Training

Wie effektiv sind Walking Stöcke?

Nordic Walking steigert die Fitness nicht effektiver als normales Walking. Die Fakten finden Sie hier.

Walking und Nordic Walking werden immer beliebter. Beide Formen sind ideale Einsteiger-Aktivitäten, die sich vor allem bei älteren Menschen zunehmender Beliebtheit erfreuen, die noch nie oder lange nicht mehr sportlich aktiv waren. Ein von Nordic-Walking-Anhängern (vor allem Instruktoren, Walking-Treff-Leitern und Industrievertretern) oft ins Feld geführtes Argument für diese Bewegungsvariante ist, dass das Gehen mit Stöcken eine intensivere Belastung darstelle und mithin effektiver sei als normales Walking, auch in Bezug auf den Kalorienverbrauch. Finnische Wissenschaftler fanden nun im Rahmen einer unabhängigen Untersuchung heraus, dass der Unterschied zwischen Walking und Nordic Walking keinesfalls so signifikant ist, wie dies bisher angenommen bzw. verbreitet wurde.

Bild: Claus Dahms

Das Ergebnis der Untersuchung zusammengefasst: Weder langsames noch gemäßigtes oder schnelles Nordic Walking unterschied sich merklich vom normalen Walking bei gleichen Geschwindigkeitsvorgaben. Die Herzfrequenz war beim Nordic Walking 2,6 bis 4,9 Prozent höher als beim normalen Walking, der Sauerstoffverbrauch 2,5 bis 10,8 Prozent. Je langsamer die Versuchspersonen gingen, desto größer waren die Unterschiede.

Sie empfanden jedoch beide Formen als gleich anstrengend, auch die Laktatkonzentration im Blut war gleich hoch. Die hintere Armmuskulatur rund um den Ellbogen war beim Nordic Walking einer 1,4 Prozent höheren Belastung ausgesetzt, die Aktivität des breiten Rückenmuskels (latissimus dorsi) und seines Gegenspielers (deltoideus) stieg um 2,4 Prozent und war damit doppelt so hoch wie beim normalen Walking.

Zwar waren Herzfrequenz und Sauerstoffaufnahme beim Nordic Walking zwischen 2,6 und 10,8 Prozent insgesamt höher als beim normalen Walking. Doch sind diese Werte deutlich geringer als in früheren Studien. Die Unterschiede in diesen beiden Bereichen sind jedenfalls nicht so groß, dass man behaupten könnte, Nordic Walking steigere die Fitness effektiver als normales Walking.

Warum also mit Stöcken gehen, wenn dies nicht entscheidende Vorteile mit sich bringt? Nun, zum einen bedeuten Stöcke auch eine Motivationshilfe, gerade bei älteren Menschen, die dabei zudem noch ein sicheres Gefühl beim Gehen bekommen. Zum anderen gehört es heute dazu, sich über ein Sportgerät im Sport zu definieren. Schließlich produziert die Industrie hochqualitative Hightech-Stöcke, die auch optisch etwas hermachen.

Diese Ergebnisse lassen sich ohne weiteres auch auf Läufer übertragen und lassen die gleichen Schlüsse zu: Wer läuft beziehungsweise Sport treibt, um abzunehmen, sollte sich nicht an Tabellen oder allgemeingültigen Empfehlungen orientieren (z.B. Fettverbrennungszone).

Kalorien zählen nur beim Essen

Wer abnehmen will, ist bestens beraten, dies in erster Linie über das Essverhalten zu regeln. Sportliche Aktivität, sei es Laufen, Radfahren, Walking oder Nordic Walking, trägt zwar dazu bei, dass der Stoffwechsel angeregt wird, was sich aber mehr in einer besseren Verdauung niederschlägt als in Pfunden, die gewissermaßen dahinschmelzen. Der Sport wirkt als Verstärker und ist im Zusammenspiel mit geändertem Essverhalten der optimale Weg, abzunehmen und vor allem das einmal erreichte Gewicht zu halten.

Es ist also müßig, sich darüber Gedanken zu machen, ob man mit 75 oder 85 Prozent der maximalen Herzfrequenz läuft, ob man Nordic Walking statt einfachem Walking betreibt, denn die dabei verbrauchte Kalorienmenge ist unbedeutend im Verhältnis dazu, was durch richtiges (bzw. falsches) Essen erreichbar ist.

Ideale Fettverbrennungszonen und sonstige Fachbegriffe der Lifestyle-Kultur sind Schlagworte, dienen nur der Vermarktung. Es kommt lediglich darauf an, den Kreislauf in Maßen zu belasten und die Muskeln zu kräftigen, denn ob Sie 80 oder 120 Kalorien mehr oder weniger verbrennen, ist irrelevant, vergleicht man es mit dem, was durch richtiges Essen erreicht wird.


Energieverbrauch in Kilokalorien in 15 Minuten