Laufberufe

Verkäufer im Laufshop

Es gibt viele Möglichkeiten, das Hobby Laufen mit dem Beruf verbinden. Eine ist die Arbeit in einem Laufshop.

Verkäufer Laufshop

Das Hobby zum Beruf gemacht: im Laden von Falko Will dreht sich alles ums Laufen.

Zu den ältesten beruflichen Tätigkeitsfeldern, die etwas mit Laufen zu tun haben, zählt das des Laufshop-Betreibers beziehungsweise das eines Angestellten in einem Laufshop. So mancher Topläufer der Siebzigerjahre hat diesen Weg beschritten, der eine mehr, der andere weniger erfolgreich – in den USA in den Anfangszeiten solcher
Geschäfte etwa Jeff Galloway, Don Kardong, Tom Fleming und Bill Rodgers.

In Europa war Markus Ryffel einer der Ersten, der nach seiner olympischen Silbermedaille 1984 über 5000 Meter zusammen mit seinem Bruder Urs in der Schweiz ein kleines Lauf­imperium mit Laufshops, Versandhandel, Seminaren und Veranstaltungen aufbaute. RUNNER’S-WORLD-Kolum­nist Jeff Gallo­way, der heute von seinen Seminaren und Trainingsbüchern lebt, baute in den USA die Laufshop-Kette Athletic Attic auf, die er später ver­kaufte. Bill Rodgers, (genauer gesagt sein Bruder Charlie, denn Bill ist kein Geschäftsmann), betreibt seit 1977 in Boston das Bill Rodgers Running Center. Die in den Acht­zigerjahren auch in Deutschland erhältliche Bekleidungslinie Bill Rodgers Running Gear war allerdings ein Misserfolg.

Einer der größten Laufshop-Pioniere der Bundesrepublik ist der Karls­ruher Marathon­läufer Hans Gulyas (Bestzeit: 2:16 Stunden). Bereits Mitte der Siebzigerjahre war er an den meisten Wochenenden des Jahres mit dem VW-Bus bei kleineren und größeren Wald- und Wiesenläufen präsent und ver­kaufte aus dem Laderaum die gefragten Modelle von Brütting, Brooks oder Nike, die neu am Markt und in traditionellen Sport­geschäften meist nicht erhältlich waren. Gulyas bezeichnet sein eigenes als das erste Laufsportfachgeschäft Deutschlands – vermutlich zu Recht (www.sport-gulyas.de).

Nicht ganz so alt ist der InTeam-Laufshop in München, den der ehemalige Top-Langstreckenläufer Christoph Herle Mitte der Achtziger zusammen mit dem Marathon­läufer Stefan Pichler gründete. Aus dem Tagesgeschäft hielten sich beide aber von Anfang an heraus – Herle ist Architekt, Pichler machte Karriere bei der Lufthansa. Das überließen sie dem ehemaligen Top-Marathoner Falko Will, der den Laden heute noch führt.

Zu den erfolgreichsten Laufshop-Betreibern in Deutschland zählt Jörg Bunert, ehemals ein erfolgreicher Orientierungsläufer.Seit 1983 ist er am Markt und betreibt mittlerweile elf Filialen in Nordrhein-Westfalen mit insgesamt 38 festen Angestellten. Auf die Frage, was sich in den letzten Jahren verändert habe im Berufsprofil eines Laufshop-Verkäufers, sagt er: „Mit der allgemeinen Vorstellung eines Verkäufers hat das nicht mehr viel gemein. Der Laufshop-Mitarbeiter ist viel mehr: Er ist Läufer, orthopädisch ausgebildet, sehr selbstständig und muss einen guten Überblick über den Markt mit all seinen Facetten haben.“ InTeam-Geschäfts­führer Falko Will etwa hat seine Mitarbeiter ausnahmslos in der Laufszene gefunden. Seiner Ansicht nach muss ein Laufshop-Ver­käufer in jedem Fall selbst Lauf- wenn nicht gar Wettkampf­erfahrung haben.

Man muss allerdings keine Topzeiten laufen, um einen Laufshop zu eröffnen. Wer glaubt, allein der Bekanntheitsgrad des ei­genen Namens würde die nötigen Umsätze generieren, irrt. Die Erfolgsaussichten sind vielmehr – wie in anderen Branchen auch – davon abhängig, wie geschäftstüchtig ein Betreiber ist, welche kaufmännischen und welche Marketing-Qualitäten er aufweist und mit welchem Team er auftritt. Dabei spielt die Lage eine entscheidende Rolle, aber auch die Kalkulations- und Einkaufspolitik, die er betreibt. Die Laufshop-Kette Runners Point beispielsweise bezieht, seit sie in den Acht­zigerjahren an den Markt kam, bevorzugt Innenstadtlagen oder Shopping-Malls. Nicht wenige Laufshops siedeln sich aller­dings bewusst in Randlagen von Städten an, weil sie auf ihre ganz spezielle Zielgruppe hoffen. Die Erfahrung zeigt, dass Kunden, die sich gezielt zu einem solchen Laden bewegen, im Schnitt auch länger im Geschäft bleiben als Laufkundschaft in Innenstadtlage.

Wer in einem Laufshop arbeitet, verbindet Hobby und Beruf. Aber man sollte sich nichts vormachen: Als Angestellter in einem Sportgeschäft sind die Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten begrenzt, und wer selbst einen Laden eröffnen will, benötigt dazu beträchtliches Eigenkapital oder Geschäftspartner, um eine anfängliche Durststrecke zu überstehen. Und: Die Arbeitszeiten gehen oft weit über die Öffnungszeiten hinaus. Dazu kommen beispielsweise Marketing-Akti­vitäten, wenn man – meist am Wochenende – bei Laufveranstaltungen im Umkreis vor Ort sein will, um dort Prospekte zu vertei­len und Präsenz zu zeigen.

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Das sollten sie beachten, wenn Sie in einem Laufshop arbeiten wollen.