Alex Hutchinsons Lauflabor

Verbessert Beweglichkeit die Laufleistung?

Je beweglicher man ist desto besser. Davon gehen viele Läufer aus, wenn sie sich mit ihren Dehnübungen beschäftigen. Aber macht sie das wirklich schneller?

Verbesserung der Laufleistung durch gute Beweglichkeit?

Ist beweglicher gleich besser? Darüber gibt es verschiedene Meinungen.

Bild: iStockphoto.com / Jacob Ammentorp Lund

Beweglichkeit ist immer wieder ein heißes Thema für Läufer. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass beweglich zu sein besser ist. In den letzten Jahren gab es allerdings auch einige Hinweise darauf, dass "steifere" Läufer (eingestuft durch einen Sit-and-Reach-Test) eine bessere Laufökonomie haben und Stretching vor dem Laufen langsamer macht. Die Grundidee ist, dass die Muskeln und Sehnen in unseren Beinen wie Federn funktionieren, die mit jedem Schritt Energie speichern und abgeben. Dabei kann eine eng aufgerollte - also „steife“ - Feder natürlich mehr Energie speichern.

Viele verschiedene Muskeln und Sehen spielen eine wichtige Rolle für die Beweglichkeit

Das ist ein ganz netter Ansatz, aber damit ist die Frage nach einem Besser oder Schlechter noch nicht geklärt. Es gibt viele verschiedene Muskeln und Sehnen in den Beinen, die während der Laufbelastungen verschiedene Rollen spielen und auf unterschiedliche Weise betroffen sind. Einige neuere Studien des Forschers Keitaro Kubo und seiner Kollegen von der University of Tokyo zeigen, wie komplex das Problem ist.

Im Journal of Biomechanics haben die Forscher die Wadenmuskulatur von 20 gut trainierten Langstreckenläufern mit einer durchschnittlichen 5.000-m-Bestzeit von 14:26 Minuten mit denen von 24 untrainierten Kontroll-Probanden verglichen. Einer der offensichtlichsten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen bildete die Muskelsteifheit.

Das Diagramm zeigt, dass trainierte Läufer (Quadrate) mehr Kraft aufwenden müssen um ihre Muskeln zu strecken.

Bild: Alex Hutchinson

Nicht nur jahrelanges Training lässt Muskeln versteifen

Die vertikale Achse des links abgebildeten Diagramms zeigt, wie viel Kraft gebraucht wurde, um den Muskel in eine bestimmte Länge zu ziehen. Die trainierten Läufer (offene Quadrate) brauchten viel mehr Kraft, um ihre Muskeln zu strecken, als die Nicht-Läufer, d.h. ihre Wadenmuskeln waren unbeweglicher und steifer als die der Kontroll-Gruppe. Vermutlich ist dies das Resultat jahrelangen Trainings. Es gibt jedoch einige Beweise dafür, dass genetische Faktoren bei einigen Menschen die Veranlagung für steifere Muskeln bedingen und sich gerade diese Menschen häufig für den Laufsport entscheiden.

Diagramm Sehnensteifheit Kniestreck- und Wadenmuskelatur

Bild: Alex Hutchinson

Veränderung der Sehnensteifheit in der Kniestreckmuskelatur und der Wadenmuskelatur während eines 5.000-m-Laufs.

Eine andere Studie, erschienen im European Journal of Applied Physiology, analysierte die Steifheit der Sehnen (und weniger die der Muskeln) in einer Gruppe von 64 gut trainierten Läufernmit einer durchschnittlichen 5.000-m-Bestzeit von 14:54 Minuten (in einem Leistungsbereich von 14:11 Minuten bis 16:15 Minuten). Diesmal untersuchten die Forscher sowohl die Kniestreckmuskulatur, d. h. die Sehnen am Quadrizeps, als auch die Plantarflexoren wie beispielsweise die Achillessehne und entdeckten zwei unterschiedliche Muster.

Schnellere Läufer neigen zu flexiblerer Wadenmuskelatur

Die statistische Analyse legt nahe, dass schnellere Läufer eher zu einer steiferen Kniestreckmuskulatur und einer flexibleren Wadenmuskulatur neigen – also eigentlich das Gegenteil von dem, was frühere Studien nahegelegt haben. Dies ist bei weitem der größte Datensatz im Hinblick auf diese Frage, also lohnt sich es, die Ergebnisse ernst zu nehmen, auch wenn die Streuung der Daten sehr groß ist.

Können wir also ein klares Fazit aus den Ergebnissen ziehen? Persönlich erkenne ich keines — außer der Erinnerung daran, so einfach gestrickte Geschichten wie die, dass „größere Beweglichkeit geringere Energiespeicherung in der Muskulatur bedeutet“ mit Vorbehalt zu betrachten sind. Immerhin gibt es auch noch andere leistungsbasierte Studien, die belegen, dass dynamisches Dehnen vor dem Laufen die Leistungsfähigkeit verbessert.

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