Ausprobiert

Wie fühlt es sich an, rückwärts zu laufen?

In diesem Teil unserer Serie "Ausprobiert" musste unser Redakteur einen Kilometer am Stück rückwärts laufen - und klagte hinterher über Muskelkater.

Wie fühlt es sich an, rückwärts zu laufen?

Volle Kraft zurück: Die ersten Schritte rückwärts sind noch leicht, aber dann wird es zäh

Bild: Marie Simons

Die Rückwärtstipps:

1. Die ersten langsamen Rückwärtsschritte am besten auf ganz ebenem Untergrund machen, zum Beispiel in einer Sack­gasse auf Asphalt
2. Behutsam anfangen: kurze Strecken mit kurzen Schritten und in lang­samem Tempo laufen
3. Am besten zu zweit trainieren und abwechselnd rückwärts laufen
4. Flache, leichte Schuhe wählen, die eine sehr ­flexible Sohle haben

Etwas nach links“, korrigiert mich mein Kollege Claus. Ich laufe nach links. „Nein, nicht rechts! ­Liinks! Liiiinks!“, korrigiert mich Claus erneut. „Ach so“, sage ich, „du meinst rechts!“, und steuere etwas nach rechts. Und doch meinen wir beide die gleiche Richtung. Denn ich laufe rückwärts. Und er läuft vorwärts. Auch wenn es anfängliche Abstimmungsschwierigkeiten gibt, bin ich doch froh, Claus dabeizuhaben. Denn ich will ver­suchen, ­einen ganzen Kilometer rückwärts zu laufen.


Rückwärtslaufen doch lieber mit einem Partner

Gelegentliches Rückwärtslaufen soll ja sehr gut sein – für die ­Muskeln, die Bänder, aber auch für die Koordination. Denn beim Rückwärtslaufen muss auch der Kopf umdenken. Rechts ist dann halt links. Da kommen die beiden Gehirnhälften ganz schön ins Rotieren. Die Bewegungsabläufe sind ungewohnt. Auf den ersten Metern läuft man eher unbeholfen, unrhythmisch und etwas staksig. Neulich haben wir das in der Trainingsgruppe ausprobiert. Bei einigen lief es gar nicht rund, andere waren ­geschickter und kamen flott voran (also retour), aber dennoch viel langsamer als gewohnt. Wenn man rückwärts genauso schnell laufen will wie vorwärts, ist das viel anstrengender. Das habe ich auf ­einer 400-Meter-Bahn erlebt, als ich eine Runde in zwei ­Minuten gelaufen bin. Auf den letzten Metern hätte ich mich fast noch auf den ­Hosenboden gesetzt. Deshalb kam ich jetzt auf die Idee mit dem Begleitläufer: Am besten funktioniert es, wenn Claus etwa zwei Meter hinter mir läuft – beziehungsweise vor mir: So brauche ich mich nicht umzudrehen, wenn ich rückwärts laufe, sondern nur auf den Begleiter zu achten, der mir die Richtung weist. Am besten allerdings per Handzeichen, denn das ist ein­facher, als rechts und links um­zudenken. Auf einer ausgemes­senen Runde im Park finden wir ein ideales Rückwärts-Lauf-Terrain.

Ich laufe los, Claus passt auf. Die ersten 200 Meter bin ich viel zu schnell. Ich werde langsamer. Die nächsten 300 Meter gehen noch, dann werden die Muskeln sauer. Ich spüre, wie meine Schritte unrund werden. Claus muss öfter die Richtung kor­rigieren. Nach 800 Metern wird es hart. Ich schnaufe. Ein Schlussspurt ist nicht mehr drin. Ich muss mich konzentrieren, nicht hinzufallen. Nach 5:10 Minuten piepst die Uhr, der Kilometer ist geschafft, ich auch. Mit steifen Beinen laufe ich zurück. Am nächsten Tag spüre ich Muskelkater, vor allem im Oberschenkel. Aber ich habe auch eine neue Herausforderung: Die fünf Minuten müssen doch zu knacken sein!

Ausprobiert - Wie fühlt es sich a:

Wie fühlt es sich an, unter Stres...