Vegane Ernährung

Bessere Leistung durch vegane Ernährung?

Immer mehr Ausdauersportler berichten von Leistungssteigerungen, nachdem sie ihre Ernährung auf vegan umgestellt haben. Wie kann das sein? Und worauf muss man als Läufer achten?

Veganismus

Bessere Laufleistung durch Verzicht auf tierische Produkte?

Bild: iStockphoto / totalpics

Veganismus ist eine Lebens- und Ernährungsweise, die eine Nutzung von Tieren und tierischen Produkten ablehnt. Viele Veganer sind strikter als Vegetarier: Während Vegetarier "nur" kein Fleisch und keinen Fisch essen, meiden Veganer sämtliche tierische Erzeugnisse – also Milchprodukte, Eier und Honig. Einige Ausdauersportler, wie z.B. der US-amerikanische Ultraläufer und Triathlet Scott Jurek berichten von einem größeren Wohlbefinden und einer gesteigerten Leistungsfähigkeit nach der Umstellung auf vegane Ernährung. Zahlreiche wissenschaftliche Studien ergaben zudem, dass eine fleischlose Ernährung seltener zu chronischen Krankheiten wie z.B. Herzerkrankungen, Krebs, Übergewicht und Diabetes führt.

Veganes Selbst-Experiment
Auch die 28-jährige Langstreckenläuferin und Runner’s World Cover-Model Andrea Diethers ernährt sich seit ihrem 13. Lebensjahr fleischfrei. Im Oktober 2012 machte sie eine Leistungsdiagnostik und entschloss sich daraufhin, ihre Ernährung komplett auf vegan umzustellen. „Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, von vegetarischer auf vegane Ernährung zu wechseln. Die Diagnostik war eine gute Gelegenheit, dies endlich umzusetzen und die Veränderung professionell überwachen zu lassen“, so Diethers. Eine zweite Diagnostik im März 2013 ergab, dass sie ihre Leistungsfähigkeit deutlich steigern konnte. Sowohl ihre VO2Max- als auch ihre Laktatwerte hatten sich verbessert. „Ich habe schon vor der zweiten Analyse gespürt, dass ich fitter geworden bin“, sagt Diethers. „Die Diagnostik hat dieses Gefühl noch einmal bekräftigt. Ich fühle mich sehr wohl, bin gesund und habe keine Mangelerscheinungen.“ Auch die Laufergebnisse sprechen für sich: Am 14. April 2013 gewann Diethers die Schleswig-Holsteinischen Landesmeisterschaften in der 10-Kilometer-Distanz in 36:44 Minuten. Ernährungstipps für vegane Läufer gibt Diethers auf ihrer Homepage.

Extreme Ernährung für extreme Sportler: Der Rohkost-Veganer
Auch der Triathlet Arnold Wiegand ist Veganer – allerdings ein Extrembeispiel, denn er ernährt sich nur von Rohkost. Das bedeutet, das sämtliche Nahrungsmittel, die er zu sich nimmt, nicht erhitzt bzw. bei einigen Gerichten in einem Dörrgerät auf maximal 42 Grad Celsius erwärmt werden. „Je länger die Erhitzung und je höher die Kochtemperatur, umso mehr Enzyme und Vitamine werden zerstört“, sagt Wiegand. Der 50-jährige ernährt sich seit 1990 vegetarisch und hat erst 2003 angefangen, regelmäßig Sport zu treiben. Damals begann er mit dem Marathontraining und stellte zeitgleich auf vegane Ernährung um. „Die Entscheidung traf ich einfach aus dem Bauch heraus – einen konkreten Anlass gab es nicht. Aber dass es mir gut tun würde, hatte ich schon immer vermutet“, so Wiegand. Drei Jahre später wurde er Rohkost-Veganer. „Ich hätte nicht erwartet, dass sich meine Leistungsfähigkeit durch die Umstellung von vegetarischer auf vegane Ernährung so extrem steigern lässt. Als Rohkost-Veganer habe ich mich nochmal gesteigert und ein für mich nie gekanntes Energieniveau erreicht“, sagt er.

Wiegand verbessert seine Leistung von Wettkampf zu Wettkampf, bis hin zum 5.Platz beim Triathlon über die 3-fache Ironman-Distanz in 41:16 Stunden. Zum Beweis hat er sämtliche Ergebnisse auf seiner Homepage veröffentlicht. Auch Mangelerscheinungen hat er keine. „Im Winter, wenn ich fünf bis sieben Stunden Sport pro Woche mache, brauche ich keine Nahrungsergänzungsmittel. Wenn ich allerdings lange Distanzen im Eiswasser schwimme, dann nehme ich Magnesium zu mir, ansonsten bekomme ich Krämpfe“, so der Triathlet. „Lediglich bei Fahrradfahrten ab 220 Kilometern nehme ich ein veganes Eiweißpräparat zu mir, weil ich ansonsten die Gefahr des Muskelabbaus sehe und eine längere Regenerationsdauer hätte.“

(Keine) Gefahr durch Mangelversorgung
Als Einschränkung empfinden Diethers und Wiegand die Umstellung auf Veganismus nicht. „Im Gegenteil“, sagt Diethers. „Da ich keine tierischen Produkte mehr zu mir nehmen darf, achte ich sehr genau auf eine ausgewogene Ernährung. Ich probiere viel Neues aus, weshalb meine Ernährung heute abwechslungsreicher als früher ist.“

Die Sportmedizinerin Christine Graf von der Sporthochschule Köln steht der veganen Ernährung bei Sportlern eher vorsichtig gegenüber. Sie warnt vor Mangelerscheinungen und rät dazu, bei strikt veganer Ernährung regelmäßig einen Arzt zur Kontrolle aufzusuchen. „In manchen Fällen verbirgt sich hinter Veganismus die so genannte Anorexia athletica – oder kann dahin führen. Anorexia athletica ist eine Essstörung, die im Leistungssport nicht selten vorkommt“, so Graf. Sicherlich seien nicht alle veganen Sportler so extrem, sagt sie. „Grundsätzlich ist die Leistungsfähigkeit der Athleten ein guter Seismograf für deren Gesundheitszustand. Sobald die Leistung trotz intensivem Training abnimmt, könnte eine Mangelversorgung vorliegen“, warnt sie. Als veganer Sportler müsse man laut Graf seine Ernährung besonders genau überwachen, damit man auch tatsächlich genug Spurenelemente zu sich nehme. Wichtig sei vor allem, dass sich Sportler intensiv mit ihrer Ernährung befassen. „Der Veganismus hat trotz aller Warnungen schon sehr viel Potential – wenn man auf bestimmte Sachen achtet. Unverzichtbar ist die ausreichreichende Zufuhr von Kalorien, Eiweiß, Spurenelementen, essentiellen Fettsäuren und Elektrolyten“, so Graf.