Ski-Trainingslager Kuusamo

Schlittschuhlaufen mit Stöcken und andere Alternativen

Carsten Schlangen beschreibt, was außer Skilanglauf am Polarkreis sporlich interessant ist.

Trainingslager

Die Kuven werden beim Retkiluistelua unter schwere alpine Wanderschuhe geschnallt.

Die Mittelstreckenläufer der LG Nord Berlin berichten in dieser Woche täglich exklusiv für RUNNER'S WORLD aus ihrem Skitrainingslager in Kuusamo (Finnland) nahe des Polarkreises. Ziel dieses Trainingslagers ist die gezielte Vorbereitung auf die kommende Olympiasaison.

Bericht 5. Skitag

Trainingseinheiten:


Vormittags-Mittags:
Franek Haschke: Abfahrtski; Moritz Höft: Snowboard; Johannes Riewe: Skilanglauf mit Skatingskiern; Carsten Schlangen: Schlittschuhlaufen nordisch; Jonas Stifel, Norbert Löwa und Jonas Hamm: Skilanglauf

Abends:
50 min Fahrtspiel - davon 6 min und 2 min flottes Tempo mit 3 min Pause

Temperatur über Tag: etwa -3°Celsius

Essen:
Mittags: belegte Brote und Milchreis
Abends: Pfannekuchen mit Spinat und Schafskäse; süße Pfannekuchen

Viele Athleten sprachen bereits Tage zuvor davon, sich für einen Tag vom Skilanglaufen auszuruhen. Heute reagierte unser Trainer Roland Wolff. Vermutlich weil er uns die Anstrengungen der letzten Tage deutlich ansah. Er gab uns den Vormittag zur freien Verfügung. Abgesprochen wurde nur der Zeitpunkt für das gemeinsame Fahrtspiel am Abend.

Wir entschieden uns für völlig unterschiedliche Wege. Während Johannes Riewe sich die Pisten der Vortage mit ausgeliehenen Skatingskiern gefügig machte, stürzten sich Franek Haschke und Moritz Höft todesmutig den extrem steilen Hügel von Ruka hinab. Franek auf Alpinskiern, Moritz auf dem Snowboard.

Carsten Schlangen wählte eine dem Skilanglauf sehr ähnliche Sportart, die den meisten Mitteleuropäern unbekannt sein sollte. Die Finnen nennen es leicht aussprechbar Retkiluistelua - was so viel bedeutet wie Tourskating. Im Prinzip ist es Schlittschuhlaufen mit Stöckern.

Mit normalem Schlittschuhlaufen, wie es in Deutschland auf Marktplätzen und in Eishallen möglich ist, kann man das Tourskating nicht vergleichen.
Die Kuven der Schlittschuhe sind circa 50 cm lang und nicht so scharf angeschliffen, wie bei normalen Schlittschuhen. Diese Kuven werden unter schwere alpine Wanderschuhe geschnallt, die den Fuß sehr fest einspannen und ein Umknicken verhindern. Durch die langen Kuven werden die Unregelmäßigkeiten der Seeoberfläche angenehm aufgefangen.

Um überhaupt auf einem finnischen See im Winter Tourskating zu betreiben, muss die Oberfläche recht mühselig vom Schnee freigeräumt werden. Die zum Teil bis zu 15 km langen Routen werden mit einem hinter einen Schneemobil gespannten Schneepflug bis auf die Eisoberfläche freigekratzt. Hier in Ruka können die Tourskates von der gleichen Organisation geliehen werden, die auch die Oberfläche des Talvijärvi aufbereitet. Die Nutzung wird separat pro Tag bezahlt.

Der hohe Aufwand lässt das Tourskating leider zu einem nicht so günstigen Freizeitspaß werden. Ein Tag kostet inklusive Ausstattung etwa 20 €.

Das Erlebnis ist allerdings überwältigend und wir können es jedem empfehlen, für den es sich im Winter in Finnland für einen Tag einrichten lässt. Die Geschwindigkeit ist im Gegensatz zum Skilaufen auf dem Eis sehr viel größer. Uns stellte sich allerdings die Frage, in wie weit die Skistöcke wirklich hilfreich sind, um mehr Geschwindigkeit aufzubauen, wenn nicht gerade ein starker Wind auf dem See weht. Die Stöcke dienen wohl eher der Stabilisierung des Gleichgewichtes auf dem Eis.

Die Skistöcke dienen der Stabilisierung des Gleichgewichts.