Von der Heulsuse zum Champion

Sabrina Mockenhaupt

Eine der schillerndsten Figuren in der deutschen Frauen-Leichtathletik.
Zuletzt überzeugte sie auch im Marathon.

Sabrina Mockenhaupt

Sabrina Mockenhaupt nach ihrem Gesamtsieg über die Halbmarathondistanz beim Bonn Marathon 2007 in in 1:11:56 Stunden - damit war sie schneller als alle Männer.

Bild: Norbert Wilhelmi

Zur Person:
Geboren am 6. Dezember 1980 in Siegen
Größe: 1,55 m
Gewicht: 46 kg
Wohnort: Obersdorf bei Wilnsdorf
Verein: Kölner Verein für Marathon
Trainer: Paul-Heinz Wellmann, Heinz Weber (bis 2007)
Beruf: Seit 2001 Soldatin in der Sportfördergruppe der Bundes­wehr (zurzeit im Rang eines Stabsunteroffiziers).

Nie zuvor war die deutsche Leichtathletik im Bereich Laufen so schwach wie heute. Lediglich die Langstreckenläuferinnen, vor allem die auf der Marathondistanz, können auf internationalem Niveau mithalten, wenn auch in zweiter Reihe, aber immerhin. Vier Läuferinnen haben 2007 die Olympianorm geknackt (2:31:00 Stunden), drei dürfen im Sommer 2008 mit nach Peking.

Unterboten haben die geforderte Zeit bisher Irina Mikitenko (Zweite mit 2:24:51 in Berlin), Melanie Kraus (Erste in 2:28:56 in Frankfurt), Luminita Zaituc (Erste mit 2:29:37 in Düsseldorf) und Sabrina Mockenhaupt, die beim Köln-Marathon im Oktober 2007 bei ihrem Marathon-Debüt prompt 2:29:33 Stunden schaffte. Allerdings erklärte die 27-Jährige, dass sie bei Olympia in Peking vielleicht lieber über die 10 000 Meter antreten wolle, vorausgesetzt natürlich, sie schafft die Norm für diese Strecke.

Sabrina Mockenhaupt erreichte ihr persönliches Ziel und blieb als Siegerin des Köln Marathons 2007 mit 2:29:33 unter 2:30 Stunden.

Bild: Norbert Wilhelmi

Wenn heute noch Lauftalente entdeckt werden, hat dies viel mit Zufall zu tun und kaum mit Systematik bei der Talentsichtung. Zu wenig wird die Leichtathletik, speziell das Laufen, in den Schulen gefördert. Da hilft es schon, wenn die Eltern eingeschworene Läufer sind – so wie bei Sabrina Mockenhaupt, die läuft, seit sie 16 ist, und mit 17 anfing, regelmäßig und systematisch zu trainieren. Heute ist sie 27 und hat gerade ihren alten Trainer Heinz Weber verlassen – im Guten wohlgemerkt, denn der Grund für diesen Schritt ist einzig und allein, dass sie vom Training in der Gruppe um den erfahrenen Coach Paul-Heinz Wellmann in Leverkusen profitieren will.

Dort hat sie mit Melanie Kraus eine erfahrene Marathonläuferin als Trainingspartnerin vor allem bei den langen Trainingsläufen, die ja in der Marathonvorbereitung so entscheidend sind. In der Vorbereitung auf den Köln-Marathon kam Mockenhaupt so zum Beispiel auf Wochenumfänge von bis zu 190 Kilometer.

Talent zur Selbstvermarktung
Eines kann man Sabrina Mockenhaupt sicher nicht vorwerfen: dass sie sich nicht gut verkaufen würde. Ihre Internet-Seite ist gut gepflegt, kann sogar als vorbildlicher Athle­ten-Auftritt bezeichnet werden. Die 27-jährige Läuferin ist bei den Medien beliebt, weil sie für unbefangene und lockere Sprüche bekannt ist – ein nicht zu unterschätzender Vorteil im Werben um die Gunst von Sponsoren. Und derer gibt es einige bei Sabrina Mockenhaupt.

Sie ist die derzeit am besten vermarktete deutsche Langstreckenläuferin – kein Wunder, zählen ihre Kolleginnen respektive Konkurrentinnen auf dem Ausdauerparkett bei öffentlichen Auftritten doch eher zur spröden Spezies karger Wortfinder. Ihr Image als umgängliche Partnerin von Fragenstellern und Moderatoren verdankt „Mocki“ einigen spektakulären Auftritten in der Vergangenheit. Die öffentliche Wahrnehmung der Läuferin Sabrina Mocken­haupt war nämlich zunächst eher geprägt von tränenreichen Auftritten bei Live-Sendungen und einer Pressekonferenz bei den Weltmeisterschaften 2005 in Helsinki.

Einige unbedachte Sätze vor versammelten Medienvertretern über ihre Konkurrentin Irina Mikitenko nach dem 10 000-Meter-Finale bei den Europameisterschaften 2006 in Göteborg krönten ein Image, das die Läuferin aus dem Siegerland seither tunlichst zu korrigieren versucht – mit Erfolg, denn inzwischen herrscht demonstrative Harmonie im Lager der deutschen Langstrecklerinnen.

Gemeinsam zu neuen Zielen
Mit Irina Mikitenko, der vor Jahren eingebürgerten Langstreckenläuferin aus Ka­sachs­tan, hat Mockenhaupt inzwischen sogar einige Trainings zusammen bestritten, und zwar letztes Jahr im Höhen-Trainingslager von St. Moritz im Rahmen der Vorbereitung auf ihr Marathon-Debüt in Köln im Oktober. Was den Marathon betrifft, sei ihr Fernziel in jedem Fall die Weltmeisterschaft 2009, sagt sie. Die WM findet dann nämlich in Berlin statt.

Mit Irina Mikitenko im Team („Miki und Mocki“), wie sie letztes Jahr in einem Interview ausdrücklich betonte. Da wäre schon viel gewonnen, wenn sie die Bestzeit ihres Vaters Alfred Mockenhaupt erreichen würde. Die steht bei 2:24:58 Stunden. Eine solche Zeit reicht bei einem Weltmeisterschaftsmarathon vielleicht schon zu einem Platz auf dem Treppchen. 

Weiterlesen

Seite 1 von 3
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Erfolge von Sabrina Mockenhaupt