Im Grenzbereich

Leistungsdiagnostik: Läufer vs. Radsportler

Frank Hofmann und Jens Vögele, Chefredakteure von RUNNER'S WORLD und RoadBIKE, gingen für unseren Triathlon-Fitness-Check bei einer Leistungsdiagnostik an ihre Grenzen.

Was fehlt einem Radsportler, was einem Läufer, um einen Triathlon anständig zu finishen? Zur Beantwortung dieser Frage gingen die Chefredakteure von RoadBIKE und RUNNER'S WORLD, Jens Vögele und Frank Hofmann, an ihre Grenzen: Sie absolvierten eine Leistungsdiagnostik und ließen sich von Experten die Wahrheit über ihre Fitness erklären.

RUNNER'S-WORLD-Chefredakteur Dr. Frank Hofmann nach der Leistungsdiagnostik.

Bild: Sebastian Arlt

DER LÄUFER: Frank Hofmann, 50

Trainingsumfang: ca. 8 Stunden/Woche
Ziel: Olympische Distanz in vorzeigbarer Zeit

Es ist zwölf Jahre her, dass ich mich das letzte Mal auf dem Fahrrad­ergometer derartig angestrengt habe. Damals fuhr ich mehrmals wöchentlich locker eine Stunde mit durchschnittlich 200 Watt, um mich auf einen Ironman im Herbst 2000 vorzubereiten. Danach bin ich nie wieder sportlich geradelt, verkauf­te erst das Aerobike, dann das Rennrad und baute zum Schluss das Hardtail zu einem Citybike um. Sommer 2012: Jetzt trete ich die Leistung von 200 Watt gerade mal drei Minuten, bin bereits völlig durchgeschwitzt und rechne mir aus, wie viele Stufen die­ses Leistungstests ich noch durchhalten werde. Alle drei Minuten nimmt der Widerstand um 20 Watt zu. Mein Minimalziel ist es, die 260 zu erreichen. Mehr wird es auch nicht. Die nächste Stufe muss ich nach 60 Sekunden abbrechen. Der Puls ist über 190 gestiegen, die Oberschenkel brennen, Mund und Nase sind zu klein, um meinen Sauerstoffbedarf zu decken.

„Man sieht deutlich, dass du ein Läufer bist“, sagt Andreas Bruch, Leiter des Gautinger Lauf-­ und Radlabors. Der Laufbandtest vor rund zwei Stunden fiel deutlich besser aus. Da wurde das Tempo ebenfalls alle drei Minuten um zwei Kilometer pro Stunde an­gehoben. Die 16­km/h­Stufe schaffte ich gerade noch. Die Aus­wertung zeigt eine löblich flache Laktatkurve, die erst ab 14 km/h, meiner anaeroben Schwelle, deutlich ansteigt. „Eine gute Grund­lagenausdauer“, meint Sportwissenschaftler Bruch. Das Prognose­tool des Tests traut mir bei meiner derzeitigen Leistungsfähigkeit eine 10-­Kilometer-­Zeit von 40:22 Minuten und eine Halbmara­thonzeit von 1:30 Stunden zu. Nur 30 Prozent aller Laufsportler meiner Altersgruppe sind schneller. Unter den Rennradlern reihe ich mich deutlich weiter hinten ein. Fast jeder zweite kann an sei­ner anaeroben Schwelle ein höheres Tempo als ich fahren.

Dass ich nicht noch schlechter abgeschnitten habe, verdanke ich meinem regelmäßigen Krafttraining und dem Gedächtnis meiner Beinmuskelzellen, die sich durch den Test anscheinend vage an ihre Langdistanz-Vergangenheit erinnert fühlten. Heute würde ich gerne mal wieder eine Olympische Distanz in Angriff nehmen. Ein Ironman mit den dazugehörigen Trainingsumfän­gen kommt für mich nicht mehr infrage – sonnige Wochenenden verbringe ich inzwischen lieber mit meiner Familie als in gebeug­ter Aero-­Position auf dem harten Ledersattel.

Frank Hofmann

Bild: Sebastian Arlt

Relativitätstheorie: Je höher der Widerstand, desto länger werden die drei Minuten. Läufer Frank Hofmann wartet darauf, dass ihm endlich die Beine versagen.

Zwei intensive Rad-Einheiten reichen fürs Comeback

Bruch sagt mir, was ich für mein Comeback tun müsste: „Ein, zwei intensive Einheiten auf dem Rad pro Woche würden reichen, zum Beispiel 5 x 4 oder 3 x 8 Minuten Schwellentraining.“ Ich stau­ne über den geringen Umfang. Früher hielt man viel vom „runden Tritt“, einer möglichst gleichmäßigen Kraftübertragung auf die Tretkurbel, an die man die Beine nur durch sehr viel Übung gewöhnen kann. Inzwischen ist man, so erfahre ich, von dieser Empfehlung für Triathleten abgerückt. Die stärkere Beanspruchung der hinteren Oberschenkelmuskulatur beim Runden treten kann nämlich die Laufperformance beeinträchtigen.

Triathlon, ich komme! Zwei kurze Einheiten auf dem Rad passen immer in den Terminkalender. Natürlich, so Bruch, wäre es auch sinnvoll, die Grundlagenausdauer auf dem Rad statt im Laufschritt zu schulen. Eine zyklische Bewegung belastet den Körper nun mal weniger als heftige Stoßimpulse. Doch das würde auch wieder einsame Wochenenden bedeuten... Dann doch lie­ber hin und wieder mal zum Orthopäden gehen.

Ergebnisse Leistungsdiagnostik Rad Laufen
Leistung an der anaeroben Schelle 182 Watt 13,96 km/h
bei Herzfrequenz 156/Min. 178/Min.
max. Sauerstoffaufnahme 3,76 l/Min. 3,48 l/Min.
Prognose Bergzeitfahren*/Marathon 45:56 Min. 3:12 Std.


*Referenzstrecke: Bergzeitfahren auf den Schauinsland, Freiburg (770 Höhenmeter auf 11,5 km)

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