Der Front-Runner

Ron Hill

Ron Hill war ein Weltklasse-Marathonläufer, gilt aber auch als Pionier der Sportfunktionsbekleidung.

Zur Person:
Geboren am 25. September 1938 in Accrington, Nordwest-England

Der Brite Ron Hill gewann nie eine olympische Medaille, obwohl er zwischen 1964 und 1975 zu den besten Marathonläufern der Welt zählte und dreimal an Olympischen Spielen teilnahm. 1972 wurde er Sechster im Marathon und 1968 Siebter im 10 000-Meter-Finale – seine besten Platzierungen beim Höhepunkt sportlicher Wettbewerbe.

Ron Hills Karriere begann als Cross-Country-Läufer und als Bahnläufer über 5000 und 10 000 Meter. Für damalige Verhältnisse früh in seiner Karriere begann er mit dem Marathonlaufen. Seinen ersten Marathon, 1961 in Liverpool, gewann er auf Anhieb in 2:24:22 Stunden. Bei den Europameisterschaften in Belgrad 1962, es war sein dritter Start über die klassische Distanz, gab er auf, aber schon bei den Olympischen Spielen von Tokio zählte er zu den Favoriten, da er mit einer Bestzeit von 2:14:12 angereist war. Letztendlich kam er dort aber nur auf den 19. Platz.

Auch der nächste Auftritt auf der Bühne internationaler Meisterschaften misslang: Beim EM-Marathon von Budapest 1966 wurde Hill Zwölfter. Einen respektablen siebten Platz erreichte er allerdings im olympischen 10 000-Meter-Finale in der Höhenluft von Mexiko City, jenem legendären Lauf, bei dem die Athleten reihenweise im Ziel kollabierten und mit Sauerstoff versorgt werden mussten. Und dabei hatte er sich noch nicht mal in der Höhe vorbereitet.

Der Höhepunkt seiner Karriere kam im folgenden Jahr. 1969 wurde Ron Hill auf der schweren Strecke von Marathon nach Athen Marathon-Europameister (2:16:48). Im selben Jahr kam er beim Fukuoka-Marathon auf den zweiten Platz (2:11:54) und wenige Monate später, im April 1970, gewann er den Klassiker von Boston in 2:10:30 und unterbot damit den Streckenrekord um drei Minuten. Er hatte offensichtlich einen „Lauf“, denn drei Monate später gewann er den Commonwealth-Marathon in Edinburgh in 2:09:28 und war damit der zweite Läufer weltweit, der die Barriere von 2:10 unterbot (der erste war Weltrekordler Derek Clayton 1967 in Fukuoka mit 2:09:36,4).

1971 stellte Ron Hill seine Klasse erneut unter Beweis, als er beim EM-Marathon von Helsinki den dritten Platz belegte, und als der Brite im Juni 1972 mit einer Marathonzeit von 2:12:51 aufwartete, zählte er natürlich zu den Favoriten beim Olympiamarathon von München Anfang September. Doch wieder klappte es nicht mit einem Podestplatz: Hill wurde Sechster (2:16:30 Stunden). Das war sein 22. Marathon seit seiner Premiere 1961, und es sollten noch viele folgen.

Ron Hills Karriere als internationaler Topläufer dauerte bis Mitte der Siebzigerjahre. Mit 40 Jahren gelang ihm 1979 noch mal eine Spitzenzeit von 2:15:46. Seinen 115. und letzten Marathon bestritt er 1996 beim 100. Boston-Marathon (3:12:46).

Neben seinen sportlichen Er­folgen sorgte Ron Hill aber noch auf anderem Gebiet für Furore. Als Doktor der Chemie mit Spezialgebiet Textilchemie war er ein geborener Tüftler und wurde zum Pionier der Funktionsbekleidung im Sport. Ende der Sechzigerjahre kombinierte er erstmals Kunstfasern mit Baumwolle. Seine Split-Shorts sind legendär, seine Netz-Singlets Kult.

Heute macht Ron Hill eher durch skurrile Aktionen von sich reden. So vermarktet er sich als Weltrekordler im täglichen Laufen („Streak-Running“) und führt dabei eine Zeit­spanne seit Dezember 1964 an. Selbst nach Operationen machte er sich auf Krücken auf den Weg, nur um diese Serie nicht beenden zu müssen. Allerdings definiert er tägliches Laufen auch sehr eigenwillig: Eine Meile genügt demnach schon.

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