir kommt das alles relativ schnell wieder. Was toll ist, deshalb würde ich das auch allen Eltern empfehlen: ihre Kinder zum Sport zu schicken und für sie eine Sportrichtung zu finden, die ihnen Spaß macht, ohne Stress. Als ich übrigens jetzt das erste Mal in Schweden war, in Stockholm, stellte ich fest, dass da dieser Trend noch extremer ist: Da sind die Frauen sehr auf dieser „healthy“-Linie – und sehen tatsächlich auch alle super gesund aus! Das ist Wahnsinn! Das kommt bei uns bestimmt auch noch stärker!

Interview

Ein Lauf mit Barbara Meier

Ein Lauf mit Barbara Meier 5/13 Highlight
Barbara Meier, Siegerin bei „Germany’s Next Topmodel“ (2007), ist... mehr