Alex Hutchinsons Lauflabor

Was legt fest, wie stark wir schwitzen?

Oft heißt es: Dicke Menschen schwitzen schneller, als dünne. Nun fand jedoch eine Studie heraus, dass viel Körperfett nicht die Schuld an starkem Schwitzen trägt.

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Viel Körperfett ist laut einer neuen Studie nicht an starkem Schwitzen schuld.

Bild: iStockphoto.com / Geber86

Einige Menschen schwitzen mehr als andere. Wenn Sie an einem warmen Tag mit einer Gruppe von Leuten laufen gehen, werden diese Unterschiede schnell sichtbar. Aber was bestimmt diese Unterschiede? Die Antworten beschränkten sich üblicherweise auf Faktoren wie Körperfettanteil (Mehr Fett isoliert Ihren Körper, der dadurch schneller überhitzt) und aerobe Fitness (Je fitter Sie sind, umso weniger schwitzen Sie).

Überraschende Wendung bei der Studienlage

Beim American College of Sports Medicine-Treffen 2015 präsentierten Matthew Cramer (University of Ottawa) und Ollie Jay (University of Sydney) einige Ergebnisse, die diese Ansätze infrage stellten. Diese Daten wurden jetzt im Journal of Applied Physiology veröffentlicht und bringen einige überraschende Wendungen zu Tage.

Probleme bei früheren Studien

Das Problem in früheren Studien ist, dass Körperfett und aerobe Fitness (VO2max = drückt die maximale Sauerstoffmenge aus, die die Muskeln pro Kilogramm Körpermasse verwenden) in der Regel mit anderen Faktoren korrelieren. Menschen mit viel Körperfett neigen dazu, auch mehr zu wiegen - also sind in diesem Zusammenhang eher die isolierenden Eigenschaften von Fett von Bedeutung oder dass man als dickerer Mensch auch einfach mehr Gewicht herumschleppen muss? So sind beispielsweise auch Menschen mit einer relativ hohen VO2max häufig insgesamt kleiner – was bedeuten könnte, dass nicht die Fitness, sondern die Körpergröße den Unterschied macht.

Um die Schlüsselfaktoren heraus zu arbeiten, untersuchten Cramer und Jay 28 Probanden mit stark variierender Fitness und Körpergröße. Diese mussten mehrere 60-minütige Radfahrtests in unterschiedlichen Intensitäten absolvieren, währenddessen wurden ihre Schweißentwicklungsraten und Körpertemperaturschwankungen gemessen.

Fittere Menschen schwitzen mehr, weil sie mehr Arbeit leisten.

Bild: iStockphoto.com / Dirima

Tatsächlich wurden die Unterschiede der Kerntemperatur häufig dadurch erklärt, wie viel Wärme beim Radfahren pro Körpermasseeinheit generiert wurde,- und zwar ohne „isolierenden Effekt“. Die Wärmeproduktion war für 50 Prozent der Kerntemperaturschwankungen verantwortlich und die Einbeziehung des Körperfettanteils (der sich bei den Probanden von 6,8 bis 32,5 Prozent bewegte) konnte nur weitere 2,3 Prozent der Variabilität erklären. Das legt nahe, dass zwei Menschen, die dasselbe wiegen und beim Radfahren dasselbe Tempo vorlegen, auch dieselbe Hitzerate entwickeln müssten, ganz gleich ob der eine klein und dick und der andere groß und hager ist.

Der Zusammenhang von Körperfett und Schwitzen

Das Gleiche galt für die gesamte Schweißrate: der Körperfettanteil war nur für 1,3 Prozent der Schwankungen verantwortlich. Hier ist wichtig zu bemerken, dass dies nicht mit der allgemeinen Beobachtung kollidiert, dass Menschen mit viel Körperfett in der Regel auch mehr schwitzen. Denn dies geschieht nicht aufgrund der thermischen Eigenschaften des Körperfetts selbst; es kostet nur mehr Anstrengung ein größeres Gewicht umherzutragen.

VO2max nicht entscheidend

Ebenso stellte sich heraus, dass die VO2max allein auch keinen großen Unterschied machte, denn sie war nur für 4 Prozent der Unterschiede in der Schweißrate verantwortlich. Das scheint nicht einleuchtend - aber auch hier kommt es wieder darauf an, wie viel Wärme erzeugt wird. Wenn Sie zwei Menschen mit unterschiedlicher VO2max bitten, sagen wir mal, mit 70 Prozent ihrer Maximalleistung zu trainieren, wird die fittere Person viel schneller fahren oder laufen und dabei auch mehr Wärme erzeugen. Sie schwitzt mehr, aber nur weil sie mehr Arbeit leistet und nicht wegen einer magischen Eigenschaft der VO2max an sich.

Und unter dem Strich? Sollten Sie herausfinden wollen, wie sehr Sie an einem heißen Tag überhitzen oder schwitzen werden, sind einfache Faustregeln zu Fettleibigkeit und Fitness wohl nicht so geeignet. Schließlich gibt es so viele Arten von thermoregulatorischen Reaktionen, dass Sie sich auf Ihre eigene Erfahrung und auf einfache Tests wie das Wiegen vor und nach dem Lauf verlassen müssen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Flüssigkeit Sie während des Laufens verlieren.

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