Ausprobiert

Wie fühlt es sich an, einen Triathlon zu absolvieren?

Nach dem Schwimmen ging die Aufholjagd los. Der Vorteil als Läufer: Das Beste kommt zum Schluss!

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Schwimmen und Radfahren liegen hinter ihm: Ab auf gewohntes Terrain und in die Laufschuhe.

Bild: Marcus Vogel

Auf dem Fahrrad fühle ich mich sofort wohl, auch wenn die Sitzposition ungewohnt ist. Im Vergleich zum Rennrad ist die ­liegende Haltung auf dem Zeitfahrrad viel aerodynamischer. Ich fühle mich bärenstark, weil ich meine, gut trainiert zu haben auf dem Rad. Etwa 500 Trainingskilometer stehen seit Anfang des Jahres im Trainingstagebuch, viele davon führten mich zur Arbeit und wieder zurück. Viel mehr sind für eine Olympische Dis­tanz auch nicht nötig, behaupte ich. Das Gefühl, von Beginn an reihen­weise Athleten zu überholen, beflügelt mich: Ich schalte einen Gang höher und jage die Elbchaussee rauf und runter – natürlich in dem Bewusstsein, noch laufen zu müssen. Nach 40 Kilometern und etwas über einer Stunde ist der Spaß leider schon vorbei. Rad abstellen, Schuhe anziehen: Der zweite Wechsel ist viel einfacher. Aber, mein Gott, was habe ich getan? Meine Füße verlassen kaum den Boden, ich eiere gebückt wie Quasimodo aus der Wechsel­zone. An Losrennen ist nicht zu denken und ich stelle mich schon mal auf eine lange Wanderung ein. Doch mit jedem Schritt beginnen sich Beine und Rücken zu lockern. Nach einem Kilometer Einlaufen finde ich sogar zu meinem gewohnten Laufschritt zurück.

Nun schlägt meine Stunde, die der Läufer, denke ich mir. Ich renne für meine Verhältnisse zwar ziemlich langsam, bin aber doch um Längen schneller als alle um mich herum. Nach 10 Kilometern stoppt meine Uhr im Ziel bei 38 Minuten – immerhin die sechsundzwanzigstschnellste Laufzeit aller Teilnehmer. Zum Vergleich: Bei einem Solo-Lauf wäre ich vielleicht zwei Minuten schneller gewesen. Das spricht für eine kluge Renneinteilung.

Geschafft! Das war kein Spaziergang, aber ein kurzweiliger Wettkampf.

Bild: Marcus Vogel

Im Ziel empfangen mich meine Freundin und Freunde, die ­meine Nervosität in den Tagen vor dem Rennen ausgehalten ­haben. Ich bin mächtig stolz, es geschafft zu haben. Wer glaubt, Triathlon sei ein einfacher Sport, irrt. Der Blick auf den ersten Wechsel genügt: Jeder Handgriff muss sitzen. Darin liegt der ­besondere Reiz dieser noch jungen Sportart, aber auch der Grund, warum viele Läufer abgeschreckt sind: zu zeitintensiv, zu kom­pliziert, zu kostspielig, lauten die Vorurteile. Aber Hand aufs Läuferherz: Wer hat nicht schon mal mit einem Triathlon ge­liebäugelt? Dabei braucht man für eine Sprintdistanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) kein Triathlonrad, keinen Neoprenanzug und auch nicht viel Training. Das kann wirklich jeder Läufer schaffen – und es macht einfach richtig Spaß, die sportliche Komfortzone zu verlassen. Ich werde nächstes Jahr wieder an der Startlinie eines Triathlons stehen, so viel ist sicher. Gut möglich, dass es dann eine Mitteldistanz wird. Aber jetzt konzentriere ich mich erst mal auf einen Marathon im Herbst.

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