Leistungsdiagnostik

Ist Radsportler Jens Vögele fit für den Triathlon?

Nachdem Läufer Frank Hofmann bei der Leistungsdiagnostik vorgelegt hat, ist nun Jens Vögele an der Reihe. Wie fit ist der Radsportler?

RoadBIKE-Chefredakteur Jens Vögele

RoadBIKE-Chefredakteur Jens Vögele nach der Leistungsdiagnostik.

Bild: Sebastian Arlt

DER RADFAHRER: Jens Vögele, 43

Trainingsumfang: 6 bis 10 Stunden/Woche
Ziel: Langdistanz-Triathlon finishen

Laufen ist nicht wirklich mein Ding. Eine Stunde kommt mir schon vor wie eine halbe Ewigkeit. Und lange Läufe? Grauenvoll! Trotzdem melde ich mich jedes Jahr zu einem Mara­thon an. Marathonlaufen ist gnadenloser als Rad fahren, weil es keine Chance zum Ausruhen gibt, keine Abfahrten, keinen Leer­lauf. Und diese Grenzerfahrung mag ich dann doch irgendwie. Allerdings bin ich, weil ich lieber Rad fahre, immer sehr schlecht vorbereitet für meine Marathons. Zu einer besseren Zeit als 3:44 Stunden hat’s noch nie gereicht. Das ärgert mich einerseits. Andererseits spornt es mich auch an. Vielleicht doch mal schnell lau­fen. Und vor allem mal einen Triathlon finishen. Langstrecke.

„Schwerere Typen fahren normalerweise lieber Rad“, sagt So­phie Fleischer vom Radlabor. Meine sportlichen Vorlieben sind also physisch vorgegeben. Selbst wenn ich austrainiert bin, kom­me ich nicht unter 80 Kilo. „Wenn du besser Marathon laufen oder Triathlet werden willst, musst du an deinen Schwächen ar­beiten“, erklärt die Sportwissenschaftlerin. Und wo diese Schwä­chen liegen, deckt der Leistungstest gnadenlos auf. Dass ich auf dem Laufband die 14­km/h­-Stufe zu Ende laufen kann, fand ich so schlecht nicht. Die Laktatleistungskurve offenbart allerdings, dass ich schon sehr schnell aus dem Grundlagenbereich rauskomme. Schon bei 9,5 km/h gerate ich in die extensive Zone.

„Es gab Jahre, da konnte ich in die 340-­Watt­-Stufe reinfahren"

Ganz anders beim Radfahren. Es gab zwar schon Jahre, da konnte ich in die 340-­Watt­-Stufe reinfahren, diesmal ist am Ende der 280­-Watt-Stufe dagegen Schluss. Trotzdem sieht man, dass ich im Frühjahr an meiner Grundlage gearbeitet habe. 200 Watt an der anaeroben Schwelle sind zwar nicht spektakulär, aber für ei­nen Hobbyfahrer solide und vor allem (Zum glück!) mehr als das, was mein Kollege Frank, der Laufliebhaber, tritt. Der Knackpunkt aber: Frank ist deutlich leichter. Und deshalb kann Frank an der anaeroben Schwelle mehr Watt pro Kilogramm Körpergewicht treten als ich. Im Klartext heißt das: Im Flachen könnte ich Frank davonfahren. Bei einem Bergzeitfahren auf den Schauinsland bei Freiburg wäre der leichte Läufer aber sechs Minuten schneller als ich. Und ich könnte allein durchs Abspecken auf 81 Kilogramm die knapp 800 Höhenmeter drei Minuten schneller bezwingen.

Quantentheorie: Die Füße eines Radfahrers haben auf einem Laufband nichts zu suchen. Sonst kommt ans Licht, dass er ein schlechter Läufer ist.

Bild: Sebastian Arlt

Will ich mir den Traum vom ersten Ironman erfüllen, habe ich noch viel zu tun. Beim Radfahren stimmt die Basis, die Freund­schaft zwischen mir und dem Laufen muss aber gepflegt werden. „Ein langer Lauf und ein kurzer, schneller pro Woche sind Pflicht“, mahnt Sophie. Der Berlin­-Marathon Ende September wird ein erster Gradmesser sein, ob das Training anschlägt. Meine Mara­thon­-Prognose liegt nach dem Leistungstest bei 4:37 Stunden. „Da wird in Berlin eine 3 davorstehen“, verspreche ich Sophie.

Mit einem gelungenen Berlin-­Marathon als Motivationsspritze in den Herbst und Winter zu gehen wäre perfekt für meine Iron­man­Ambitionen. Dann könnte ich, wenn’s kalt ist und die Räder ohnehin im Keller stehen, öfter in die Laufschuhe steigen. Und plötzlich hätte ich nur noch ein Problem: Disziplin Nummer eins. „Wenn du vernünftig Schwimmen lernen willst, geh am besten in einen Triathlon-­Verein“, sagt Sophie. Der Winter eignet sich per­fekt dafür. „Innerhalb von vier bis sechs Wochen wirst du wahn­sinnig große Fortschritte machen.“ Ich werd’s probieren. Aber bis dahin bin ich erst mal froh, dass mein Leistungspotenzial im Schwimmen bislang noch ein Geheimnis ist. Meins.

Ergebnisse Leistungsdiagnostik Rad Laufen
Leistung an der anaeroben Schelle 200 Watt 10,21 km/h
bei Herzfrequenz 157/Min. 159/Min.
max. Sauerstoffaufnahme 3,84 l/Min. 3,95 l/Min.
Prognose Bergzeitfahren*/Marathon 52:04 Min. 4:37 Std.


*Referenzstrecke: Bergzeitfahren auf den Schauinsland, Freiburg (770 Höhenmeter auf 11,5 km)

Weiterlesen

Seite 2 von 3
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Was bringt eine Leistungsdiagnostik?