Der Weg zum Läufer

Vom Ü100 zum U100

Nico Tedeschwilli hat mit Nordic Walking zum Laufen gefunden und ließ 50 Kilo Übergewicht auf der Strecke.

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Mit Nordic Walking stieg Nico stark übergewichtig in die Welt des Sports ein.

Bild: privat

„Anfang letzten Jahres war es endlich soweit: Ich hab’s geschafft, ein U100 zu sein“, sagt Nico. Ein „U100“ bedeutet Mann unter 100 Kilo. Es war Nicos Lebensziel oder besser gesagt eines der ganz großen Ziele, die ein Mann wie Nico erreichen will, der etwas auf sich hält, sich gerne chic kleidet und stets bestens gepflegt aus dem Haus geht.

Der 53-Jährige, der deutlich jünger aussieht, kämpft seit Jahrzehnten mit der Waage. „Nach meiner aktiven Zeit als Fußballer habe ich die vergangenen 20 Jahre vergeblich versucht, mein Gewicht in den Griff zu bekommen.“ Nico hat von „Hollywood“ bis „Nur noch Ananas“ alle möglichen Diäten ausprobiert. Sogar die Nulldiät in der Klinik mit dreiwöchigem Kuraufenthalt, Akupunktur, Hypnose und kalten Kompressen hat es nicht gebracht. Die Diäten verschlangen eine Unmenge an Geld und brachten nur den verhassten Jojo-Effekt.

Heute ist Nico Marathonläufer. Das Foto entstand auf der Zielgeraden des Luxemburger Halbmarathons 2007.

Nico zog die Notbremse

Eines Morgens überschritt die Waage mit 152,5 Kilo die Drei-Zentner-Marke. „Da war mir klar: Jetzt musst du die Notbremse ziehen!“ Das war im Jahr 2000, als Gehen mit Stöcken Mode machte. Jeder, der lange kein Sport mehr betrieb, traute sich nun wieder ran. So auch Nico. „Ich dachte, dass Nordic Walking der ideale Wiedereinstieg ins Sportleben sei.“ Und so war es auch. Die Stöcke machten ihn mobil, wenngleich es ihm sein männlicher Stolz anfangs verbot, tagsüber loszugehen. „Ich machte mich in der Abenddämmerung mit den Gehhilfen auf den Weg.“ Schließlich merkte er, dass das Gehen mit Stöcken auch ein wenig Feinmotorik verlangt und schloss sich einer geführten Nordic-Walking-Gruppe an. Vier bis fünf Mal die Woche legte er jeweils eine Stunde zurück. Bei gleichzeitiger Ernährungsumstellung purzelten die Kilos recht flott: Nach neun Monaten zeigte die Waage 20 Kilo weniger. „Mit der Gruppe bestritt ich auch erste Rennen. Ein Höhepunkt war Ende 2005 der Nordic Walking Day in Köln, wo ich 21 Kilometer nordic walkte.“

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Nach dem 10-km-Deulux-Lauf 2006 in Langsur, den er in 1:03 Stunden finishte mit Schwägerin Yvette, die auch mitlief.

Der Sprung vom Nordic Walker zum Läufer

Doch dann kam der Stillstand: Der Zeiger der Waage wollte sich nicht mehr rühren. Es galt standhaft zu bleiben. „In dieser schwierigen Phase unterstützte mich meine Frau, indem sie mir beteuerte, dass sich mein Körper trotz Gewichtsstillstandes super entwickelte.“ Inzwischen reichte ihm Nordic Walking nicht mehr aus, er fing zu laufen an. Erst im Minutentakt. Eine Minute Laufen, eine gehen. Bald steigerte er die Laufeinheiten auf fünf Minuten. „Dabei musste ich längere Zeit bleiben und es kamen erste Zweifel, ob ich es jemals zum echten Läufer schaffen würde.“ Hartnäckig zeigte er dem inneren Schweinehund die kalte Schulter und lief eines Tages nach fünf Minuten einfach weiter. „Am 16. Dezember 2005 schaffte ich 15 Minuten am Stück.“ Diesen magischen Tag wird er nie vergessen. Am Weihnachtsmorgen lief er bereits eine halbe Stunde. Das Eis war gebrochen, ein neuer Läufer geboren. Mitte Januar legte er locker eine Stunde zurück. „Ich lief genau 8,7 Kilometer die Stunde und nahm mir vor, eine Stunde nicht zu überschreiten, denn immerhin wog ich noch 128 Kilo. Ich wollte meinen Rücken und die Gelenke nicht zu sehr strapazieren.“

Er schloss sich den Weight Watchers an und pilgerte Woche für Woche mit Hunderten anderer Luxemburger in den deutschen Grenzort Perl, wo er unter Anleitung seine Ernährung noch einmal komplett umstellte. Binnen 15 Monaten speckte er mit Laufen und Weight Watching weitere 25 Kilo ab. Dann trat er einer Laufgruppe bei, die sich auf den Mini-Marathon in Luxemburg (4,2 km) vorbereitete. Nach seinem ersten Laufwettbewerb, dem 10-km-Osterlauf in Grevenmacher, verwarf er diesen Plan wieder, denn für einen 4,2-km-Lauf lief es einfach zu gut. „Also nahm ich mir vor, eine Staffel für den Luxemburg-Marathon aufzustellen mit drei Läufern, die sich die Marathondistanz teilen.“ Im Mai 2006 lief er dabei die letzte Teilstrecke über zwölf Kilometer bis ins Ziel. „Ich fühlte mich wie ein Olympiasieger, als ich dort eintraf.“

Für 2007 stand das läuferische Ziel fest: der Luxemburg-Halbmarathon. „In der Zwischenzeit hatte ich mit ‚Wakeup’ ein neues Ernährungskonzept entdeckt. So brachte ich meinen Stoffwechsel noch mal in Schwung.“ Im April 2007 näherte er sich der Hundert-Kilo-Grenze an. Der Gewichtsverlust motivierte ihn, noch mehr zum laufen.

Am 19. Mail 2007 war der große Tag im Leben eines Läufers gekommen: Mit über 7000 anderen Läufern stand er am Start des Luxemburger Halbmarathons. „So etwas habe ich noch nie erlebt, so viele jubelnde Menschen.“ Trotz Wadenkrämpfe kam Nico glücklich ins Ziel: Nach einer Zeit von 2:38 Stunden lief der U100 erhobenen Hauptes über die Zielgerade im Universitätsviertel Luxemburg.

Nicos Weg vom Ü100 zum U100:
1. Mit 152,5 Kilo legte er sich Nordic-Walking-Stöcke zu.
2. Zusätzlich verzichtete er auf kalorienhaltiges und fettiges Essen.
3. Um ein Ziel zu haben, nahm er an Nordic-Walking-Veranstaltungen teil und walkte dabei die Halbmarathondistanz.
4. 20 Kilo leichter reichte ihm Nordic Walking als Sport nicht mehr: Er begann zu laufen. Seine erste Laufeinheit: 1 min Laufen, 1 min Gehen im ständigen Wechsel. Er ließ sich Zeit, erst drei Wochen später erhöhte er die Laufabschnitte auf 5 min.
5. Mit 128 Kilo schloss er sich den Weight Watchers an, um sich noch disziplinierter zu ernähren.
6. Wieder setzte er sich ein Ziel und lief seinen ersten 10-km-Lauf.
7. Um die letzten Kilos bis zum U100 zu schaffen hielt er sich an das Ernährungskonzept „Wakeup“.
8. Als U100 finishte er überglücklich und stolz den Luxemburg-Halbmarathon 2007.