Ausprobiert

Wie fühlt es sich an, unter Stress zu laufen?

Laufen trotz übervollem Terminplan - RUNNER'S WORLD-Redakteur Daniel Eilers hat es versucht und ist gescheitert.

Ausprobiert Unter Stress Laufen

Wenn die Zeit fehlt, kann die Laufeinheit zum Problem werden.

Bild: Marcus Vogel

Die Bedingungen:
1. 28. Februar, 3 Uhr: Der Wecker klingelt. Um 6:30 Uhr Abflug von Hamburg nach Stuttgart.
2. 10:00 bis 16:30 Uhr: IT-Workshop in Stuttgart.
3. 20:00 Uhr: Rückflug nach Hamburg, Ankunft zu Hause um 22:30 Uhr. Anschließend Koffer ­packen fürs Laufcamp.
4. 29. Februar, 2:30 Uhr: Nach nur zwei Stunden Schlaf klingelt schon ­wieder der Wecker. Abflug um 6 Uhr nach Faro.


Wie ich das hasse, wenn jemand sagt, er ­hätte keine Zeit zum Laufen! Meine Replik ist immer dieselbe: „Zeit hat man nie, Zeit muss man sich nehmen.“ Toller Satz, oder? Trotzdem ­arrogant. Denn natürlich schreiben wir bei RUNNER’S WORLD nicht nur übers Laufen, wir leben es auch. Dadurch räumen wir unserem Sport so viel Platz im Arbeitsalltag ein, wie andere Berufstätige es nur schwer können. Dabei ist es ja nicht so, dass bei uns nicht auch mal ein Lauf ausfällt, weil schlicht die Zeit fehlte. Doch dann schreiben wir einen Ruhetag ins Trainingstagebuch und laufen am Tag darauf 15 Minuten länger. Aber was wäre, wenn es nur diesen einen Tag in der Woche zum Laufen gäbe und der zudem proppenvoll wäre? So wie es für viele unserer Leser täglich blanke Realität ist.

Die Zeitfenster, die sich an diesem Tag für ein Läufchen eignen würden, sind winzig. In der Mittagspause des Workshops bliebe etwas Zeit (es müsste doch Mitstreiter geben?) sowie direkt danach, sofern pünktlich Feierabend ist. Daher stopfe ich außer dem Laptop zusätzlich Laufschuhe, Kleidung und ein Handtuch in den Rucksack. Als wir um 12:15 Uhr die Mittagspause einläuten, entbrennt nicht etwa eine hit­zige Diskussion übers Dauerlauftempo, sondern über die ­Menüwahl in der Kantine. Pasta statt progressiv und Schnitzel statt Steigerungen – aus meinem Mittagsläufchen wird leider nichts, man will schließlich nicht aus der Reihe fallen. Stattdessen sind meine Kohlenhydratspeicher 60 Minuten später bis zur Obergrenze gefüllt, optimal für etwas Schnelles vor dem Flug. Aus einem Dämpfer wird ein perfekter Plan.

Laufen unter Stress erfordert gutes Zeitmanagement

Zum Glück machen wir zeitig Schluss. Mein Plan: ab zum Flughafen, Hand­ge­päck verstauen und ein High Intensity Intervall-Training (HIIT) absolvieren – eine hochintensive Trai­­nings­einheit, bei der sich 30 Sekunden Höchstbelastung mit 30 Sekunden Pause abwechseln. Soll die Fettverbrennung ankurbeln und schnell machen.

Apropos schnell: ein Blick in die E-Mails muss sein. Zwei Espressi und Dutzende Mails später sprinte ich zum Flug: etwas mehr als 30 Sekunden. Gilt das schon als Trainingseinheit? Nein! Also plane ich, abends noch zu laufen. Motiviert komme ich um halb elf zu Hause an, wo meine Freundin mich erwar­tet. „Schnell Sachen packen, dann laufen“, denke ich, sage aber etwas anderes: „Ich packe schnell, dann habe ich Zeit für dich!“ Ein Freud­’scher Versprecher mit Folgen: Am nächsten Morgen muss ich 15 Minuten länger laufen. Und meine Replik überdenken.

Ausprobiert - Wie fühlt es sich a:

Wie fühlt es sich an, blind zu la...