Laufen mit künstlichem Übergewicht

Wie fühlt es sich an mit 20 Kilo mehr?

RUNNER'S WORLD-Redakteur Daniel Eilers testete wie es sich anfühlt, mit einem Mehrgewicht von 20 Kilo zu laufen. Das künstliche Übergewicht brachte ihn ganz schön ins Schwitzen.

Daniel Eilers läuft mit 20 Kilo Zusatzgewichten

Das künstliche Übergewicht brachte unseren Redakteur Daniel Eilers ganz schön ins Schwitzen.

Bild: Mijoe

Die Bedingungen:
1. Aus 64 Kilogramm werden durch Zusatz­gewichte 84 Kilogramm
2. Die RUNNER’S-WORLD-Hausrunde: rund 11 Kilometer, leicht profiliert
3. Werte mit Zusatz­gewichten: 10,87 km, 5:15 Min./km, 158 bpm, HFmax: 184 bpm
4. Werte ohne Zusatz­gewichte, aber mit ­Muskelkater: 10,94 km, 4:55 Min./km, 138 bpm, HFmax: 157 bpm


Das sollen wirklich 20 Kilogramm sein, frage ich mich, während ich auf die vor mir ausgebrei­teten Materialien blicke: eine Gewichtsweste, Gewichtshandschuhe, „Fußfesseln“ und ein Gewichtskorsett für die Beine, das um Oberschenkel und Hüfte geschnürt wird. Damit hätte ich dann das, was man landläufig als Normalgewicht (Body Mass Index von 24,8) bezeichnet.

Unter uns gesagt: 20 Kilogramm mehr habe ich schon einmal mit mir herumgetragen – während meines Zivildiensts, als ich den kulinarischen Köstlichkeiten Frankreichs frönte. Und heute, etwa vier Jahre später, liegen nun diese 20 Kilogramm vor mir, darauf wartend, übergestülpt zu werden, um damit die elf Kilometer lange Redaktionsrunde zu laufen. Gewissermaßen ein Lauf in die Vergangenheit.

Der Lauf startet erst einmal verzögert, denn bis alle Einzelteile der Spezialanfertigung des Experten für Übergewichtssimu­lation Sascha Allan Filz ihren Platz finden, vergeht Zeit. Als größter Kraftakt entpuppt sich das Überstülpen der Weste, die mit ihren knapp zehn Kilogramm etwa die Hälfte des Mehrgewichts ausmacht. Die ersten Laufschritte sind holprig, mir wird sogar etwas schwummrig vor Augen.

Während ich versuche, meine Schnappatmung und den Kreislauf in den Griff zu kriegen, frage ich mich, ob das hier wohl ­einen Trainingseffekt hat. Denn unlängst las ich bei André Pollmächer, mit 2:13:05 Stunden 2013 schnellster deutscher Marathonläufer, dass er mit Gewichtsweste trainieren würde. Davon angespornt, forciere ich nach sieben Kilometern das Tempo merklich, was mich überraschenderweise entlastet. Ich vermute, durch den leicht nach vorn geneigten Oberkörper verteilt sich das Gewicht anders und damit besser.

Ein Pyrrhussieg. Das realisiere ich, als ich das Tempo drossele und alles unterhalb der Hüfte von ­einem Schmerz durchzogen wird. Komplett durchgeschwitzt, aber zurück, entledige ich mich blitzartig der Gewichte.

Dabei wird mir klar: Mein Zivildienstjahr gehört zu den Phasen meines Lebens, an die ich mich am liebsten erinnere. Damals bin ich übrigens auch schon gelaufen, wenn auch nur gelegentlich, aber mit gleichem Enthusiasmus. Umso mehr wundert es mich, wie viel leichter es sich anfühlt, 20 Kilo weniger mit sich herumzutragen. Dieses Gefühl möchte ich nur noch ungern missen – für keine Crème brûlée der Welt. Aber durchaus nachvollziehbar, dass dies nicht jeder so sieht.

Ausprobiert - Wie fühlt es sich a: