Red Bull Tri Islands 2015

Erfahrungsbericht von Stephanie Fahnemann

Unsere Kollegin Stephanie Fahnemann war bei der Premiere vom Red Bull Tri Islands dabei. Ihre Eindrücke lesen Sie im folgenden Artikel.

Red Bull Tri Islands 2015 - Die Bilder
17082015 Stephanie Fahnemann RB Tri Islands

Stephi Fahnemann ist die Chefin des Women's Runs. Für runnersworld.de berichtet sie vom Red Bull Tri Islands-Triathlon.

Bild: Norbert Wilhelmi

Tri Islands Triathlon: 3 Inseln, 388 Triathleten und eine Olympische Distanz!

Was nach einem beschaulichen und kleinen Triathlon in Nordfriesland klingt, entpuppte sich schnell als eines der extremsten Triathlon-Abenteuer. Allein der Tagesablauf vom Ablegen der Fähre in Dagebüll rüber nach Amrum, wo das Schwimmen gestartet wurde, bis hin zum Bus- und Zug-Shuttle von Hörnum zurück nach Dagebüll fühlte sich an wie eine Langdistanz. Dazwischen wurde dann mal eben eine „längere“ Olympische Distanz auf und zwischen Amrum, Föhr und Sylt absolviert. Ein Kinderspiel?!

Als halbwegs erfahrene Triathletin mit guter Schwimmerfahrung, Langdistanzen in Armen und Beinen und einigen Jahren in der Regionalliga kam ich auf die Schnaps-Idee, dies Abenteuer auch ohne wirkliches Training und einer Wettkampfabstinenz von Sommern überstehen zu wollen. Drei Inseln an einem Tag klang spannend genug, um mich von meiner mangelnden Performance und meinen fehlenden Trainingskilometern nicht abhalten zu lassen: Wenn Red Bull zu einem solchen Event aufruft, wollte ich bei der Premiere nicht fehlen! Zu dem Zeitpunkt glaubte ich noch, dass das Schwimmen zwar kein Kinderspiel werden würden, aber doch easy zu schaffen sein sollte. Schwimmen im Meer war für mich nicht neu, Wellen und Strömungen hatte ich bereits beim Ironman 70,3 in Südafrika bestens überstanden. Für mich war klar, das Rennen würde erst danach anstrengend werden!

Beim 2km langen Spaziergang durch das wunderschöne Vogelschutzgebiet bis zum Schwimmstart an der nördlichsten Spitze von Amrum fand ich die raue See und den lebendigen Nordwest-Wind (wie ihn der Wetterbericht nannte) noch spannend. Aber die Aufregung stieg und meine Sorge, was genau ich hier verloren hatte, wuchs! Zum Glück hatte ich mir für den Tag nur zwei Ziele vorgenommen: Spaß haben und auf Sylt ankommen! Sylt? In welche Richtung war das noch genau? Und Wikipedia beschreibt Spaß haben mit einer Tätigkeit, die einem große Freude bereitet. Ich passte meine Ziele an: Auf Föhr ankommen!

Wilde Überfahrt von Föhr nach Sylt.

Bild: Veranstalter

Strömung und schlechte Sicht verlängerten das Schwimmen beim Red Bull Tri Islands

Die ersten Meter – ein gefühlter Kilometer – ging, sprang, robbte und schwamm man im knietiefen Wasser, wenn die Unterschenkel lang genug waren. Schnell war klar, die Wellen und die Strömung würden nicht das einzige Hindernis sein. Das trübe Grau vom Meer, Himmel und Skyline von Föhr gingen so nahtlos ineinander über, dass die Orientierung der maßgebliche Faktor auf dieser Schwimmstrecke werden sollte. Der Korridor, der Boote durch abgegrenzt war erschien riesig und die DLRG Surfer am Horizont winzig klein. Immer wieder musste ich zum Orientieren stoppen, da mir Schwimmer entgegen kamen, meinen Weg kreuzten oder ich kein Land am Horizont erkennen konnte. Teilweise war mir gänzlich unklar, welches meine anzusteuernde Insel sein sollte. Aber ich war da, um Spaß zu haben, also würde ich zumindest so lange weiter machen, bis ich Spaß hatte. Nach GPS-genauen 3,6 km, einer kleinen Ewigkeit und einem Strömungskanal, den die Insulaner auch als Priel bezeichnen, hatte ich wieder festen Boden unter den Füßen: Föhr!

Der Weg zum Rad war weit, aber besser als jeder Zielkanal beim Ironman! Klar, ein solches Highlight lassen sich die Föhr-Einwohner und Touristen sicher nicht entgehen, alle hatten sich am Strand von Uetersum versammelt und wirklich Jeden, der den etwas ungewöhnlichen Weg auf ihre Insel geschafft hatte, bejubelt und bestaunt. Und ja, ich hatte Spaß als ich diesen ewig langen Weg bis in die Wechselzone gelaufen bin und diese Begeisterung gesehen habe. Danke Föhr, ihr habt Spaß gemacht!

