Ausprobiert

Wie fühlt es sich an, als Läufer einen Triathlon zu absolvieren?

Für unserer Serie "Ausprobiert" startete unser Redakteur über die Olympische Distanz. Sein Fazit: Diese Distanz ist für jeden machbar - Läufer sind sogar im Vorteil.

Ausprobiert 1015 Daniel Start

Zuversichtlich: Unser Redakteur vor seiner ersten Olympischen Distanz.

Bild: Marcus Vogel

Die Bedingungen:
1. Keine spezifische ­Triathlonvorbereitung
2. Die Distanzen: 1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen
3. Mit Neoprenanzug. Der war erlaubt bei einer ­Wassertemperatur
von 21,9 Grad Celsius


Das Schicksal meinte es gut mit mir vor meiner ersten Olympischen Distanz. Schon Wochen vor dem Rennen hatte ich auf eine Neopren­anzug-Freigabe spekuliert und immer wieder penibel die Wassertemperatur der Alster kon­trolliert. Vor allem schwächere Schwimmer, zu denen ich gehöre, profitieren von einem Neoprenanzug, weil dadurch die Wasserlage deutlich besser wird. Meine Schwimmvorbereitungen hingegen waren eher theoretischer Natur: Statt im Schwimmbad Kacheln zu zählen, schaute ich mir immer wieder Youtube-­Videos zur perfekten Kraultechnik an. Als allerdings mein Kol­lege und Langdistanz-Finisher Urs Weber davon erfuhr, war es mit dem Fernstudium vorbei: Zwei Tage später und vier Tage vor dem Rennen schleppte er mich ins Schwimmbad, wo ich neben dem An- und Ausziehen des Neoprenanzugs auch ein paar Bahnen ziehen musste. Zwar attestierte Urs mir ganz passable Kraulfertigkeiten, doch schon nach 50 Metern war ich konditionell dermaßen ausgepowert, dass ich am Beckenrand hing und nach Sauerstoff schnappte. Wie sollte das erst nach 1,5 Kilometern werden?

Renntag. Als wir zur unchristlichen Zeit um 8:30 Uhr am Jungfernstieg in das Wasser der Binnenalster springen dürfen, bleiben noch etwa zehn Minuten bis zum Start. Genug Zeit, sich die Konkurrenz mal genauer anzugucken: Viele Männer sind im Pulk und nur wenige Frauen. Die meisten Athleten schwimmen im Neoprenanzug, vereinzelt starten Teilnehmer in Badehose. Und immer wieder stößt man auf Geschichten aus den Vorjahren. Bei einem Großteil der Teilnehmer scheint es sich um Wiederholungstäter zu handeln. So kennt man es in der Hansestadt: Beim ITU World Triathlon in Hamburg startet jedes Jahr eine illustre Mischung aus Profis, am­bi­tionierten Amateuren und Triathlon-Novizen. Noch beruhigender ist allerdings die Erkenntnis am Dixi-Klo: Beim Triathlon sind die Schlangen vor den Toiletten tatsächlich noch länger als bei Laufveranstaltungen. Der Grund: Die Hightech-Rennbekleidung der Triathleten muss man sich wie eine Ganzkörper-Kompressionssocke vorstellen, in die man nur schwer herein- und noch schwerer wieder herauskommt.

Volle Fahrt voraus: Im Wiegetritt beginnt die Aufholjagd auf die starken Schwimmer.

Bild: Marcus Vogel

Der Start verläuft stressfrei, weil für alle Schwimmer genug Platz bleibt. Ich kraule erst mal ganz entspannt los. Anders als im Schwimmbad fehlt im Freiwasser die Orientierung, sodass man immer wieder den Kopf aus dem Wasser heben muss, um nicht Schlangenlinien zu schwimmen. Durch die entzerrten Blockstarts ist der Triathlon in Hamburg nicht zu vergleichen mit dem Massenstart eines Ironman, bei dem viele Hundert Athleten gleichzeitig ins Wasser rennen. Meine Herausforderung besteht eher darin, die Strecke von 1500 Metern, umgerechnet fast vier Laufrunden auf der Bahn, ohne zu große Zeitverluste zu bewältigen. Es dauert nicht lange, bis meine Muskeln übersäuert und die ­Arme bleischwer sind. Das hatte ich erwartet nach dem Erlebnis im Schwimmbad, allerdings noch nicht so früh. Aber für diesen Fall habe ich mir einen Plan B zurechtgelegt, der einen Wechsel der Schwimmarten vorsieht. Immer wenn mir die Kraft ausgeht, wechsele ich zum Brustschwimmen, um mich zu er­holen. Eine geniale Taktik – ich muss mich selbst loben –, die mich Schwimmzug für Schwimmzug voranbringt: erst unter der Lombards­-, dann unter Kennedybrücke hindurch, vorbei an der Wende­boje und wieder zurück zum Jungfernstieg. Die Beine ­lasse ich dabei ruhig im Wasser baumeln, um sie fürs Radfahren zu schonen. Nur nicht verschlucken und konzentriert bleiben, ­rufe ich mir auf den letzten Metern ins Bewusstsein, während links und rechts Zuschauer jubeln, und spiele den Wechsel aufs Rad durch.

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Aufholjagd bis ins Ziel

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