Jan Frodeno

Das WM-Finale war ein Disaster

Im September verpasste Jan Frodeno die Chance auf den Weltmeistertitel – ein schwarzer Tag für den Favoriten.

Du hattest in diesem Jahr den Weltmeistertitel zum Greifen nahe: Bis zum vorletzten WM-Lauf warst Du in der WM-Wertung an erster Stelle. Warum lief es ausgerechnet beim Laufen, Deiner stärksten Disziplin, beim Finale in Budapest so gar nicht?
Das war ein ganz schwarzer Tag. Ich wollte schnell laufen, aber die Beine fühlten sich total holzig an. Ich konnte mein Leistungspotential leider überhaupt nicht abrufen. Und ich kann noch nicht einmal jemandem die Schuld geben. Die Verhältnisse waren schließlich für alle die gleichen. Aber ich mag nun mal mehr warmes Wetter. Und in Budapest war es saukalt, es hat geregnet, das Wasser war 14 Grad kalt. Ich wurde einfach nach dem Rad nicht mehr warm und der Lauf war ein Desaster.

Du hattest dieses Jahr auch eine Phase, in der Du in ein Motivationsloch gefallen bist. Von einem Burn-out war die Rede.
Ja, da wollten einfach zu viele Leute etwas von mir und ich war zu gutmütig und habe mir zu wenig Ruhepausen gegönnt. Aber zum Glück habe ich das rechtzeitig erkannt. Im unmittelbaren Training vor Budapest hatte ich die besten Trainingswerte jemals, ich wollte dort unbedingt auf Sieg gehen, anstatt auf Bewahrung des WM-Punktestandes.

Zurück zur Weltmeisterschaft: Die Wertung wird auf mehrere Wettkämpfe aufgeteilt. Zwischen den Wettkämpfen muss man sich mental vorbereiten, ablenken und vor allem auch weitertrainieren. Kommt der kompletteste, beste Triathlet dabei heraus, oder wäre Dir ein einzelner WM-Wettkampf für die Wertung lieber, wie bei den Olympischen Spielen?
Es ist schwer zu sagen, ob das eine besser ist als das andere. Rein sportlich gesehen bin ich ein Freund von der Tagesentscheidung. Es ist eine Kunst, sich auf einen Tag zu fokussieren und dort alles zu geben. Andererseits ist es auch eine Kunst diesen Dauerbrenner-Fokus zu halten. Für uns als Sportler ist es eine Riesen-Chance nicht alleine nur eine reine Olympia-Sportart zu sein. Es ist nicht so, dass nur die olympischen Rennen zählen, sondern wir sind dauerhaft präsent. Das merke ich alleine am Wiedererkennungswert.

Was hast Du in der WM-Phase zwischen den Wettkämpfen gemacht, um Dich abzulenken, was ist Deine Strategie, um locker zu bleiben, um nicht zwischen den Wettkämpfen nur noch fokussiert zu sein auf den nächsten Wettkampf?
Ja, in der Tat ist das eine große Herausforderung – gerade vor dem letzten Wettkampf in Budapest. Da muss ich ehrlicherweise sagen, dass die Saison sehr lang wird, und man muss sich sehr lange auf diesem Top-Niveau bewegen und hat auch keinerlei Möglichkeit, einen Erfolg zu feiern. Es ist immer schon der Fokus auf dem nächsten Rennen. Nach dem Rennen ist vor dem Rennen, und man muss immer bei der Sache bleiben. Diesen Spagat hinzukriegen, bedeutet schon eine große Herausforderung für mich.

Letztes Jahr hatte ich andere Sorgen, da musste ich meinen Körper erst einmal in Form bekommen und mich als Profisportler koordinieren. Ich war nicht mehr der Hochleistungssportler sondern auf einmal standen viele Termine, Fotoshootings und alles was dazu gehört, an. Profisportler wird man ja durch diese Sachen und die Tatsache, dass man dadurch sein Geld verdient. Vorher war ich Hochleistungssportler mit dem hundertprozentigen Fokus. Nun bin ich Hochleistungssportler unter erschwerten Bedingungen. Es sind aber schöne erschwerte Bedingungen, weil ich das sehr gerne mache. Aber es sind nun mal keine Laborbedingungen unter denen man intensiv trainiert und sich danach schlafen legt. Zum Beispiel beim Kochen kann ich mich gut ablenken. Es macht mir Spaß, über den Markt zu gehen und einzukaufen. Es sind die Kleinigkeiten, mit denen ich meinen Ausgleich finde. Ich gleiche es gern mit Essen aus. Im Großen und Ganzen dreht sich bei mir eigentlich alles ums Essen!

Hast du das selbst rausgefunden, oder hast du ein Vorbild, was das angeht?
Nein, das kommt komplett aus mir selbst. Ich kenne auch nur wenige, die das ähnlich praktizieren und genießen. Außer mein Trainer, der Roland. Wir sind da sehr affin und können uns gut austauschen. Abgesehen davon sind meine besten Freunde auch sehr essensorientiert.

Zwischen den WM-Läufen: Wie sehen typische Lauf-Einheiten bei Dir aus?
Typisch sind die spezifischen Einheiten. Je näher es zur Saison geht, desto mehr kommen diese so genannten Koppeltrainings. Das heißt, ich laufe eigentlich alle meine schnellen Einheiten nach dem Radfahren, mache das Radfahren im Prinzip als Warm-up. Ich fahre beispielsweise zwei Stunden Rad, und gehe direkt im Anschluss in die Intensität beim Laufen. Laufe mich dann vielleicht so ein bis zwei Kilometer ein. Wobei das auch oft von einem Lauf am Morgen vorbereitet wird. Ich gehe etwa 40 Minuten auf die Bahn, mache Lauf-ABC, Sprints, Steigerungsläufe und solche Sachen. Und mittags fange ich dann sozusagen von vorne an. So ein Tag mit zwei Läufen am Morgen ist ganz typisch für mich– morgens und mittags nach dem Radfahren. Am nächsten Tag kommt dann normalerweise ein langer Lauf.

Über welche Dauer geht dann der lange Lauf in dieser Trainingsphase?
In der Wettkampfphase ist der eigentlich nicht länger als 20 Kilometer. Das ist das höchste der Gefühle, sonst wird man zu müde.

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"Man muss das Laufen schon beherrschen"