Der Kilometerfresser

Toshihiko Seko

Toshihiko Seko, einer der bekanntesten Japaner im Marathonlauf, einer Kultdisziplin in Japan.

Zur Person
geb. am 15. Juli 1956 in Yokkaiichi City, Japan
Größe: 1,70 m
Gewicht: 59 kg

Marathon ist in Japan mehr als die Königsdisziplin der Leichtathletik. Der Marathonlauf ist sportlicher Kult, vergleichbar mit dem Nationalsport Sumo-Ringen. Toshihiko Seko war einer der bekanntesten Japaner in dieser Disziplin, wenngleich er nie eine Medaille bei einer internationalen Meisterschaft gewann. Doch hier gilt es anzumerken, dass es in den siebziger und achtziger Jahren, als Seko aktiv war, noch keine Weltmeisterschaften gab (1983 erstmals) beziehungsweise diese noch nicht im Zweijahres-Turnus stattfanden.

Die siebziger Jahre waren, was das Training von Langstreckenläufern betrifft, gekennzeichnet durch Experimente, die auf der Basis des Ausdauertrainings neuseeländischer (Arthur Lydiard) und australischer (Percy Cerutti, John Landis) Prägung beruhten. Drei Trainingseinheiten pro Tag und Kilometerumfänge deutlich über 300 Kilometer in der Woche waren keine Seltenheit und so mancher hat sich dabei seine Achillessehnen ruiniert, man denke nur an den Holländer Jos Hermens, der sich nach seiner Laufkarriere als Manager vieler international erfolgreicher Leichtathleten einen Namen machte.

Toshihiko Seko war als Schüler schon ein guter Mittelstreckler. Mit zwanzig Jahren traf er auf den Trainer Kiyoshi Nakamura. Von da an war nichts mehr wie vorher und Sekos Leben stand nun im Zeichen der kompromisslosen Unterwerfung unter die Fittiche dieses autoritären Trainers. Dieser sorgte zusammen mit seiner Frau dafür, dass die von ihm betreuten Läufer rund um die Uhr versorgt waren. Elemente des Zen-Buddismus flossen in seine Trainingslehre ein, manchmal las er seinen Schützlingen aus der Bibel vor. „Entscheidend ist nicht der Sieg", lautete sein Credo, „wenn du gewonnen hast und schlecht gelaufen bist, machst du dir etwas vor. Entscheidend ist der Weg."

Nakamura ließ Seko schon bald nach ihrem ersten Zusammentreffen längere Strecken laufen, 5000 und 10000 Meter, da er aufgrund der körperlichen Konstitution hier die größten Chancen sah für den kleinen, kompakt gebauten Läufer. Nach einem ersten Marathonversuch mit 21 Jahren, den er nach 2:26 Stunden beendete, gelang ihm bei einem zweiten Start im selben Jahr über diese Distanz eine Zeit von 2:15 Stunden, eine gute Ausgangsbasis also für weitere Großtaten. Die ließen nicht lange auf sich warten.

Ein Jahr später siegte er beim Fukuoka-Marathon auf der japanischen Südinsel Kyushu, damals einem der prestigeträchtigsten Marathons weltweit. Mit 2:10:21 Stunden tauchte er erstmals ganz vorne in der Weltrangliste auf. Im April 1979 traf er beim Marathon-Klassiker in Boston auf den US-Star Bill Rodgers – und wurde hinter ihm Zweiter (2:10:12).

Nach einem nochmaligen Sieg in Fukuoka im gleichen Jahr (2:10:35) pausierte er ein ganzes Jahr über die klassische Distanz und griff im Olympiajahr 1980 (bei dem sich Japan wie auch die BRD am Olympiaboykott der Moskauer Spiele durch die USA beteiligte) erst wieder im Dezember ins Marathongeschehen ein: In Fukuoka gelang ihm erstmals der Sprung unter die Marke von 2:10, als er in 2:09:45 gewann. Insgesamt viermal gewann Seko den Fukuoka-Marathon, am schnellsten war er dabei 1983 mit 2:08:52. Neben dem Klassiker in Fukuoka gewann Seko die Marathonläufe von Boston (1981 in 2:09:26 und 1987 in 2:11:50), Tokio (1983 in 2:08:38), London (1986 in 2:10:02) und Chicago (1986 in 2:08:27, seiner persönlichen Bestzeit).

Bei Olympischen Spielen zählte er stets zum Favoritenkreis, doch er wurde den Erwartungen nicht gerecht, weder 1984 noch 1988. Beide Male war es zu warm für Toshihiko Seko. In Los Angeles landete er auf Platz 14, in Seoul auf Platz neun. Es war sein letzter Marathon und der Abschluss seiner erfolgreichen Karriere. Seither ist er als Trainer tätig.

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