Progressives Lauftempo

Saif Saeed Shaheen

Saif Saeed Shaheen hält den Weltrekord über 3000-Meter-Hindernis.

Zur Person:
Geboren am 15. Oktober 1982 in Sergoit (Keiyo/Kenia) als Stephen Cherono. Seit dem Wechsel der Staatsbürgerschaft 2003 startet er für Katar.
Größe: 1,77 m
Gewicht: 64 kg

Saif Saeed Shaheen, der bis zu seinem Staatenwechsel im Jahr 2003 Stephen Cherono hieß und für Kenia unterwegs war, ist der erfolgreichste Hindernisläufer der letzten Jahre. Er war zweimal Weltmeister und hält seit September 2004 mit 7:53,63 Minuten den Weltrekord. Hätte er in Athen bereits für Katar laufen dürfen, wäre er wohl auch Olympiasieger geworden. Seit 2002 ist er in 28 Hindernisrennen ungeschlagen.

Sein Wechsel im Jahr 2003 hat für großes Aufsehen gesorgt und war der Anfang einer ganzen Reihe von „Überläufen“. Die Petro-Dollars aus dem Scheichtum am Persischen Golf haben nicht nur den damals erst 20-jährigen Stephen Cherono zu diesem Schritt veranlasst. Als Grund führt er an: „Mir wurde klar, dass sich in Kenia niemand um die Athleten kümmert. Wer verletzt ist oder krank, wird verges­sen. Die behandeln dich wie Abfall. Frühere Topathleten wie Naftali Temu oder Richard Chelimo starben wie Hunde. Und wenn ich sehe, wie viele Menschen in Kenia hungern, und auf der anderen Seite leben die Politiker in Saus und Braus, dann bin ich froh, dass ich nichts mehr mit dem Land zu tun habe.“ Das stimmt allerdings nicht ganz. Shaheen und all die anderen Ex-Kenianer, die heute in den Farben von Katar (oder Bahrain) unterwegs sind, leben und trainieren nach wie vor in ihrem Geburtsland. Nur eins hat sich geändert: Sie brauchen jetzt ein Touristenvisum.

Shaheen ist Vater von zwei Kindern und wohnt in einem prächtigen Haus in Eldo­ret. Zuletzt machte er allerdings mehr durch ­eine langwierige Verletzungsserie als durch Topleistungen von sich reden. Es begann im Frühjahr 2006 nach der Hallen-WM in Moskau mit Schmerzen an der rechten Achillessehne. Im Dezember war es dann die linke Achillessehne, die einen Start bei den Asien-Spielen in Doha unmöglich machte. Danach folgten Schmerzen im Knie (Patellasehne). Shaheen war bei verschiedenen Ärz­ten in Kenia, Finnland, Italien und Deutschland. Sie führten die Beschwerden teils auf eine Bein­längendifferenz, teils auf seinen Laufstil zurück. Er hofft nun, das Olympiajahr beschwerdefrei in Angriff nehmen zu können.

Stephen Cherono hatte mehr Talent als seine beiden Brüder Christopher Koskei (Hindernisweltmeister 1999) und Abraham Cherono (Dritter über die Hindernisse bei den Commonwealth-Spielen 1998, WM-Teilnehmer 2003). Schon mit 17 und 18 lief er Jahrgangs-Weltbestzeiten über 2000 Meter Hindernis, und mit 19 verbesserte er den Juniorenweltrekord über 3000 Meter Hindernis auf unter acht Minuten, obwohl er sagt, dass er eigentlich die 1500 Meter vorzieht: „Ich mag die 1500 Meter immer noch sehr, aber es gibt da ein größeres Problem: Bei uns zu Hause ist der Hindernislauf eine Familientradition. Ich musste machen, was Tradition ist.“ Als Stephen 20 Jahre alt war, begann er mit Renato Canova zu arbeiten, einem italienischen Coach, der viele Jahre für den italienischen Verband tätig war, bevor er als Coachkoordinator vom katarischen Leichtathletikverband angestellt wurde, für 5000 US-Dollar im Monat plus Spesen – und den gleichen Bonus, den auch die Athleten bekommen: 125.000 Dollar für einen WM-Sieg und das Doppelte für Olympia-Gold.

Canovas Trainingsregime hat viele Kernpunkte, die Bergsprints zum Beispiel. Aber das Hauptmerkmal sind die vielen Tempo­wechsel und die zunehmende Laufgeschwindigkeit selbst beim Bahntraining. Die Wieder­holungen beginnen immer (relativ) langsam und enden schnell, progressiv. Daher hat Shaheen alias Cherono die Fähigkeit, in einem Rennen mit dem Tempo zu spielen, und daher kommt auch sein hervorragendes Spurtvermögen. Das Programm beinhaltet in den ersten Monaten des Jahres lange Läufe bis zu einer Stunde und 20 Minuten.

Interessant ist nicht nur, wie sich Shaheen auf ein wichtiges Rennen vorbereitet, sondern auch sein Wintertraining.

Beispiel: eine Woche Ende 2004, Anfang 2005.
Montag:
50 min mittel / 30 min plus 10 x 400 m bergauf, 3 min Erholung.
Dienstag: 1:20 h (30 min progressiv plus 30 min Fahrtspiel – 1 min schnell, 1 min langsam – plus 20 min mittel).
Mittwoch: 1 Stunde / 1 Stunde.
Donnerstag: 30 min plus 10 x 800 m (400 m bergauf zur Bahn plus 400 m auf der Bahn mit der Bahnrunde in 64 sec), 45 sec Erholung / 40 min langsam.
Freitag: 1:20 h mittel / 40 min plus 6 x 40 sec Skipping.
Samstag: 30 min langsam plus 10 km schnell / 40 min
Sonntag: Ruhetag.

Bereits im Dezember und Januar geht Shaheen einmal pro Woche auf die Bahn, wobei die Betonung nicht nur auf langen Be­lastungen liegt (zum Beispiel 3 x 2000 m in 5:40 min plus 4 x 1000 m in 2:45 min, 3 bzw. 2 min Erholung), sondern auch in Mischformen mit langen und kürzeren Belastungen wie etwa drei Serien zu 3000 m in 8:45 min plus 400 m in 59 sec, 2 min Erholung und 4 bis 5 min Serienpause. Das heißt, Tempo­wechsel und progressives Laufen werden das ganze Jahr über beibehalten. Der Sonntag ist trainingsfrei.

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