Ausprobiert

Wie fühlt es sich an, das Sportabzeichen zu machen?

Im neunten Teil unserer Serie "Ausprobiert" versuchte sich unser Redakteur am Deutschen Sportabzeichen. Doch Sprinten, Springen und Kugelstoßen brachten ihn an seine Grenzen.

Sportabzeichen

Erst kommt der Sprung ins Unge­wisse, dann die Ernüchterung: statt der großen Weite reichlich Sand in den Shorts.

Bild: Marie Simons

Die Bedingungen:
1. Das bereits seit über 100 Jahren existierende Deutsche Sportabzeichen wird für das Erbringen bestimmter sportlicher Leistungen verliehen, die nach Geschlecht und ­Alter gestaffelt sind.
2. Unser Redakteur ­entschied sich in den Gruppen Sprint, Koor­di­nation, Kraft und Aus­dauer für 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen und 3.000-Meter-Lauf.

Von unserem früheren Bundespräsidenten Horst Köhler weiß ich, dass er während seiner Amtszeit jährlich das Deutsche Sportabzeichen abgelegt hat. Ich hingegen noch nie. Springen und Sprinten kenne ich zwar von den Bundesjugendspielen aus meiner Schulzeit, doch eine sieben Kilogramm ­schwere Kugel habe ich noch nie in der Hand gehalten. Und die soll ich 7,50 Meter weit stoßen? Aber was Horst Köhler kann, das dürfte für einen Marathonläufer doch ein Klacks sein, oder?

Wie stellt man diesen Startblock ein? Egal, ich übernehme einfach die Justierung meines Vorläufers. „Auf die Plätze, fertig, los!“ Die Starterklappe knallt laut. Gefühlt dauert es Minuten, bis mein Gehirn das Signal an die Beine weitergegeben hat, endlich loszurennen. Ich ertappe mich dabei, die Pulsuhr starten zu wollen. So vergehen wieder wertvolle Hundertstel. Bevor ich warm bin, ist auch schon Schluss: Nach 14,6 Sekunden stoppt die Uhr.

Wie ein nasser Sack in den Sand geplumpst

Zweite Station: Koordination. Ich wähle den Weitsprung – in Erinne­rung, das ganz gut zu können. Doch wie ein nasser Sack plumpse ich in den Sand und kriege weder Hinterteil noch Beine hoch, stattdessen reichlich Sand in die Shorts. In der Kategorie Kraft ziehe ich das Kugelstoßen dem Standsprung vor. Die Technik simuliere ich erst gar nicht, sondern ­folge dem Tipp der Prüfer, aus den Beinen zu arbeiten. Als nach dem ersten Stoß, der bei 5,76 Metern liegt, klar wird, dass noch gut zwei Meter fehlen, packt mich der Ehrgeiz. Und ja: Ich komme immer ein Stück weiter, bei 6,38 Metern jedoch ist Schluss. Der Gedanke an die Mindestweite von 7,50 Metern wird zur reinen Utopie. Ich kapitu­liere. Selbst der Zuspruch durch die Prüfer, der Standsprung sei vergleichs­weise einfach, tröstet mich nicht.

Im Anschluss ans Kugelstoßen folgt endlich meine Paradedisziplin. Die 3.000 Meter spule ich lockeren Schrittes ab. Während der siebeneinhalb Stadionrunden denke ich viel über den Begriff der Sportlichkeit nach. Knapp zehn Minuten bleiben mir dafür. Im Ziel muss ich vier und sieben Minuten auf meine beiden Leidensgenossen warten. Dabei wird mir bewusst, welchen großartigen Effekt regelmäßiges Laufen auf die Ausdauer hat.

Keiner von uns drei jungen Männern, die wir angetreten sind, schafft an diesem Nachmittag die Prüfung zum Deutschen Sportabzeichen, wir alle scheitern am Kugelstoßen. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei, so viel ist klar! Jetzt muss ich nur noch irgendwie diese Wurfdisziplin ins Lauftraining integrieren ...

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