adidas adizero adios sub2

Der schnellste Schuh der Welt?!

Ab heute ist der adizero adios sub2 im Handel. Er soll der leichteste und schnellste Laufschuh sein, den adidas je entwickelt hat. Wir durften ihn schon exklusiv testen.

adidas adios sub2

Der adidas adizero sub2 ist auf das Wesentliche reduziert – selbst die drei Streifen sind nur aufgedruckt.

Bild: RUNNER'S WORLD

Wenn man ganz ehrlich ist, und das bin ich nun an dieser Stelle, wurde adidas von Nike überholt. Dabei hatte adidas eigentlich einen enormen Vorsprung. Wovon ich rede? Sicherlich haben Sie von Nikes Breaking-2-Projekt gehört. Aber wussten Sie, dass adidas viel früher ins Auge gefasst hatte, die 2-Stunden-Marke im Marathon zu brechen? "Im Rahmen des Londoner Marathons im Jahr 2012 begannen wir, über das Sub2-Konzept und die Rolle von adidas darin nachzudenken", sagt André Maestrini, Global General Manager bei adidas. Blöd nur, dass Nike schneller war und nach nur knapp zwei Jahren Vorbereitung im Frühjahr 2017 ihr Breaking-2-Projekt aus der Theorie in die Praxis geführt hatte. Dass Eliud Kipchoge dabei die magische Grenze um 25 Sekunden verpasst hat – geschenkt! Nike hatte erreicht, was Nike erreichen wollte: Aufmerksamkeit – und eine enorme Werbewirkung für ihren Zoom Vaporfly 4%. Diesen Schuh sah man bereits im vergangenen Herbst an den Füßen vieler Läufer.

Von adidas’ Sub2-Idee haben bis heute hingegen nur die wenigsten etwas wahrgenommen. Gut, Laufinsider haben vielleicht mitbekommen, dass es da diesen Schuh gibt, in dem Wilson Kipsang* beim Tokio-Marathon im vergangenen und auch in diesem Jahr versucht hat, den Marathon-Weltrekord zu brechen. Beide Male scheiterte er – was sicherlich nichts mit dem Schuh zu tun hat. Doch nun, gibt es wirklich Neuigkeiten. adidas bringt ebendiesen Schuh, den adizero sub2, auf den Markt. Ein Schuh, der laut Maestrini "Unmögliches möglich macht." Ein Schuh, den adiads selbst als den "schnellsten Schuh der Welt" bewirbt.

Gut, das klingt vielversprechend. Ebenfalls gut: Ich bin der einzige Journalist der vor dem heutigen Release (15. März 2018) ein Paar testen durfte.

Die neue BOOST Light-Mittelsohle erkennt man gut an den grauen BOOST-Kügelchen.

Bild: RUNNER’S WORLD

Erste Eindrücke des adidas adizero sub2

Dies hier soll kein ausgiebiger Test werden – dafür habe ich in den zurückliegenden zwei Wochen noch zu wenige Kilometer im sub2 absolviert –, sondern lediglich meine ersten Eindrücke wiedergeben. Fangen wir beim Gewicht an. In Größe US 10.5 wiegt der adidas adios sub2 exakt 173 Gramm. Das ist verdammt leicht. Zum Vergleich: Der adizero adios boost 3 – der Nachfolger des Schuhs, mit dem Dennis Kimetto den Marathon-Weltrekord (2:02:57 Stunden) gelaufen ist – wiegt 235 Gramm. Das sind 62 Gramm beziehungsweise 35 Prozent Mehrgewicht. Welten! Möglich wird das vor allem durch das neu entwickelte BOOST Light-Mittelsohlenmaterial. Wer genau hinschaut, erkennt es sofort. Die BOOST-Kügelchen sind nicht mehr alle weiß, sondern auch grau. Die grauen sind leichter und sollen über eine höhere Energierückführung verfügen.

Nächster Punkt: Passform. Die ist keinesfalls supereng. Im Vorfußbereich habe ich sogar mehr Platz für meine Zehen als im adidas adios boost 3 (der Schuh dient mir hier als Referenz, weil ich ihn gut kenne und er der aktuelle Weltrekord-Schuh ist). Was beim Anziehen auch auffällt: Der Schuh ist wirklich minimalistisch. Weiche Polsterungen und anschmiegsame Materialien gibt es nicht. Wenn man hart sein möchte, könnte man sagen, der Schuh fühlt sich billig an. Doch adidas’ Ansatz ist klar auf Reduktion ausgelegt. Selbst die drei Streifen sind nur aufs sehr luftige Obermaterial gedruckt. Anders lässt sich das geringe Gewicht auch gar nicht realisieren, möchte man einen über 42,195 Kilometer laufbaren Schuh entwickeln.

Für mich läuft sich der sub2 ähnlich wie der (hier kommt er wieder) adios boost 3, auch wenn BOOST Light härter ist als das normale BOOST. Die Dämpfung ist keineswegs bretthart, dafür ist die Mittelsohle mit etwa 25 Millimetern Stärke im Fersen- und Mittelfußbereich dick genug. Für mich als trainierten Mittelfußläufer ist die Dämpfung völlig ausreichend. Anders als viele Wettkampfschuhe ist der sub2 auch nicht superflexibel, sondern bietet überraschend viel Stabilität. Das liegt vermutlich ebenfalls an dem eher festen BOOST Light-Material.

Wirklich beeindruckt bin ich davon, dass man das Gewicht auch wirklich spürt – beziehungsweise nicht spürt. Der Schuh macht es einem bei jedem Schritt leicht, den Fuß zu heben und vor den Körper zu bringen.

Ich den nächsten Wochen werde ich im Rahmen meines Marathontrainings noch viele Einheiten im sub2 absolvieren. Mal sehen, ob er mich weiterhin überzeugt und zu meinem Wettkampfschuh wird. So oder so melde ich mich mit einem ausgiebigen Testbericht – in dem ich den adidas adizero sub2 mit dem oben erwähnten Nike Zoom Vaporfly 4% vergleichen werde – wieder.

* An dieser Stelle haben wir in einer vorherigen Version des Artikels fälschlicherweise geschrieben, dass Dennis Kimetto den Schuh beim Tokio-Marathon trug. Gemeint war Wilson Kipsang.

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