Die neuen Laufregeln

Zum Höhepunkt steigern

Erst Grundlagentraining, dann Tempoarbeit - oder einfach alles gleichzeitig?

Periodisierung

Mit welcher Trainingsmethode erreicht man schneller den Gipfel?

Die altbekannte Regel:

Die Vorbereitung wird in klar getrennte Phasen unterteilt: Erst legt man mit ruhigen Dauerläufen die Grund­lagen, dann kommt die Tempoarbeit.

Die neue These:

Man kann jahraus, jahrein alles gleichzeitig trainieren.

Periodisierung heißt das Schlagwort schon seit den Sechzigerjahren, wenn es darum geht, sich auf einen Saisonhöhepunkt vorzubereiten. Der neuseeländische „Wundertrainer“ Arthur Lydiard hatte dieses Konzept in jenen Jahren in seinen Trainingsplänen perfektioniert: Sie begannen mit einer Phase des Ausdauer­trainings mit langsamen, langen Läufen. Darauf folgten erst eine Phase des Kraft­trainings mit Bergaufläufen, dann eine Periode mit harten Tempoläufen, kurz vor dem Wettkampf eine Tapering-Phase und anschließend eine Regenerationsphase.

Wohl kein anderes Trainingssystem ist derart allgemein akzeptiert wie dieses.
Doch schon damals gab es Athleten, die sich nicht daran hielten. Der Australier Derek Clayton beispielsweise, der 1967 als erster Mensch den Marathon unter 2:10 Stunden lief, bevorzugte einen Zwei-Wochen-Rhythmus, in dem alle Elemente eines sinnvollen Lauftrainings gleichzeitig berücksichtigt waren und den er über das ganze Jahr kontinuierlich wieder­holte. Und kürzlich meldete sich Claytons Landsmann Rob de Castella zu Wort, der im Jahr 1981 dessen Weltrekord verbessert hatte, und empfahl in einem Fachmagazin Freizeitläufern: „Stellen Sie Ihr Training zu Beginn des Jahres jeweils aus einem kleinen Pensum an lockeren Läufen, Tempoläufen sowie langen, langsamen Läufen zusammen und steigern Sie einfach zum Saisonhöhepunkt hin die Umfänge.“

Was stimmt denn nun wirklich?

Es kommt immer auf das richtige Maß an. Selbst ein bisschen ist manchmal zu viel, denn der Körper braucht Phasen, in denen er völlig zur Ruhe kommt. Eine strikte Periodisierung nach Lydiard schützt also vor Überlastungen. Wer aber ein Vielstarter ist und deshalb nie außer Form kommen will, hält es besser mit de Castella und vernachlässigt weder die Quantität noch die Qualität des Trainings.

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