Aktiv auf dem Arbeitsweg

Wie fühlt es sich an, zur Arbeit zu laufen?

In unserer Serie "Ausprobiert" tauschte Redakteur Daniel Eilers Bus und Bahn gegen Laufschuhe und Tight, um zur Arbeit zu laufen. Resultat: ein lockerer Halbmarathon am Morgen.

17022015 Ausprobiert zur Arbeit laufen 0315

Laufen macht mobil: Unser Redakteur kam pünktlich zur Arbeit.

Bild: Marie Simons

Die Bedingungen:
1. Der Arbeitsweg, egal wie lang er ist, wird laufend zurückgelegt.
2. JeglicheTransportmittel wie Auto, Fahrrad, Bus oder Bahn sind tabu.
3. Zwischenstopps sind erlaubt, bei längeren Strecken empfiehlt sich zudem die Mitnahme von Verpflegung.
4. Wer will, kann auch wieder nach Hause laufen.


Die Espressomaschine dröhnt heute anderthalb Stunden früher als üblich. Und auch sonst wird das kein gewöhnlicher Morgen: Statt in Bus und Bahn zur Arbeit chauffiert zu werden, muss ich heute selbst aktiv werden und meinen 21 Kilometer langen Arbeitsweg in Laufschuhen bewältigen – so wie ­viele Kenianer, die täglich zur Arbeit oder Schule laufen müssen. Und was die machen, macht schließlich schnell.

Als ich die Wohnung verlasse, ist es noch stockduster. Wie ein Maulwurf taste ich mich in der laternenarmen Gegend vorsichtig und mit kleinen Schritten vorwärts. Das grelle Xenonlicht der viel zu schnell fahrenden Autos lässt mich kurzzeitig erblinden, dadurch habe ich Mühe, das Gleichgewicht zu halten. Die Beine sind schwer, die Atmung flach und der Bewegungsapparat noch eingerostet – eigentlich ein Grund kehrtzumachen, um heiß zu duschen und bei einem Croissant und einem zweiten Kaffee in der Zeitung zu schmökern. Doch dann strömt immer spürbarer Morgenluft in meine Lungen und versorgt die Organe mit frischem Sauerstoff. Der innere Schweinehund verstummt und stattdessen lausche ich den sanften Gitarrenklägen von Eddie Vedder.

An einer stauanfälligen Hauptstraße muss ich das erste Mal an einer Ampel anhalten, doch nur kurz, denn eine Wendeltreppe auf eine Brücke lässt mich den Autokorso umlaufen. Bald darauf geht’s 25 Meter unter die Erde in den Alten Elbtunnel. Was würde ich darum geben, wenn man die 400 Meter lange Tunnelröhre mit Tartan auslegen würde! Beim Verlassen des Tunnels blinzelt mir ­anstelle des Xenonlichts die Sonne entgegen. Mittlerweile bin ich hellwach, aber hungrig. Ich steuere die nächstgelegene Bäckerei an und bin überrascht, dass ein Franzbrötchen schneller verzehrt ist als so mancher Energieriegel ausgepackt.

Leicht unterkühlt, doch putzmunter erreiche ich die Redaktion und werde von meiner Kollegin Hayal mit frischem Kaffee empfangen. Unter der Dusche komme ich ins Grübeln: In der Großstadt nehmen immer mehr Menschen das Rad zur Arbeit, aber kaum jemand läuft – warum eigentlich? Ich habe nur 30 Minuten länger als mit Bus und Bahn gebraucht, dadurch aber den Abend frei bekommen, an dem ich sonst gelaufen wäre. Und auch das typische Energietief am Nachmittag blieb aus. Wer mir nicht glaubt, dass es Spaß macht, ist herzlich eingeladen, eine Mail an deilers@runnersworld.de zu schreiben und mich morgens im Laufschritt von Harburg nach Altona zu begleiten. Ich mache das jetzt nämlich öfter.

Ausprobiert - Wie fühlt es sich a:

Wie fühlt es sich an, in Schneesc...