Abweichende Regeln beim Triathlon

Nur ein Marathon ist ein Marathon

Nur bei einer offiziellen Lauf-Veranstaltung ist ein Marathon 42,195 Kilometer lang, beim Triathlon darf er laut Regelwerk auch 38 Kilometer kurz sein.

Vienna City Marathon

Marathon ist nicht immer gleich Marathon: Bei den großen City-Rennen, wie hier in Wien, können die Läufer sicher sein, dass die Distanz stimmt.

Bild: Vienna City Marathon

Ist der Marathon im Sinne einer Laufveranstaltung 42.195 Meter lang oder bloß 38 Kilometer? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an, in welcher Sportart man aktiv ist.

Im Laufsport ist weltweit eine exakte Streckenvermessung etabliert. Im Triathlon ermöglicht das Regelwerk hingegen Abweichungen von bis zu zehn Prozent. Das entspricht auf der Marathondistanz eine Kürzung von bis zu 4,2 Kilometern! Auf diese kuriose Auslegung der Regel bezüglich der Streckenlänge weisen die Veranstalter des Vienna City Marathons hin, deren Rennen im kommenden Jahr am 15. April stattfindet.

„Triathlonstrecken können nicht als ordnungsgemäß vermessene Distanzen gelten, solange nicht die gleichen Vorgangsweisen wie im Straßenlauf angewandt werden“, erklärte dazu Hugh Jones von AIMS, der Vereinigung der Internationalen Marathonrennen und Straßenläufe. Die Veranstalter des Vienna City Marathons betonen, dass Laufleistungen bei Triathlon-Veranstaltungen deshalb relativiert werden müssen und der Name „Marathon“ im Laufsport wie eine Marke positioniert werden soll.

Seit Jahren sind genaue, praktikable und weltweit gleiche Richtlinien für die Streckenvermessung bei Marathons und Straßenläufen in Kraft. AIMS hat Pionierarbeit geleistet und ein innerhalb des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF verbindliches Instrumentarium geschaffen. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass ein Marathonlauf tatsächlich 42,195 km lang ist. Noch genauer gesagt: Es ist gewiss, dass ein Marathon mindestens 42,195 km lang ist. Denn es wird zur vermessenen Strecke noch bis zu einem Tausendstel der Distanz hinzugefügt, um die vorgegebene Länge auf keinen Fall zu unterschreiten. Bei einem Marathon sind das 42,2 Meter.

Mindestens 42,195 km laufen die Finisher beim New York-Marathon.

Bild: Urs Weber

Allen Funktionären in der Laufszene ist dies bewusst und jeder seriöse Veranstalter hält sich daran. Dadurch sind die Vergleichbarkeit von Leistungen und die Anerkennung von Rekorden möglich. Für die Millionen von Läufern, die Veranstalter und die Öffentlichkeit ist dies eine sehr gute Situation. Ein Marathon ist ein Marathon, überall auf der Welt. Wenn sich ein Veranstalter außerhalb dieser Regeln stellt, steht er im Abseits.

Marathonrennen, Halbmarathonläufe und andere Wettbewerbe sind jedoch auch Teil von Triathlonveranstaltungen. Diese Laufstrecken werden aber nicht nach den Kriterien der AIMS vermessen. Die Regeln der International Triathlon Union (ITU) ermöglichen beträchtliche Kürzungen: „Geringfügige Abweichungen in den einzelnen Teildisziplinen auf Grund von örtlichen Gegebenheiten und/oder des Schwierigkeitsgrads der Strecke sind durchaus akzeptabel. Bei Meisterschaften dürfen die Abweichungen jedenfalls maximal plus/minus 10 Prozent betragen“, heißt es in der Wettkampfordnung der Deutschen Triathlon Union.

Wendet man die 10-Prozent-Regel auf einen der privat lizenzierten Ironman-Wettbewerbe an, kann die Marathondistanz 38 Kilometer kurz sein und trotzdem als regelkonform gelten. Welcher Veranstalter nützt das Regelwerk nicht zu seinem Vorteil aus?

Berlin-Marathon 2011

Bild: Norbert Wilhelmi

Alles korrekt in Sachen Streckenlänge: Berlin-Marathon 2011.

Es ist prinzipiell unerheblich, über welche Distanz ein Triathlon genau führt. Wenn ein Veranstalter eine bestimmte Schleife rund um einen See nutzen möchte und die Laufstrecke nur 40 Kilometer beträgt, ist ihm das unbenommen. Sobald aber von Wettkampfdistanzen wie Marathon oder Halbmarathon sowie von Rekorden die Rede ist, die im Laufsport exakt genormt sind, müssen gleiche Voraussetzungen gelten.

Nun sollen die sportlichen Leistungen der Triathlon- und Ironman-Finisher in keiner Weise geschmälert werden. Die Triathleten selbst zählen aber zu den Leidtragenden der Situation, da ihre Laufzeiten nicht in Marathon-Bestenlisten geführt werden. Ein „Marathon“ oder „Halbmarathon“ im Rahmen eines Triathlons kann eben nicht mit einem Marathon oder Halbmarathon nach IAAF-Regeln verglichen werden. In Großbritannien gab es Bestrebungen, die Laufstrecken bei Triathlonrennen nach den gleichen Regeln wie im Laufsport zu vermessen. Leider hat das aber zu keinem Ergebnis geführt, wie AIMS-Vertreter Hugh Jones verwundert mitteilt. Einen 38 km langen Lauf als eine Strecke über die Marathondistanz auszugeben, ist eine grobe Täuschung der Teilnehmer und der Öffentlichkeit. Der nichtkundige Beobachter eines Langdistanz-Triathlons wird in den Glauben versetzt, die Teilnehmer laufen eine Distanz so wie beim London-, New York- oder beim Berlin-Marathon. Dies entspricht aber nicht der Tatsache.

Es müsste demnach im Interesse der IAAF und der AIMS sein, den Namen Marathon im Laufsport zu schützen und den Laufwettbewerb über 42.195 Meter als Marke zu positionieren. Markenrechtlich ist dies wahrscheinlich nicht mehr möglich, in den Bedingungen der Sportverbände hingegen schon. Ein Schwimmwettbewerb, ein Radwettbewerb und ein Laufwettbewerb, die als Triathlon abgehalten werden, dürfen sich auch nicht automatisch Ironman nennen.

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