Wind wehte viel beim Red Bull Tri Islands - nur nicht von vorne

Viel Wind, wenig Bäume und viel plattes Land: So klingt das Radfahren fast langweilig! Aber die Strecke hatte auf den zwei Runden so viel Meer zu bieten. Mir war gar nicht mehr in Erinnerung wie großartig und schnell ein Energy Gel und etwas Red Bull wirkt: Müde Beine ade – zumindest für die erste Runde – Deich-Schafe hallo! Es war ein Spaß über die platten Wege zu drücken, den Wind von rechts, von links, selten von hinten, meistens von vorne! Während ich gerade in die erste Runde ging, flog Jonas Schomburg an mir vorbei auf die zweite Runde und stellte damit schon früh die Weichen für seinen späteren Sieg beim Red Bull Tri Islands Triathlon.

Mein ursprüngliches zweites Ziel – die Cut Off-Zeit für die Boote nach Sylt zu schaffen – rückte immer näher! Die unendlich lange Schwimmzeit konnte ich mit einer akzeptablen Rad-Zeit ausgleichen und so rannte ich nach 2:30 Stunden – 20 min vor dem Cut-Off – auf dem Boots-Steg meinem Ticket nach Sylt entgegen. Wie Finisher-Medaillen feierten wir „Ticket-Besitzer“ unsere kleinen weißen Zettelchen, mussten uns allerdings gedulden. Die Boote, die uns rüber setzen sollten, waren noch auf dem Rückweg vom ersten Transfer.

17082015 Red Bull Tri Islands

Bild: Veranstalter

Die schnellsten Männer des Tages

Nach einer guten halben Stunde Wartezeit auf die letzten vier Shuttleboote, die noch alle Teilnehmer, die es vor der Cut-off-Zeit bis zum Steg geschafft hatten, mitnehmen sollten, ging der Spaß erst richtig los. Mit Vollspeed versuchte unser Steuermann die Zeit gut zu machen, die wir vorher warten mussten. Auf die Frage, ob alle Boote so schnell waren, gab es nur ein smartes Lächeln und der Gashebel ging noch ein Stück weiter nach vorn. Die knappen 20 Minuten nach Sylt ersetzten für mich den Besuch auf dem Hamburger Dom inklusive aller Fahrgeschäfte für die kommenden Jahre! Es ist wahrlich eine große Gaudi, wenn einem mit Krämpfen in den Beinen das Herz bis in die Hose rutscht und man gleichzeitig vor Freude und vor Angst laut aufschreien möchte. Was sollte uns das Laufen nun noch anhaben?

Sylt erreicht, Spaß gehabt! Eigentlich hätte ich hier stoppen können! Aber ein klein wenig Wettkampfblut fließt dann doch noch in meinem Körper und was ich einmal angefangen habe, das will ich dann auch ins Ziel bringen. Bis dahin waren es nur noch klitzekleine 11 Kilometer, 2-3 riesig-große Dünen, eine Bergwertung und ganz viel Sand, Wind und Meer! Allein der Gedanke, mal eben zum Laufen nach Sylt machte schon Freude, aber spätestens auf den (fast) abschließenden 3 Kilometern am Strand – die Dünen links, die kräftige Brandung rechts – war es purer Spaß! Selten habe ich mich so über einen Zielbogen gefreut, mitten am Strand, laute Musik, tosende Wellen und erneut ein jubelndes Publikum!

Es war eine großartige Erfahrung, eine olympische Distanz, die eigentlich keine war und ein besonderes Triathlon-Abenteuer, dass am Ende 238 Starter von 388 gemeldeten gefinisht haben. Jonas Schomburg (3:00:26 Stunden) aus Hannover und Hanna Winckler (3:21:08 Stunden) aus Flensburg waren die Schnellsten an diesem Tag, hatten in kürzerer Zeit aber sicher genauso viel Spaß! Mit den schnellsten Schwimmzeiten kamen Jan Sibbersen nach gut 37 Minuten und Nicole Thele aus Norderstedt nach 43 Minuten aus dem Wasser.

Im Ziel des Red Bull Tri Islands wurde jeder satt

Für alle war der Spaß noch lange nicht zu Ende: Am Strand von Hörnum gab es für die Ersten und die Letzten ein Finisher-Buffet vom Feinsten: Garnelen-Spieße, Grillfleisch, Salate, Bier und Cocktails trösteten schnell über die müden Muskeln hinweg!

Den Spaß hätte ich gern noch einmal, dann mit ein bisschen Training – macht vielleicht noch mehr Spaß – und gern auch mit weniger Seegang sowohl beim Schwimmen als auch beim Boot fahren!

Weiterlesen

Seite 2 von 2
Zurück zur ersten Seite:
Inselhopping für Triathleten